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Giorgio Moroder in Frankfurt : Disco Forever

  • -Aktualisiert am

Brille, Schnurrbart, Star, Orchester: Giorgio Moroder auf der Bühne Bild: Bäuml, Lucas

Wie bringt man die Welt zum Tanzen? Der italienische Musikproduzent und Komponist Giorgio Moroder gibt in Frankfurt Einblick in das Geheimnis seines Erfolges.

          2 Min.

          Sag niemals nie. Mit 78 Jahren ist Giorgio Moroder erstmals auf Welttournee. Zu verdanken hat er die Idee einem Branchenkollegen. Der Filmkomponist Hans Zimmer packte vor geraumer Zeit seine Werke in eine Bühnenshow mit großem Orchester und reiste durch die großen Arenen. Als er zurück nach Los Angeles kam, erzählte er seinem seit 1978 dort ebenfalls ansässigen Kumpel Giorgio davon. Der dachte sich: Was der kann, kann ich auch.

          Außerdem sprach ein weiterer Freund dem zeitlebens von heftigem Lampenfieber geplagten Moroder Mut zu. Nile Rodgers berichtete ihm, wie toll das Publikum ihn unlängst in Frankfurt empfangen habe. So zumindest erzählt Moroder es zur Begrüßung in der nicht ganz ausverkauften Jahrhunderthalle. Da hat er zum Einstieg das instrumentale „(Theme From) Midnight Express“ aus dem Kinodrama von 1978 schon abgehakt und die ersten stürmischen Ovationen entgegengenommen.

          Stets etwas klamm

          Längst gilt Moroder als Legende. Seine Karriere begann mit 19 Jahren im Aachener Scotch-Club, sieben Jahre später wechselte er ins Studiofach, veröffentlichte unter zahlreichen Pseudonymen eigene Werke und Coverversionen damaliger Tageshits, produzierte und komponierte für Ricky Shayne, Adriano Celentano, Mary Roos und Michael Holm. Mit ihm zusammen unterhielt er in Berlin einige Jahre lang das Komponisten- und Produktionsteam Stop International und das Popduo Spinach. Auch aus der Zeit, in der der spätere Millionär finanziell stets etwas klamm war, landauf, landab Auftritte in Discotheken absolvierte und meist im Auto schlief, bekommt die tanzfreudige Besucherschar etwas zu hören.

          Moroder greift sogar als Sänger zum Mikrofon. Der Bubblegum-Hit „Looky Looky“ brachte ihm 1970 eine Goldene Schallplatte und, wie Moroder erläutert, „jede Menge Geld“ ein. Damit finanzierte er sich in München im Keller des Arabella-Hochhauses seine Musicland Studios, in denen wenig später Led Zeppelin, die Rolling Stones, Deep Purple, ELO, T. Rex und Queen ein und aus gingen.

          Notengetreue Authentizität verleihen

          Dort begegnete ihm auch jene begnadete Stimme, der Moroder seinen internationalen Durchbruch, den Sprung über den großen Teich sowie vier Grammys und drei Oscars verdankt: Donna Summer, die sich in jenen Tagen nach Engagements in diversen Musicals als Studiosängerin ein Zubrot verdiente. Moroder, Summer und der Texter Pete Bellotte kreierten den Munich Disco Sound und schüttelten locker einen Welthit nach dem anderen aus den Ärmeln. Sieben Summer-Pretiosen sind über das Programm des Frankfurter Konzerts verteilt. Der routinierten Begleittruppe gelingt das Kunststück, den diversen Evergreens notengetreue Authentizität zu verleihen. Eindrucksvoll zeigt Moroder zusammen mit den Musikern, wie das Thema des Discothekenkrachers „I Feel Love“ entstand, der Brian Eno gegenüber David Bowie zur Äußerung „I have heard the sound of the future“ veranlasste.

          Je weiter Moroder musikalisch allerdings in die achtziger Jahre vordringt, desto glatter geraten ihm die Melodien. Ob Limahls „Neverending Story“, Philip Oakeys „Together In Electric Dreams“, Irene Caras „What A Feeling“ oder Berlins „Take My Breath Away“, das wie „Danger Zone“ von Kenny Loggins aus dem Soundtrack zum Kinoblockbuster „Top Gun“ stammt – all das ist hübsch anzuhören, aber es fehlt der experimentelle Pioniergeist. Den besitzen wiederum „From Here To Eternity“ und ein weiterer Auszug aus Midnight Express, „Chase“.

          In den Genuss der Originalstimmen von Summer und Bowie zur Bandbegleitung lässt der Meister das Publikum auch kommen, im Falle von Summer gar samt Videoclipeinspieler zum epischen „MacArthur Park“. Nicht fehlen darf „Giorgio By Moroder“ vom French-House-Duo Daft Punk, dem Moroder sein Comeback vor einigen Jahren verdankt. Auch da verrät er Interna: „Ich weiß, wie die beiden Jungs ohne Motorradhelme ausschauen.“

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