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Musikmesse : Die Stadt zum Klingen gebracht

Piano Man: In der Stadt verteilte Klaviere für jedermann gehörten zum Begleitprogramm der Musikmesse. Bild: Kreibig, Lukas

Das neue Konzept der Musikmesse mit begleitendem Festival erntet Lob von allen Seiten. Die wenige Kritik wird an der Stadt geäußert.

          3 Min.

          Die Baldriantropfen können wieder im Schränkchen verschwinden. Zu diesem Hausmittel hat Wolfgang Weyand, Organisator des Musikmesse-Festivals, nach eigener Aussage nämlich gegriffen, als die Planungen für die Begleitveranstaltung zur Frankfurter Musikmesse besonders hektisch gerieten. Doch nun kann Weyand wieder ruhiger schlafen. Das Festival hat sein Publikum gefunden und auch den Auftraggeber begeistert. „Das erste Musikmesse-Festival ist aus unserer Sicht sehr positiv verlaufen“, sagt Detlef Braun. Dem Geschäftsführer der Messe Frankfurt zufolge haben mehr als 20.000 Musikfans die mehr als 50 Konzerte in rund 30 Locations besucht.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Unser Ziel war, die Musik parallel zur Musikmesse in die Stadt zu tragen und das aktive Musizieren für vier Tage in den Mittelpunkt zu stellen. Der Start ist gelungen“, meint Braun. Nächstes Jahr soll es eine weitere Ausgabe des Festivals geben.

          Festival soll sich allmählich entwickeln

          Weil die Planungen für das Festival erst sehr kurzfristig begannen – Weyand hatte den Auftrag zur Organisation erst Anfang Dezember vergangenen Jahres erhalten –, musste manches im Ablauf Improvisation bleiben. Mit entsprechender Vorlaufzeit dürften im nächsten Jahr aber einige Startschwierigkeiten behoben sein. So regten einige Beobachter des Festivals an, die Konzerte im nächsten Jahr mit versetzten Zeiten beginnen zu lassen, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, mehrere Auftrittsorte zu besuchen. Auch ein Shuttleservice vom Messegelände zu den Veranstaltungsorten oder ein zusätzliches Angebot öffentlicher Verkehrsmittel zu den Konzertstätten, etwa auf der Nachtbus-Route, könnten helfen, das Musikmesse-Festival in der Stadt zu etablieren.

          Wolfgang Weyand mangelt es jedenfalls nicht an Ideen für die nächste Auflage. So will er sein Augenmerk unter anderem auf die Kooperationen von Instrumentenherstellern und Künstlern richten. Etliche Manufakturen stellen bekannten Musikern ihre Produkte kostenfrei zur Verfügung und haben dafür Präsentationen, etwa auf Messen, gut. Der Gedanke, mit diesen Künstlern eine All-Star-Band zu formen, die exklusiv auf dem Festival jammt, gefällt Weyand ebenso gut wie jener, die Bigband des Hessischen Rundfunks während des Festivals jeden Tag mit einem anderen Gaststar auftreten zu lassen. Solche nicht alltäglichen Kollaborationen trügen gewiss zur Profilierung des Festivals bei, das sich nach Meinung seiner Macher aber ohne übersteigerte Erwartungen allmählich entwickeln soll.

          Auch sollte es kein Einzelfall bleiben, die Schau im Gegensatz zu früher an allen Tagen für das Publikum zu öffnen. Vielmehr sollte die Messe Frankfurt auch im nächsten Jahr so verfahren, wie Markus Hoppe vom Gitarrenbauer Lakewood aus Gießen meint. Hoppe hat das neue Messekonzept als sehr positiv erlebt: „An unserem Stand war richtig viel los.“ Dass die Musikmesse von Beginn an für jedermann offen sei, habe sich offenbar unter den Endverbrauchern herumgesprochen. So, wie es beabsichtigt gewesen sei.

          „Die Messe hat ihr Möglichstes getan, die Stadt leider nicht.

          Auch der Flötenhersteller Mollenhauer aus Fulda heißt das neue Konzept, zu dem auch ein Food-Truck-Festival zählte, gut. Die Öffnung für alle Besucher an sämtlichen Ausstellungstagen sei sicher der richtige Schritt, um ein ausreichend großes Publikum zu mobilisieren und damit die Bedeutung der Musikmesse zu gewährleisten, meint Nik Tarasov, Mitglied der Geschäftsleitung des Unternehmens, das dieses Mal nach eigener Beobachtung der einzige Flötenbauer auf der Schau war. Die Musikmesse sei wie keine zweite Veranstaltung ein Ort, an dem Besucher und Aussteller miteinander ins Gespräch kommen könnten. „Dieses Konzept sollte beibehalten und künftig noch um weitere Anreize für den Endverbraucher erweitert werden.“

          Dagegen vertritt ein in der Region verankerter namhafter Händler von Notensammlungen und Instrumenten die Ansicht, das neue Konzept sei nicht vollständig vermittelt worden. „Die Messe hat ihr Möglichstes getan, die Stadt leider nicht. Musik wird hier nicht gelebt“, lautet die Kritik. Die Schau habe im öffentlichen Raum keine ausreichend große Rolle gespielt.

          Lob und Tadel für die Schau äußert Alan Sherry vom Musik-Shop City an der Berliner Straße. Einerseits war es für ihn die langweiligste Musikmesse der vergangenen 20 Jahre, weil viele Aussteller gefehlt haben, wie er sagt – darunter weltweit vertretene Gitarrenbauer wie Fender, Gibson und Taylor, aber auch Hersteller von Schlagzeugen. Als richtig erachtet Sherry jedoch die durchgehende Öffnung für das Publikum. „Die Kunden kaufen letztlich die Instrumente und zahlen unsere Gehälter“, gibt der Händler zu bedenken.

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