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Musikerkollektiv Lambchop : Wagners Kosmos

Hat ein Faible für Auto-Tune: Kurt Wagner, Kopf der Band Lampchop Bild: Centralstation Darmstadt

Das Musikerkollektiv Lambchop aus Nashville führt in der Centralstation Darmstadt seinen minimalistischen Singer/Songwriter-Country auf. Dabei gibt Kurt Wagner, Kopf und Stimme des Projekts, Einblick in seinen Sound-Kosmos.

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          Stay auto-tuned! Denn Kurt Wagner, Kopf und Stimme des amerikanischen Alternative Country-Projekts Lambchop hat sein Faible für dieses eigentlich ja zur Stimmkorrektur im Aufnahmestudio verwendete Programm entdeckt. Nun ist der Einsatz von Auto-Tune als Effekt zwar schon lange nichts Neues mehr und spätestens mit Chers Hit „Believe“ auch im Mainstream-Pop angekommen. Wagners mal kratzige, mal nur gemurmelte Gesänge derart verfremdet zu hören wie auf dem jüngsten Lambchop-Album „This (Is What I Wanted To Tell You)“ ist gleichwohl eine Überraschung, selbst wenn er bereits auf dem Ende 2016 veröffentlichten Vorgängeralbum „Flotus“ mit Auto-Tune experimentierte. Gar zu ernst sollte man diesen Ausflug von der bisher bevorzugten Veranda in die Welt der Geräusche aber nicht nehmen. Er ist vielmehr ein weiteres Beispiel für die schier grenzenlosen Ausdrucksmöglichkeiten in Wagners eigenem Sound-Kosmos.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der ist im Country begründet, hat aber seit der Veröffentlichung des Debütalbums „I Hope You’re Sitting Down“ im Jahr 1994 zahlreiche Ergänzungen, Erweiterungen und Deutungen erfahren, sei es nun um Post-Rock, Lounge, Electronica oder vor allem Soul, Kurt Wagners anderer Leidenschaft. Soul-Songs im Geiste von Curtis Mayfield sind auch auf dem neuen Album zu hören, von Wagner in seiner eigenen, in die Tiefe gehenden Art gesungen. Diese Songs schwelgen aber nicht allein nur im Geigenhimmel, sondern sind mal funky oder noisy, wenn auch nur für Sekunden.

          Manchmal schlendern die Lieder auch in Richtung zeitgenössischen Jazz, wobei die komplexen Harmonien des Kollektivs aus Nashville eher für die Komplexität des Daseins stehen als eine bewusste Hinwendung zu einem musikalischen Genre, wie überhaupt das Wagnersche Songwriting mittlerweile eher an Klanginstallationen denn an Lieder im klassischen Sinne denken lässt. Das oft zurückgenommene Spiel der Band, das Hingetupfte, das bewusst Verharrende unterstreicht dabei aber kongenial Wagners poetische, assoziative Texte, in denen er sein eigenes Dasein, das Dasein der Welt oder auch seine Frau, die Politikerin Mary Mancini, aktuelle Vorsitzende der Demokratischen Partei im Bundesstaats Tennessee, besingt.

          Mit diesen Liedern, aber wohl auch manch geliebtem Song von großartigen Lambchop-Alben wie „Nixon“, „Is A Woman“ oder „OH (Ohio)“ sind Lambchop nun nach längerer Pause mal wieder auf Deutschland-Tournee. Die führt die Band auch nach Darmstadt in die Centralstation. Im Vorprogramm ist Joyero zu hören, das neue Projekt von Andy Stack, der sonst beim Indierock-Duo Wye Oak aktiv ist und auch schon mit Lambchop gespielt hat.

          Lampchop

          Das Musikerkollektiv tritt am 20. April um 20 Uhr in der Darmstädter Centralstation auf.

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