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Muslimischer Seelsorger warnt : „Potential der Radikalisierung in Gefängnissen wächst“

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Betreut seit sieben Jahren muslimische Gefangene in Wiesbaden und Rockenberg: Husamuddin Meyer Bild: Kretzer, Michael

Der Imam Husamuddin Meyer hört bei seiner Arbeit in zwei Haftanstalten auch radikale Parolen. Er hält dagegen. Aufgeben will er niemanden.

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          Wie groß ist die Gefahr für Muslime, in Gefängnissen radikal zu werden?

          Zu Radikalen hingezogen sind vor allem Muslime, die wenig religiös und kaum gebildet sind und die Hass in sich tragen. Der extremistische Islam gibt ihnen ein Ventil für ihre Wut. Und Aufstiegsmöglichkeiten – von einem, der als Straftäter ganz unten steht, zu einem, der sich als Auserwählter fühlt. Das Potential der Radikalisierung in Gefängnissen wächst derzeit, weil nun auch radikalisierte Rückkehrer aus den syrischen und irakischen Kampfgebieten einsitzen. Außerdem haben mittlerweile mehr Gefangene als früher Kontakte in die salafistische Szene.

          Wie läuft ein solcher Prozess hinter Gittern ab?

          Vor allem in den Gesprächen der Gefangenen untereinander. Von außen kommt Propagandamaterial zum Glück nicht mehr in die Gefängnisse.

          Wie groß ist das Problem?

          Radikalisiert ist zwar nur ein kleiner Prozentsatz der Gefangenen, aber die Entwicklung kann im Einzelfall sehr schnell gehen. Ein radikaler Muslim mit Überzeugungskraft kann durchaus fünf Mitgefangene in seinen Bann ziehen. Bei ihrer Entlassung werden sie dann nicht selten von salafistischen Gruppen aufgefangen – für sie sind diese Männer dir ideale Klientel.

          Kennen Sie Häftlinge, die die Anschläge in Paris gutheißen?

          Es gibt Häftlinge, die muslimische Attentäter als Helden sehen, zum Beispiel Mohamed Merah, der 2012 in Toulouse sieben Menschen tötete und von der Polizei erschossen wurde. „Er hat es richtig gemacht“, sagte mir damals ein Häftling. Dagegen gehe ich natürlich an. Auch dagegen, wenn Häftlinge die Attentäter von Paris verehren sollten, oder meinen, der sogenannte „Islamische Staat“ sei vielleicht doch gut. Für mich ist das klar ein antiislamischer Staat. Das habe ich auch bei einem Freitagsgebet so gesagt, Häftlinge sind dankbar für solche Klarstellungen. Auch für die, dass der Islam Terror verbietet.

          Was genau bieten Sie muslimischen Häftlingen an?

          Sprechstunden und Gruppentreffen. In den Gruppensitzungen werden nicht selten theologische Fragen besprochen, in den Einzelgesprächen natürlich auch ganz andere Fragen aus dem persönlichen Leben. Mein Hauptanliegen ist es, das Selbstwertgefühl und die Ausgeglichenheit der Männer zu stärken, auch, damit sie für radikale Parolen nicht anfällig werden. Diese Häftlinge will ich schützen, auch von den schon stark Radikalisierten gebe ich keinen auf, auch wenn sie nur schwer zu überzeugen sind.

          Sie sind seit sieben Jahren Geistlicher in den Haftanstalten von Wiesbaden und Rockenberg. Wie viele Imame wie Sie gibt es in Hessen?

          Außer meinem Kollegen in Frankfurt und mir keinen, so weit ich weiß. Dabei wären mehr Geistliche dringend erforderlich. Immerhin ist geplant, dass mein Stundenkontingent in Wiesbaden von neun auf 15 Stunden in der Woche erhöht wird. Umgerechnet auf die Zeit, die ich pro Häftling habe, ist das immer noch sehr wenig. In Rockenberg bin ich nur sechs Stunden pro Woche.

          Was müssen Muslime leisten, um Extremismus in den eigenen Reihen zu bekämpfen?

          Sie müssen vor allem auf gute Imame achten. Einiges ist schon besser geworden. Marokko zum Beispiel hat den wahhabitischen Einfluss zurückgedrängt und schickt gebildetere Geistliche nach Europa. Aber es muss auch jeder Gläubige darauf achten, was in seiner Moschee geschieht und ob es Gruppen gibt, die auf eine ungute Weise missionieren wollen. Dazu gehört eine gute Jugendarbeit. Ganz wichtig für Muslime ist das Gefühl, in Deutschland anerkannt zu sein. Der Satz von Kanzlerin Merkel, der Islam gehöre zu Deutschland, ist deswegen sehr, sehr wichtig.

          Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

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