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Musiker Shantel im Gespräch : „Frankfurt war für mich die perfekte Spielwiese“

Das war Zufall. Ich habe damals jemanden getroffen, der hatte ein kleines Studio. Der sagte: „Komm, wir machen mal was zusammen.“ So haben wir einen Soundtrack für die Nacht erstellt. Andere Bekannte von mir hatten gerade ein Plattenlabel gegründet. Die fanden meine Musik interessant, die ich mit Hilfe eines Mischpults, eines Synthesizers und eines Plattenspielers bei unseren Partys produzierte.

Was war das für Musik?

Es ging um Tanzmusik. Damals feierte in Frankfurt die Techno-Musik ihre ersten Erfolge. Wir im „Lissania“ waren eine Gegenbewegung dazu, denn Techno fanden wir blöd, das war uns zu teutonisch und zu sehr Massenware. Wir wollten sinnliche Musik, Eklektizismus, ein Durcheinander der Stile.

Gelang Ihnen das?

1994 habe ich die erste CD produziert: Club-Guerilla. Das war ein programmatischer Titel, wir wollten ja die etablierte Clubkultur unterwandern. Die Auflage lag bei 500 Stück. Nach drei Wochen wurden 1000 nachgepresst. Und noch einmal eine Woche später kam die erste Anfrage für einen Auftritt, aus Wien von einem Radiosender.

Was wollten die Wiener von Ihnen?

Die sagten, sie veranstalteten ein Festival und würden mich gerne engagieren. „Was soll ich denn machen?“, fragte ich. „Mach ein Konzert“, lautete die Antwort. „Hab ich noch nie gemacht“, wandte ich ein. „Dann ist es halt das erste Mal“, erwiderten die Radio-Leute. Und so gab ich in Wien mein erstes Konzert.

Wie lief’s?

Technisch war diese erste Show eine Katastrophe. Nichts hat so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich kam gut an.

Begann damit Ihre Weltkarriere?

Ja, ich begann, die Treppe hoch zu fallen.

Und Ihr Studium?

Grafikdesign hatte für mich schon Substanz. Aber im Studium langweilte ich mich. Viel mehr habe ich bei meinem Vater gelernt, bei dem ich gejobbt habe. Der war Gebrauchsgrafiker und machte Werbekampagnen für Firmen. Mir war aber klar: Ich will kein Gebrauchsgrafiker sein und für einen Autokonzern eine neue Kampagne erfinden.

War Musikmachen die Alternative?

Musik hatte für mich Elektrizität. Nach meiner Wien-Show kam eine Anfrage von einem Label aus Berlin, die wollten meine CD international veröffentlichen. Mit den Berlinern machte ich meinen ersten Plattenvertrag und nahm mein zweites Album auf. Danach kamen Anfragen aus New York, aus Frankreich und anderen Ländern. Auf einmal war ich voll im Geschäft.

War das wie im Märchen?

Ich habe mir immer gesagt: Das machst du jetzt ein Jahr lang, dann schließt du dein Studium ab. Aber es kamen immer neue Einladungen und Projekte. Sechs, sieben Jahre lang habe ich intensiv weitergemacht. Ich flog durch die Welt und absolvierte überall meine Shows, fand das super, lernte auch eine Menge. Aber bald merkte ich, dass mir irgendetwas fehlte.

Was?

Meine Musik war einfach noch nicht rund. Sie war stark vom anglo-amerikanischen Club-Sound geprägt. Englische Texte, eine am westlichen Pop orientierte Klangästhetik. Ich sagte mir: Du bist ein Künstler aus Deutschland, aus Frankfurt. Die Musik, die du machts, ist nicht ganz deine Geschichte. Wenn ich die coolen Kollegen aus London oder New York traf, musste ich mir eingestehen: Diese Jungs sind dir immer einen Schritt voraus, weil die diesen anglo-amerikanischen Stil eins zu eins repräsentieren.

Wollten Sie einen Frankfurter Weg gehen?

Ich wollte Musik machen, die mit meiner Identität zu tun hat. Bisher hatte ich mich auf einen Stil draufgesetzt und war in der Welle drin. Aber es war nicht wirklich meine Story.

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