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Museum Wiesbaden : Das Geistige hinter dem Geometrischen

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Das Museum Wiesbaden erhält den Nachlass des russischen konstruktiven Künstlers Eduard Steinberg als Schenkung.

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          Einen Ort für die Kunst zu finden, einen Ort, an dem sich ein Werk entfalten kann, an dem sich Beziehungen ergeben, das ist nicht leicht. Umso besser ist dies mit einer Schenkung gelungen, die nun dem Museum Wiesbaden zuteil wurde. Sie umfasst ein Konvolut von 83 Gemälden, Gouachen und Collagen des russischen Künstlers Eduard Steinberg, der im vergangenen März in Paris gestorben ist.

          Noch zu seinen Lebzeiten hatte Steinberg gemeinsam mit Hans-Peter Riese, dem Nachlassverwalter, Berater und Freund das Museum Wiesbaden als den Platz ausgewählt, an dem seine Arbeiten auf Dauer bleiben sollten. Für das Wiesbadener Haus sprachen seine international bedeutenden Sammlungsschwerpunkte um den Künstler Alexej von Jawlensky, die Sammlung Hanna Bekker vom Rath und Konstruktive Positionen von Laszlo Moholy-Nagy über Anton Stankowski, Friedrich Vordemberge-Gildewart und Wladimir Tatlin bis hin zu Ilya Kabakov. Damit war dort exakt das Terrain bestellt, auf dem Steinbergs Kunst selbst gewachsen ist.

          Steinberg vs. Jawlensky

          Steinberg, der 1937 in Moskau geboren wurde und für den das südlich der Stadt gelegene Dorf Tarusa ein lebenslanger Rückzugsort war, ist ein Nachfolger Malewitschs, ein Wiedergänger der ersten russischen Avantgarde, dessen „metageometrische“ Arbeiten sich aber auch stets zum Religiösen, Symbolhaften neigen. Die russische Ikonen-Malerei war ihm - wie auch Jawlensky - immer ein Vorbild.

          Anlässlich der Übergabe der Werke durch Galina Manewitsch, die Witwe des Künstlers, wird im Museum derzeit eine kleine Auswahl der Arbeiten präsentiert - in direktem Gegenüber einer Gruppe von Werken Jawlenskys. Von einem gemeinsamen geistigen Band sprechen die Verantwortlichen, die den Nachlass in den nächsten Jahren wissenschaftlich aufarbeiten und in einer Sonderausstellung präsentieren wollen. Tatsächlich ist der russische Nonkonformist ein konstruktiver Künstler, der wie Jawlensky vor allem das Geistige hinter dem Geometrischen zu seinem Thema macht.

          Nicht jede Schenkung wird akzeptiert

          Auch Wiesbadens russische Tradition, der Besuch am Grab Jawlenskys und weitere Aufenthalte, haben Steinberg darin bestärkt, das Konvolut in die hessische Landeshauptstadt zu geben, sagte Manewitsch anlässlich der Übergabe. Nicht jede Schenkung wird akzeptiert, machte Museumsdirektor Alexander Klar deutlich. Denn der Beschenkte geht auch eine Verpflichtung ein. Dessen ist man sich im Museum wohl bewusst. Es wird spannend, wie die neuen Werke im Kontext der Sammlung wirken können - etwa jene in den achtziger Jahren entstandenen Dorfbilder Steinbergs, die sich direkt auf Malewitschs „Bauern-Zyklus“ beziehen.

          In Russland, so Roman Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne am Museum Wiesbaden, sei das Interesse an dem Konvolut immens gewesen - wie auch Steinbergs Reputation in den vergangenen Jahren immer größer geworden sei. Ein Ort für die Kunst zu finden ist nicht leicht. Wiesbaden scheint der richtige Ort für Steinberg zu sein.

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