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Premiere auf der Musikmesse : Gitarre gefällig?

Saitenweise: Die Vintage-Gitarren-Ausstellung soll ein Besuchermagnet während der Musikmesse werden Bild: Jochen Günther / Messe Frankfurt

Was 2019 eine Art Versuchsballon am Tag nach der Schau war, feiert dieses Mal Premiere: Besucher können während der Musikmesse in Frankfurt am Ort etwa Gitarren kaufen und veräußern. Nicht nur von Händlern.

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          Noch dauert es ein bisschen. Erst am 1. April öffnet die Musikmesse in Frankfurt ihre Türen. Doch schon jetzt meldet sich die Messegesellschaft als Veranstalter regelmäßig mit kleinen Vorschauen zu Wort. Denn Klappern gehört nicht nur zum Handwerk. Auch Ausstellungsmacher müssen werben. Für eine Schau wie die Musikmesse gilt das besonders. Denn die Besucherzahlen kennen seit Jahren nur eine Richtung: abwärts.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Angesichts dessen sucht der Veranstalter neue Wege, um mehr Gäste anzuziehen. Diesem Ziel soll eine Premiere dienen: An den beiden Publikumstagen können Gitarrenfreunde erstmals während der Schau Instrumente mit sechs oder zwölf Saiten kaufen und veräußern. Vintage-- und Custom-Shop-Instrumente sind ebenso zu haben. Und wer will, kann mit Blick auf sein gebrauchtes oder ungenutztes Instrument auch Kontakt mit einem spezialisierten Händler aufnehmen. Wer eine Querflöte, einen Bass oder ein Keyboard veräußern will, muss auch nicht draußen bleiben.

          Ergänzung des Angebots für Privatbesucher

          Das Forum für diese Geschäfte wird der „Musikmesse Plaza“ sein, ein sogenannter Pop-up-Erlebnismarkt. Wem das Konzept bekannt vorkommt, der hat recht. Schon im vergangenen Jahr konnten Gitarren am Ort von Privatleuten an- und verkauft werden. Allerdings nicht während der Musikmesse, sondern erst nach ihrem offiziellen Ende.

          Die Messe Frankfurt GmbH will die Aktion nicht von einem Versuchsballon gewertet wissen. Doch sagt ein Sprecher: „Das war als Erfolg zu werten.“ Nun solle der An- und Verkauf das Programm für Privatbesucher am 3. und 4. April ergänzen, das sind der Freitag und der Samstag. Diese beiden Tage dafür bleiben dem Fachpublikum vorbehalten, also Herstellern und Händlern sowie Rechteverwertern etwa.

          Die Dominanz der Großen

          Die Messe kämpft seit Jahren mit unerfreulichen Trends. Die Zahl der Händler von Instrumenten und Zubehör sinkt. Einer Handvoll großer Händler wie Thomann in Franken und Music Store in Köln, wird nachgesagt, insgesamt mehr als die Hälfte des Marktes abzudecken. Allein Thomann beliefert auch dank des Online-Geschäfts Millionen Kunden in 140 Ländern.

          Sinkt aber die Zahl der Händler, gibt es auch tendenziell weniger Fachbesucher aus dieser Gruppe auf der Musikmesse. Und Privatleute müssen nicht auf die Schau in Frankfurt warten, um neue Instrumente in Augenschein zu nehmen und zu spielen. Längst genügen dafür ein paar Clicks auf der Internetseite des jeweiligen Händlers des Vertrauens.

          Zudem zeigen sich die Hersteller in einer Frage gespalten. Der Flötenbauer Mollenhauer aus Fulda kam 2019 mit einem abgespeckten Stand, wegen des Besucherrückgangs. Die Osthessen verzichteten auf Werkbank für Schauarbeiten und eigene Mini-Konzerte. Umgekehrt gibt es Hersteller, die sich durch zu viel Publikum gestört fühlen. Weil Besucher die Gespräche mit Händlern und anderen Fachbesuchern beeinträchtigten.

          Unter Druck

          Die Frankfurter Musikmesse hat über viele Jahre als die Branchenschau schlechthin gegolten. Doch steht sie unter Druck. Die Zahl der Fachbesucher sank von 100.000 im Jahr 2017 auf zuletzt 85.000. Gleichzeitig mausert sich die amerikanische Namm-Show in Kalifornien seit Jahren, in Leipzig gibt es nun eine Musikmesse für Privatbesucher. Auch besuchen tendenziell weniger Aussteller die Musikmesse am Main, wobei der Rückgang aber verhalten ausfällt; im vergangenen Jahr kamen gut 1600 Firmen. Im Gegenzug zählte das Musikmesse Festival mit seinem die Schau begleitenden Konzerten rund 25.000 Fans und damit 5000 mehr als im Vorjahr. (thwi.)

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