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Ausstellung „Frobenius“ : Der Geist der Felsbilder

Institutsleiter: Leo Frobenius im Jahr 1924, gemalt von seinem Bruder Hermann Frobenius Bild: Frobenius-Institut

Expeditionen nie ohne Künstler: Die Ausstellung „Frobenius – Die Kunst des Forschens“ im Museum Giersch zeigt die erstaunlichen Bestände des Frobenius-Instituts, dessen Namensgeber bis heute ein bedeutender wie umstrittener Ethnologe ist.

          Zwar hatte er wenig Neigung zur ästhetischen Moderne, aber Leo Frobenius, als Ethnologe so bedeutend wie umstritten, teilte mit den frühen Avantgardisten die hohe Meinung von der Kunst als privilegiertem Zugang zur Wahrheit. Weshalb er auf seine zahlreichen Expeditionen Künstler mitnahm, die sich an Ort und Stelle ein Bild machten von fremden und zeitlich fernen Kulturen. Zeichner und von 1923 an vermehrt auch Zeichnerinnen dokumentierten, was Menschen Tausende Jahre zuvor auf Felsen hinterlassen hatten, Malereien und Gravuren, um später, zurück in der Heimat, großformatige Nachzeichnungen anzufertigen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie sollten freilich viel mehr sein als bloße Kopien, nämlich Vergegenwärtigungen des Geistes, aus dem die urzeitlichen Bilder entstanden waren. Im Gegensatz zur Fotografie traute Frobenius der Zeichen- und Malkunst zu, die schöpferische Kraft lebendig werden zu lassen, die einst obwaltete, und damit den Bogen von den Menschen der Frühzeit zu denen der Gegenwart zu schlagen.

          Exotik und Eskapismus

          Die Originale fanden sich in der Sahara und im südlichen Afrika, später schickte der Völkerkundler seine mit Pinsel, Papier, Stift und Farbe ausgestatteten Mitarbeiter auch zu Höhlen in Nord- und Südeuropa sowie nach Australien und Indonesien. Akribisch haben sie mehr als 5000 Felszeichnungen übertragen, wobei Methoden wie das Durchpausen verwendet und Skizzen mit zum Teil beachtlichem Aufwand hergestellt wurden.

          Die von Frobenius unternommenen Reisen in damals weitgehend unerforschte Weltgegenden waren noch in einer anderen Hinsicht nicht nur wissenschaftliche, sondern stets auch künstlerische Projekte: Expeditionsmaler gehörten immer dazu. Vor 1918 tendierten sie zu einer idealisierten Betrachtung der Eingeborenen. Exotik und Eskapismus sind wichtige Aspekte dieser Arbeiten. Später nahmen die dargestellten Afrikaner realistischere Züge an, die Künstler pflegten nun auch stilistische Eigenarten, die von expressionistischen Zacken bis zu Tableaux nach Art Beckmanns reichten.

          Materielle und immaterielle Überlieferungen

          In der Ausstellung „Frobenius – Die Kunst des Forschens“ im Museum Giersch der Frankfurter Goethe-Universität ist von Sonntag an eine Ausstellung zu sehen, die sich vornehmlich aus den erstaunlichen Beständen des hiesigen Frobenius-Instituts speist und vor Augen führt, mit welcher Intensität dessen Namensgeber und seine Mitstreiter sich den materiellen und immateriellen Überlieferungen vor allem des afrikanischen Kontinents gewidmet haben.

          Expeditionszeichnerinnen: Elisabeth Pauli und Katharina Marr in Algerien, 1934/35 Bilderstrecke

          Märchen, Mythen, Kult- und Alltagsobjekte aus Lebenswelten, von denen der Forscher glaubte, sie seien dem Untergang geweiht, sollten dem Vergessen entrissen werden. Die Schau bietet mit zahlreichen Fotografien Einblicke in den Expeditionsalltag, rückt den relativ großen Anteil an weiblichen Mitreisenden in den Fokus und lässt die schillernde Persönlichkeit des Mannes lebendig werden, der auf seine Visitenkarten drucken ließ: „Leo Frobenius. Präsident und Chef“.

          Einzelne Künstler, unter ihnen Alf Bayrle, werden ausführlich gewürdigt, von zwei Frauen erfahren wir, was sie nach ihrer Zeit als Expeditionszeichnerinnen auf die Leinwände brachten. Die Schau umfasst die Jahre zwischen 1904 und 1955, auch nach dem Tod von Frobenius 1938 und dem Zweiten Weltkrieg ging es weiter mit der künstlerisch-wissenschaftlichen Symbiose in der Frankfurter Kulturanthropologie. Ein anderer wichtiger Aspekt der überaus komplexen Schau, aus der mit Leichtigkeit ein Dutzend Ausstellungen hervorgehen könnte, ist die Verbindung zwischen der damals zeitgenössischen Kunst und den archaischen Felsbildern sowie den ethnologischen Artefakten, die ihren Weg nach Europa fanden.

          Desgleichen wird mit einigen signifikanten Beispielen auf die zum Teil verblüffenden formalen Parallelen zwischen Werken von Paul Klee, Willi Baumeister und Wols sowie den in Fels geritzten Zeichen aus unvordenklichen Zeiten hingewiesen. Die Bedeutung einer vermeintlich ursprünglichen Kunst für die modernen Maler und Bildhauer veranlasste das Moma in New York schon 1937, in einer Ausstellung prähistorische Felsbilder mit zeitgenössischen Werken zu kombinieren. Frobenius hielt seinerzeit den Eröffnungsvortrag.

          „Frobenius – Die Kunst des Forschens“

          Die Ausstellung findet im Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, vom 24. März bis 14. Juli statt. Die Räume sind dienstags bis donnerstags von 12 bis 19 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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