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Musik in der Kirche : „Auch die alten Lieder sollen swingen“

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„Viele gute Leute entscheiden sich für den Schuldienst“, sagt Diözesankirchenmusikdirektor Großmann. Die Anstellung dort sei sicherer. Andererseits beobachtet er, „dass Pfarrer in der Kinder- und Jugendarbeit zunehmend auf Kirchenmusik setzen“. Gerade im Rhein-Main-Gebiet gebe es beispielsweise viele Jugendbands. Großmanns Kollegin Kirschbaum stellt fest, dass es besonders bei Kinderchören einen Boom gebe. Ihr fallen auf Anhieb drei größere Singschulen für Kinder in der EKHN ein, etwa in Darmstadt. Und auch die relativ neue Domsingschule in Frankfurt ist ein Indiz dafür.

Impulse aus dem Gesangbuch

Was den Gemeindegesang angeht, könnte er nach Ansicht der beiden Fachleute besser sein. „In manchen Gottesdiensten ist er traumhaft schön, in vielen funktioniert das nicht so“, urteilt Kirschbaum. „Kirchenmusiker sollten Gemeinden zum Singen verlocken und müssen dafür auch einmal herunter von der Orgelempore.“ Großmann weiß, dass das in Gottesdiensten, die immer leerer würden, „schwieriger wird“ und es Gottesdienstgemeinden mit einer „Konsumentenhaltung“ gebe.

Impulse für den Gemeindegesang erhofft sich Großmann vom erneuerten katholischen Gesangbuch „Gotteslob“. Es soll Ende 2013 fertig sein und liegt derzeit in Rom zur Genehmigung vor. Wie bisher wird es in dem Buch einen Stammteil geben und Teile, die jedes Bistum selbst bestimmen kann. Großmann hält die Mischung von alten und neuen Liedern im Limburger Teil für gelungen. Es seien sogar eigens Kompositionen in Auftrag gegeben worden.

Lieber den Hit von Phil Collins

Das Neue Geistliche Lied wird im Bistum durch einen eigenen Arbeitskreis gefördert. „Es ist aus dem Gemeinden nicht mehr wegzudenken, aber die Stücke müssen qualitätvoll sein, melodisch wie textlich“, hält Großmann fest. „Theologisch dünn dürfen sie nicht sein.“ Auch Kirchenmusiker Landsiedel findet beides wichtig: „Wir brauchen eine Mischung aus Altem und Neuem.“ Einerseits hätten alte Lieder eine hohe Qualität, andererseits müsse das Leben von heute auch mit Hilfe von Liedern „in die Kirche geholt werden“. Das Musical „Mission Jerusalem“, das die Junge Kantorei 2011 aufführte, hat er komponiert, die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen.

Für Kirschbaum wäre schon viel gewonnen, wenn die älteren Lieder so gespielt und gesungen würden, wie sie einst komponiert worden seien. So beruhten viele Kirchenlieder aus dem 17.Jahrhundert auf Tanzmelodien, das bekannte Lied „Großer Gott, wir loben dich“, sei im Walzertakt geschrieben. „Da hat sich viel eingeschliffen, aber auch die alten Lieder sollen swingen.“ Was modernere Formen angeht, sieht die Musikdirektorin nicht nur in evangelikal geprägten Gemeinden einen Trend zu Lobpreisliedern - Stücken mit stark bekenntnishaften Texten, die aus amerikanischen Gemeinden nach Europa kommen.

Mit Wünschen nach moderner, aber kirchenferner Musik hat es Großmann gelegentlich auch zu tun, zum Beispiel bei Hochzeiten. „Es kommt schon vor, dass Brautleute sich etwa ein Lied von Phil Collins wünschen, bei dem sie sich kennengelernt haben.“ Und dann? „Ich versuche, Wünsche zu realisieren, aber ich bin kein Popmusiker.“ Außerdem sei eine Hochzeit kein Wunschkonzert, sondern „eine sakramentale Handlung“.

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