https://www.faz.net/-gzg-9t6x6

Multimedikation : Gefährlicher Tablettenmix

Der Multimedikation auf der Spur: Marjan van den Akker Bild: dpa

Millionen Menschen nehmen verschiedene Arzneimittel ein. Eine Frankfurter Stiftungsprofessorin für Multimedikation will Ärzten ermöglichen, einen Gesamtüberblick über die Medikamente ihrer Patienten zu bekommen. Mit einem bestimmten Ziel.

          1 Min.

          Die Patientin ist Mitte 50, Nichtraucherin, schlank, körperlich aber nicht besonders aktiv. Sie wohnt alleine in einer kleinen Wohnung in der Innenstadt, ist geschieden – und krank. Wegen verschiedener Symptome ist sie in Behandlung bei unterschiedlichen Fachärzten. Am Tag nimmt sie acht verschiedene Medikamente ein. Die unterschiedlichen Zeiten, zu denen sie ihre Tabletten schlucken muss, bestimmen ihren Tagesablauf. Manchmal kommt sie dabei auch durcheinander.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Marjan van den Akker will, dass ihre Zuhörer ein genaues Bild der Patientin bekommen, die nur symbolisch für etwa 20 Millionen Deutsche steht, die dauerhaft mehr als fünf verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Van den Akker ist Stiftungsprofessorin für Multimedikation und Versorgungsforschung an der Goethe-Universität. Im neugegründeten Frankfurter Forum für Multimorbidität und Multimedikation will sie Forscher, Ärzte und Patienten zusammenbringen. Hier soll interdisziplinär erforscht werden, wie man die Versorgung mehrfach erkrankter Patienten verbessern kann. Denn viele Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln sind noch nicht bekannt. Der Tablettenmix verunsichere und überfordere viele Patienten, aber auch Ärzte und Apotheker, sagte van den Akker in ihrer Antrittsvorlesung.

          Gesamtüberblick bekommen

          Sie wolle durch ihre Forschungsarbeit dazu beitragen, die Bedingungen zu definieren, die es Ärzten oder Pharmakologen ermöglichen könnten, einen Gesamtüberblick über die Medikamente ihrer Patienten zu bekommen. Der Kontakt zu den rund 400 hausärztlichen Lehr- und Forschungspraxen, die mit dem Institut für Allgemeinmedizin am Uniklinikum verbunden sind, soll dabei für den erforderlichen Praxisbezug sorgen. Die Stiftungsprofessur wird sechs Jahre lang durch den Datendienstleister Insight Health gefördert.

          Van den Akker will außerdem Leitfragen entwickeln, die Ärzten helfen sollen, genauer herauszufinden, wie es den Patienten wirklich geht. Denn manchmal sei die Scheu, ein weiteres Präparat zu verschreiben, groß, obwohl die Patienten über Schmerzen klagten. In anderen Fällen werden Medikamente mehr aus Gewohnheit als aus Notwendigkeit genommen. Eine bessere Kommunikation zwischen Arzt und Patient, aber auch zwischen den Medizinern untereinander, könne dazu beitragen, dass weniger Medikamente verschrieben würden, sagte van den Akker. Welche Mengen an Tabletten mancher Kranke einnimmt, illustriert das Zitat einer ehemaligen Patientin, das die Professorin als Motto über ihre Vorlesung stellte: „Wenn ich alle Pillen gegessen habe, bin ich satt.“

           

          Weitere Themen

          Hochschule vermutet Hackerangriff

          Immer noch offline : Hochschule vermutet Hackerangriff

          Nach einem IT-Sicherheitsvorfall am 8. Dezember ist die Universität Gießen offline. Das Ausmaß des Schadens wird geprüft. Die Studenten haben gemischte Meinungen zu dem Vorfall.

          Fahrverbote, S-Bahn-Halt, Awo-Skandal

          F.A.Z.-Hauptwache : Fahrverbote, S-Bahn-Halt, Awo-Skandal

          Frankfurter Dieselautobesitzer müssen bangen. S-Bahn-Fahrer können sich über eine neue Haltestelle freuen. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Nächtliche Pressekonferenz: Selenskyj, Merkel, Macron und Putin im Elysée-Palast

          Ukraine-Gipfel : Bewegung in einen versteinerten Prozess

          Der Stillstand sei überwunden, versichern Merkel und Macron nach neun Stunden Verhandlungen. Putin wittert Tauwetter. Doch Selenskyj ist skeptisch: „Mir ist das viel zu wenig.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.