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Museum im Freien : Terrorvogel und Mammut

Für nicht gewöhnliche Eckpunkte sorgen die Saurier an den Straßenecken Gießens: die Urzeittiere locken mehr Leute in die Stadt. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Saurier und Urzeittiere säumen die Straßenecken: Mit einer Freiluftausstellung wird in der Gießener Innenstadt die Urzeit wiedererweckt.

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          Es war eine der spektakulärsten Veranstaltungen in jüngerer Zeit in Gießen und die erste dieser Art in Hessen. Als vor rund zwei Jahren den Sauriern in der mittelhessischen Stadt für zwei Monate sozusagen eine Auferstehung zuteil wurde, lockte das mehrere Zehntausende Besucher. Rund 60 lebensgroße Modelle der einstigen Herrscher unseres Planeten waren an Straßen Wegen und Plätzen in der Innenstadt aufgestellt. Nach diesem Erfolg stand für die Organisatoren der Schau unter Federführung von Gießen Marketing GmbH fest, dass es eine Fortsetzung geben sollte, wie Geschäftsführer Sadullah Gülec sagt. Nun ist es soweit. Nach Monaten der Vorbereitung ist die Schau „Von der Urzeit bis zur Eiszeit - Was nach den Dinosauriern kam“ jetzt eröffnet worden. Sie ist bis zum 15. Juli zu sehen.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Als bislang einmalig in Deutschland gilt die wissenschaftlich-didaktische Begleitung einer solchen Ausstellung. In Zusammenarbeit mit Professoren und Studenten der Gießener Universität finden Vorlesungen statt, es werden Führungen angeboten, die Besucher aller Generationen mit vielen Aspekten der Evolution, mit Fauna und Flora verschiedener Epochen befassen, die mehr als 100 Millionen Jahre Erdgeschichte umfassen. Ideengeber für die Gießener Saurierschau und ihre Folgeveranstaltung war eine ähnliche Präsentation, die in Reutlingen für viele Wochen das Stadtzentrum zum Besuchermagneten machte. So beschloss die Gießener Marketing Gesellschaft, ein Gemeinschaftsunternehmen von Stadt, dem Verein Gießen aktiv und Aktionsgemeinschaft Gießener Geschäftsquartiere, es der baden-württembergischen Stadt gleich zu tun, um Gießen als Touristenziel und Einkaufsstadt mehr in den Blickpunkt zu stellen. Die rund fünf Dutzend Exponate stammen von einer Tochtergesellschaft des Dinoparks Münchehagen, der im niedersächsischen Loccum eines der weltweit größten Saurier- und Urzeit-Freilichtmuseen betreibt. Mehr als 200 nach wissenschaftlichen Rekonstruktionen gefertigte Modelle zählen zum Bestand des Dinoparks, der rund um das Naturdenkmal Saurierfährten von Rehburg-Loccum angelegt wurde. Ein Teil diese Sammlung steht auch für Präsentationen in anderen Orten zur Verfügung.

          ... aber nicht nur Saurier, sondern auch andere Urzeittiere tauchen plötzlich vor dem Auge des Betrachters auf.
          ... aber nicht nur Saurier, sondern auch andere Urzeittiere tauchen plötzlich vor dem Auge des Betrachters auf. : Bild: Wohlfahrt, Rainer

          Den Etat für die Schau beziffert Gülec mit rund 180.000 Euro. Dieses Geld aufzubringen stellte die Organisatoren nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Zuspruchs der ersten Ausstellung vor keine Schwierigkeiten, wie der Gülec sagt. Denn auch Geschäftsleute und Unternehmen aus dem Umland ließen sich als Sponsoren registrieren oder übernahmen Patenschaften für einzelne Exponate. Die Schau dient nicht nur als Werbeveranstaltung. Sie soll auch dazu beitragen, Gießen als Bildungs- und Wissenschaftsstadt weiter zu profilieren. Also taten sich Marketinggesellschaft, Stadt und Universität zusammen. Unter Leitung von Hans-Peter Ziemek, Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Justus-Liebig-Universität, entstand ein pädagogisches Konzept, und Experten der Hochschule hielten in Grundschulen und Kindergärten nicht nur in Gießen Seminare ab, vermittelten Lehrern und Erziehern Wissen über die Tiere der Urzeit und ihre Lebenswelten. Das diente dann als Grundlage für Projektunterricht, mit dem die Kinder auf den Besuch der Dinoschau vorbereitet wurden. Die Resonanz ist beachtlich: Rund 250 Anmeldungen für Führungen liegen laut Gülec schon vor. Geleitet werden die Rundgänge von Studenten, die wiederum von Dozenten auf ihre Einsätze vorbereitet worden sind.

          Für die Ausstellung habe die Organisatoren die Innenstadt in Epochen unterteilt. Die Zeitreise beginnt Seltersweg mit Vertretern aus der Spätphase der Saurier Darunter befindet sich Apatosaurus der durch seine auch für diese Spezies außerordentlich Größe hervorsticht. Von dort führt der Rundgang durch Jahrmillionen durch die Haupteinkaufsmeile über den Marktplatz bis zum Kirchenplatz. Für jede Epoche werden sogenannte Leittiere vorgestellt, also solche, die das jeweilige Zeitalter besonders prägten. Das ist beispielsweise für das Eozän, die Zeitspanne vor 65 bis 35 Millionen Jahren der Entelodont, ein früher Vorfahre des Schweine, der sich schon wie diese von allem ernährte, was er finden konnte, aber auch auf Jagd ging. Zu sehen ist das größer Landsäugetier, das die Erde je bevölkerte, das Paraceratherium, das an heutige Nashörner und Giraffen gleichermaßen erinnert. Oder der Terrorvogel, zweieinhalb Meter groß und flugunfähig, der gefährlichste Räuber des urzeitlichen Südamerika. Über einen der letzten Giganten das Mammut führt der Rundgang bis zum Frühmenschen, dem eine eigene Ausstellung im Oberhessischen Museum gewidmet ist. Mit der Geschichte der Evolution von den Sauriern bis zum Steinzeitmenschen beschäftigt sich auch die Gießener Kinder-Uni in diesem Semester.

          ... zum Beispiel dieses Riesenurzeitkrokodil, das an der Ecke wartet und das Maul nicht voll genug bekommen kann.
          ... zum Beispiel dieses Riesenurzeitkrokodil, das an der Ecke wartet und das Maul nicht voll genug bekommen kann. : Bild: Wohlfahrt, Rainer

          Informationen und Anmeldung

          Informationen und Anmeldungen für Führungen unter Telefon 0641/306 1880, im Internet unter www.urzeit-entdecken.de.

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