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Neues Musical-Theater geplant : „Anastasia“ soll nach Frankfurt kommen

Frisch vom Broadway: Musical Anastasia soll nach Frankfurt kommen Bild: Getty

Der Musical-Veranstalter Stage Entertainment denkt über ein neues Musiktheater in Frankfurt nach. Man suche nach geeigneten Flächen. Der Stadtteil Gateway Gardens ist dafür im Gespräch.

          Wer am Rhein-Main-Flughafen landet, der könnte in einigen Jahren schon aus der Luft das Musical-Theater von Frankfurt erblicken. Zwar gibt es für eine solche Spielstätte noch kein konkretes Grundstück. Aber die Stage-Entertainment-Gruppe aus Hamburg sucht nach Flächen, um auch in Frankfurt ein Musical-Theater zu bauen. Stage ist Marktführer und betreibt elf Musical-Theater in Deutschland. Das Unternehmen hat den Frankfurter Markt neu bewertet und will hier eine Spielstätte gründen. „Die Einwohnerzahl und die Kaufkraft stimmen. Frankfurt ist für ein dauerhaftes Musical-Theater geeignet“, sagt der Unternehmenssprecher und bestätigt ein entsprechendes Gesuch.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Suche nach einem Grundstück fällt allerdings nicht leicht. Stage favorisiert eine zentrale Lage in Frankfurt, wäre aber auch bereit, weiter auswärts Freiflächen zu bebauen, die gut mit Bus und Bahn zu erreichen sind und „nicht völlig auf der grünen Wiese“ liegen. Auch Grundstücke an der Stadtgrenze zu Offenbach oder am Flughafen kommen in Frage. Das Unternehmen sucht konkret nach einem mindestens 6500 Quadratmeter großen Areal, auf dem ein 26 Meter hoher Bühnenturm gebaut werden darf. Der Zuschauerraum und das Foyer sollten Platz für 1500 bis 1800 Gäste bieten. „Dank der Stadt sind wir an zwei bis drei Optionen dran“, sagt der Sprecher. Die Wahrscheinlichkeit, dass Stage tatsächlich nach Frankfurt kommt, liege bei „mehr als 50 Prozent“.

          „Dadurch Entwicklungsimpuls setzen“

          Dem Vernehmen nach hat das Frankfurter Stadtplanungsamt Stage unter anderem den Flughafen-Stadtteil Gateway Gardens empfohlen, der dank der neuen S-Bahn-Trasse innerhalb weniger Minuten vom Hauptbahnhof erreichbar sein wird. „Es wäre schön, wenn wir dadurch einen Entwicklungsimpuls setzen könnten“, sagt der Amtsleiter Martin Hunscher. Offenbar prüft Stage auch das Neckermann-Areal am Osthafen. Dort kann allerdings aus umweltrechtlichen Gründen kein Musical-Theater gebaut werden. Chemiebetriebe in der Umgebung verlangen gemäß der Seveso-Richtlinie einen Sicherheitsabstand zu Spielstätten, die ein großes Publikum anziehen.

          Außerdem will das Wirtschaftsdezernat Gewerbeflächen nicht leichthin für eine andere Nutzung aufgeben, wie die Büroleiterin von Dezernent Markus Frank (CDU) sagt. Grundsätzlich unterstütze die Wirtschaftsförderung aber das Gesuch von Stage. „Das wäre eine Chance für Frankfurt.“ Solche „weichen Standortvorteile“ seien wichtig, um im Wettbewerb mit anderen Kommunen attraktiv zu bleiben.

          Mit dem Rhein-Main-Theater in Niedernhausen gab es schon einmal einen Versuch, eine Spielstätte für Musicals in der Region zu etablieren. Diese Lage hält der Sprecher aber für ungeeignet. Niedernhausen sei „jwd“, also zu weit draußen. Auch die Pläne, im Frankfurter Europaviertel ein „Urban Entertainment Center“ mit einem Musical-Theater zu errichten, scheiterten in den neunziger Jahren mangels Nachfrage. Stage bewertet Frankfurt als Standort eines Theaters allerdings wegen des Bevölkerungswachstums heute anders. „Frankfurt und das Umland sind sehr einwohnerstark“, sagt der Sprecher.

          Das Unternehmen gastiert seit einigen Jahren mit Tour-Produktionen in der Alten Oper. Diese Stücke werden dort einige Tage en suite gespielt. Die Aufführungen sind gut nachgefragt und auch für die Alte Oper ertragreich. Auch im English Theatre werden Musicals gezeigt. Das Kulturdezernat befürchtet daher, dass eine dauerhafte Spielstätte diesen Angeboten Konkurrenz machen könnte. „Wir glauben an die jetzige Struktur und denken, dass die Landschaft ganz gut versorgt ist“, sagt der stellvertretende Sprecher des Dezernats. Zum English Theatre und zur Alten Oper habe das Kulturdezernat „eine besondere Nähe“.

          Nicht nur einige Tage

          Der Sprecher von Stage sieht eine dauerhafte Spielstätte nicht als Konkurrenz zu den Tournee-Gastspielen. In dem Theater würden die Stücke mehrere Monate lang zu sehen sein und nicht, wie in der Alten Oper, nur einige Tage. Durch ein Musical-Theater würde das Genre insgesamt aufgewertet. Im Schulterschluss mit der Alten Oper könnten auch gemeinsame Proberäume oder Werkstätten zur Kostümproduktion entstehen. Im Unterschied zu vielen freien Theatern kommen die Musical-Häuser ohne kommunale Förderung aus. „Unser Unternehmen erhält keinerlei Subventionen, nicht für die Produktionen und auch nicht, was unsere Theater und Grundstücke betrifft. Wir müssen uns mit den Marktgegebenheiten arrangieren und können uns daher bestimmte hochpreisige Lagen schlichtweg nicht leisten“, sagt der Sprecher.

          Welches Stück in einem Frankfurter Musical-Theater gezeigt werden könnte, steht noch nicht fest. Das Unternehmen hat sich für einige Broadway-Produktionen Lizenzen gesichert. Der Sprecher glaubt, dass es etwa für „Anastasia“ oder das „Tina Turner Musical“ auch in Frankfurt ein Publikum geben wird. „Wenn wir ein geeignetes Grundstück haben, werden wir schnell einen Inhalt finden.“

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