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„Sister Act“ in Bad Vilbel : Gotteshingabe und weltliche Lust

  • -Aktualisiert am

Sollt ich meinem Gott nicht singen? Musik bringt Nonnen und Novizinnen bei „Sister Act“ in Schwung. Bild: Eugen Sommer

Halleluja! Das Musical „Sister Act“ begeistert bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel. Das Musical ist eine gelungene Umsetzung einer Ikone der Pop-Filme, die von einem köstlich sinnfreien Finale gekrönt wird.

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          Als die Musical-Komödie „Sister Act“ 1992 in die Kinos kam, war es neben der vor Dynamik schier berstenden Hauptdarstellerin Whoopi Goldberg auch der fetzige Soundtrack, eine gelungene Mischung aus Motown-Klassikern und daran orientierten Eigenkompositionen, der für den Erfolg des Films verantwortlich war. Das 2006 uraufgeführte Bühnenmusical hat die Filmhandlung konsequent eingedampft und musste dabei leider auf die Originalsongs verzichten. Doch die durchgehend von Alan Menken komponierte Musik ist eine kongeniale Kunstfälschung und kopiert den Motown-Sound mit seinen Soul-Stimmen, Bläsern und Streichern perfekt.

          In der Bad Vilbeler Wasserburg kann man sich bei den Burgfestspielen nun davon überzeugen, dass die Kopie genauso viel Spaß macht wie das Original. Die dünne Handlung um die Nachtclubsängerin Deloris (Tamara Wörner), die ihren Ex-Liebhaber Curtis (Raphael Köb) bei einem Mord beobachtet und als Kronzeugin bis zum Prozess in einem Nonnenkloster versteckt wird, dient nur dazu, die Glamourfrau mit der Soulstimme mit den unfroh „Sanctus, sanctus“ fistelnden Schwestern zusammenzubringen. Nach kurzem Fremdeln bringt Deloris die krächzenden Stimmchen zum wachsenden Unmut der Mutter Oberin (Sonja Herrmann) auf Trab und zeigt ihnen nebenbei, dass Gotteshingabe und weltliche Lust am Gesang keine Gegensätze sein müssen.

          Ein fulminantes Finale

          Bald hat sie eine kleine Truppe geformt, die schließlich auch den Kirchenoberen Monsignore O’Hara (Theodor Reichardt) begeistert. Dummerweise bekommt die Presse Wind von der singenden Nonnenschar, und so entdeckt auch Curtis die von ihm in ganz Philadelphia überall Gesuchte im Fernsehen. Der Versuch, sie im Kloster aufzuspüren und zu eliminieren, scheitert allerdings am Widerstand der solidarischen Schwestern und an einem Gesangbuch, das die Revolverkugel vor dem Herz der Gejagten abfängt.

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          Natürlich bleibt auch Deloris von alldem nicht unbeeinflusst. Obwohl sie ihren Unglauben immer wieder robust äußert, ist sie von der Liebe und der Opferbereitschaft der Nonnen doch tief berührt. Und als der Papst Philadelphia besucht, tritt sie, nun ohne Haube, aber immer noch im Habit, singend und tanzend mit ihren „Sisters“ auf. Das fulminante Finale, das alle Register zieht, Tanzchoreographie, Gesang und jagende Disco-Rhythmen wirkungsvoll vereint, ist köstlich sinnfrei, hier geht es nur noch um die Entfesselung der Stimmen und Körper.

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          Unter der Regie von Christian Voss und der musikalischen Leitung von Philipp Polzin wirbelt ein großes, auch in den kleineren Rollen stimmlich überzeugendes Ensemble über Claus Stumps Show-Bühne mit viel Lichtgeflimmer. Man hat in Bad Vilbel schon seit einigen Jahren ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Stücke bewiesen, nach „Saturday Night Fever“ vor zwei Jahren ist auch „Sister Act“ die gelungene Umsetzung einer Ikone der Pop-Filme. Die Präzision, mit der hier, unterstützt von einer kleinen Live-Band im Studio auf der Burgzinne, gesungen und getanzt wird (Choreographie Kerstin Ried), reißt das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

          Wie schade, dass nicht viele hundert Menschen die abendlichen Aufführungen genießen können, aber vielleicht lassen weiter fallende Inzidenzen bis zum August ja noch eine Steigerung zu. Den Festspielen und dem begeisternden Ensemble wäre es von Herzen zu wünschen.

          Sister Act: Nächste Aufführungen am 28., 29. und 30. Juni

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