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Museen, Bühnen, Zoo und Bäder : Höhere Eintrittspreise in Frankfurt

Bei besserem Wetter wollen auch wieder mehr Frankfurter in ihre Bäder. Deren Eintritt könnte bald teurer werden. Bild: dpa

Wegen schlechter Haushaltslage müssen die Frankfurter Bürger spätestens im nächsten Jahr mit steigenden Eintrittpreisen in vielen städtischen Einrichtungen rechnen.

          Die Frankfurter Bürger müssen spätestens im nächsten Jahr mit steigenden Eintrittpreisen in vielen städtischen Einrichtungen rechnen. Die Haushaltslage der Stadt ist so schlecht, dass sowohl CDU als auch Grüne im Römer einen solchen Schritt nicht mehr ausschließen. Zur Konsolidierung zähle auch eine Verbesserung der Einnahmen der Stadt, sagt Kämmerer Uwe Becker (CDU). „Und zum Thema Einnahmeverbesserung zählen natürlich auch die Eintrittspreise, die sehr umfänglich geprüft werden.“ Er rechne daher mit Vorschlägen der Fachdezernenten nach der Sommerpause. Diese könnten dann schon im Haushalt 2013 greifen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Konkrete Zahlen gibt es bereits für den Frankfurter Zoo. Den Plänen des Magistrats zufolge sollen Erwachsene statt bisher acht künftig zehn Euro zahlen; für Kinder von sechs Jahren an sowie für Schüler, Studenten und Schwerbehinderte wird ein Besuch dann fünf Euro statt bisher vier Euro kosten - falls die Stadtverordneten dem zustimmen. Angesichts einer Besucherzahl von annähernd 900.000 sollen die Jahreseinnahmen durch die Preiserhöhung um mehr als 500.000 Euro steigen. Derzeit, so heißt es in der Magistratsvorlage, lägen die Eintrittspreise im Frankfurter Zoo „weit unter dem Durchschnitt der vergleichbaren Einrichtungen“. Die relativ niedrigen Preise führen dazu, dass die Stadt nach eigenen Angaben jeden Besuch mit durchschnittlich 9,10Euro bezuschusst - ein Angebot, das sich in Zeiten leerer Kassen offenbar nicht aufrechterhalten lässt.

          Über Eintrittspreise refinanziert

          Auch auf die Schwimmer könnten höhere Preise zukommen. Die Bäder-Betriebe Frankfurt GmbH (BBF) lässt nach eigenen Angaben eine Unternehmensberatung prüfen, wie sich die Finanzen verbessern lassen. Derzeit schreibt die BBF, die in der Stadt sieben Freibäder, drei Hallenbäder und drei Erlebnisbäder betreibt, ein Minus von knapp 25Millionen Euro im Jahr. Angesichts der etwa 2,2Millionen Badegäste im Jahr ergibt sich ein rechnerischer Pro-Kopf-Zuschuss von mehr als elf Euro. Das Defizit wird unter dem Dach der Stadtwerke mit den Gewinnen anderer Tochterunternehmen verrechnet.

          BBF-Geschäftsführer Otto Junck verweist wohl auch deshalb auf die hohen Investitionen der GmbH in den vergangenen Jahren. Diese müssten zum Teil über die Eintrittspreise refinanziert werden: Seit 2003 seien 60 Millionen Euro in eine Modernisierung der Bäder gesteckt worden. Zuletzt wurden die Preise 2008 angehoben, begleitet von erheblichem Protest. Seitdem kostet zum Beispiel  der Besuch eines Freibads vier Euro statt 3,50Euro. Beobachter halten eine Erhöhung um abermals 50 Cent für möglich. Doch auch einem solchen Schritt müssten die Stadtverordneten zustimmen.

          Seit fünf Jahren keine Erhöhung im Palmengarten

          Höhere Eintrittspreise schließt auch der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) nicht mehr aus. Angesichts der Haushaltslage müsse man „über Preiserhöhungen nachdenken“, teilt er mit. In sein Ressort fallen viele Museen, aber auch die Städtischen Bühnen, die als GmbH organisiert sind. Nahezu in allen Sparten des Kulturressorts gleicht die Stadt - und damit der Steuerzahler - Defizite in Millionenhöhe aus, weil die Kosten allein über die Eintrittsgelder nicht annähernd gedeckt werden können. Wo und in welchem Umfang die Preise erhöht werden, steht noch nicht fest.

          Aus dem Römer ist außerdem zu hören, dass der Besuch des Palmengartens teurer werden könnte. Die Preise dort sind laut Haushaltsplan 2012 seit fünf Jahren nicht angehoben worden. Derzeit zahlt ein Erwachsener fünf Euro, für Kinder sind zwei Euro an der Kasse zu entrichten. Für dieses Jahr errechnet die Kämmerei ein Minus von 8,5 Millionen Euro. Legt man die erwartete Besucherzahl von 650.000 zugrunde, ergibt sich ein Zuschuss von rund dreizehn Euro je Besuch. Sollten die Eintrittspreise die Kosten decken, müsste jeder Erwachsene also 18Euro Eintritt zahlen - und nicht fünf.

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