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Musiker spielen für Senioren : Zwanzig Minuten Abwechslung

  • -Aktualisiert am

Tauschkonzert: Die Musiknacht ist abgesagt, Carsten Olbrich singt deshalb vor einem Altenheim. Bild: Maximilian von Lachner

Der Alltag im Altenheim ist dieser Tage oft eintönig und von Einsamkeit geprägt. In Frankfurt haben mehrere Musiker, deren Auftritte abgesagt wurden, für etwas Abwechslung unter den Senioren gesorgt.

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          Die Bewohner des Pflegewohnstifts am Wasserturm in Rödelheim sind Konzerte und Veranstaltungen eigentlich gewohnt. Doch wegen der Corona-Krise und der Schritte zur Eindämmung des Virus passiert seit einigen Wochen nur wenig im Wohnheim an der Wolf-Heidenheim-Straße. „Wir können keine Veranstaltungen, schon gar nicht in größeren Gruppen, anbieten“, sagt Kay Brocks, Leiter des begleitenden Diensts, der sich eigentlich um solche Programmpunkte kümmert. Aber eine Reihe überraschender Konzerte am Dienstag und Mittwoch haben sich doch einrichten lassen: „Und wenn es nur für 20 Minuten war“, ruft Gitarrist und Songwriter Carsten Olbrich, der als „Herr Ebu“ auftritt, den Heimbewohnern am Mittwoch zu. Er steht auf dem Hinterhof des Stifts und singt. Einige Heimbewohner schauen aus ihren Fenstern, manche klatschen zur Musik. Den Auftritt hätte sich Olbrich eigentlich ganz anders vorgestellt.

          Ursprünglich sollte er Mitte Mai bei der Rödelheimer Musiknacht spielen. Doch das Stadtteilfestival wird wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Als das bekanntwurde, hatte jemand in einer Chat-Gruppe angeregt, dass man doch die Musiker fragen könne, ob sie vor Wohnheimen im Viertel spielen würden. Musiknacht-Organisatorin Heike Hecker hat diese Frage an die Musiker, Solisten und Duos, weitergeleitet. Größer sollten die Gruppen nicht sein, um die Ausgangsbeschränkungen einhalten zu können. Außerdem habe man die genauen Uhrzeiten, wann die Musiker auftreten werden, nicht veröffentlicht, damit nicht zu viele Menschen kommen und die Abstandsregeln missachten konnten.

          Schnell geplant und umgesetzt

          All das wurde erst vergangene Woche geplant, aber schon am Mittwoch steht Olbrich vor den Senioren. Einige nutzen die Gelegenheit auch für ein kurzes Gespräch mit dem Musiker. „Ich mache den Senioren gerne eine Freude“, sagt er, Auch wenn er dafür nicht bezahlt wird. Den älteren Damen und Herren scheinen die Lieder, die er allesamt selbst geschrieben hat, zu gefallen. Zwei Frauen im dritten Stockwerk haben einen Tisch und zwei Stühle an ihr Fenster geschoben. Schon nach wenigen Minuten steht eine von ihnen aber auf und lehnt sich aus dem geöffneten Fenster und klatscht nach jedem Lied Beifall.

          Neben dem Konzert von Herrn Ebu am Mittwoch und dem Kammerjazz-Duo Axel Freudenberger und Christian Müntz am Dienstag bieten den Bewohnern momentan nur einige Spaziergänge Abwechslung. Normalerweise kommen ein- bis zweimal im Monat Künstler in das Pflegewohnstift am Wasserturm. „Musik ist für die Bewohner sehr wichtig“, sagt Brocks. Die Auftritte an den vergangenen Tagen seien deshalb „ein Stück normales Leben für sie gewesen“. Von den 123 Plätzen, die das Heim anbietet, sind die meisten belegt. Etwa die Hälfte der Bewohner haben ihre Fenster geöffnet, um die Musik aus dem Hof zu hören. Und um für einige Minuten mit der Außenwelt in Kontakt zu treten.

          Am Donnerstag Abend, also zum „Tanz in den Mai“, tritt der Entertainer Enzo vor dem Sozial- und Rehazentrum West des Frankfurter Verbandes auf. Zu welcher Uhrzeit, ist noch nicht bekannt. Weitere dieser ungewöhnlichen Konzerte werden schon geplant.

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