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Keine Multifunktionshalle : Arena-Aus mit Ansage

Aus der Traum: Die Multifunktionsarena, ein Leuchtturm interkommunaler Kooperation zwischen Frankfurt und Offenbach, ist gescheitert. Bild: Ballcom Digital Public Relations / Stefen Ball

Der Bau der Multifunktionsarena am Kaiserlei ist krachend gescheitert: Die Absage des zweiten Investors kam mit Ansage. Wenigstens gibt es bei dieser Pleite einen kleinen Lichtblick für die Stadt Frankfurt.

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          Wie fühlt sich jemand, der fünf Jahre lang auf ein Projekt hingearbeitet hat, das am Ende doch scheitert? Wer mehr darüber erfahren will, kann den Frankfurter Sportdezernenten Markus Frank (CDU) fragen – aber auch alle anderen, die sich jahrelang für eine Multifunktionsarena am Kaiserlei eingesetzt haben.

          Ein Leuchtturm interkommunaler Kooperation zwischen Frankfurt und Offenbach sollte das Ganze werden. Ein Premiumstandort für mittelgroße Konzerte. Und eine moderne Heimspielstätte für die oft zu wenig beachteten Profisportarten Basketball und Eishockey erst recht.

          Die Absage kommt mit Ansage

          Perdu. Nach dem überraschenden Rückzug des von der Stadt lange Zeit bevorzugten Bieters Mitte Mai, mit dem alle Punkte fertig verhandelt waren, steht nun fest: Auch der zweite Bieter in dem Vergabeverfahren, AEG – Anschutz Entertainment Group, wird am Kaiserlei keine Halle bauen.

          Diese Absage allerdings kommt mit Ansage. Denn Anschutz hat von Anfang an eine Arena eher als Lockstoff für umfangreiche Freizeit- und Einkaufsangebote an der Stadtgrenze verstanden. Die Stadt Frankfurt verwies auf das Planungsrecht, das dem entgegenstehe. Außerdem beschwerte sich Offenbach massiv, weil es mehr Verkehr und starke Konkurrenz zum Einzelhandel in der eigenen Innenstadt befürchtete.

          Schwere Zeiten für die betroffenen Sportvereine

          Anschutz wäre vielleicht bereit gewesen, auf einen Teil der „Mantelbebauung“ zu verzichten, eine komplette Überarbeitung hingegen lehnte das Unternehmen ab. Verständlicherweise. Denn nach fünf Jahren hätte ein Neustart in solchen, für jeden Veranstalter unsicheren Zeiten abermals hohe Planungskosten verursacht. Sportdezernent Frank wollte aber ohnehin lediglich dem Bau der dringlich gewünschten Halle zustimmen.

          So war das Geschäft nicht zu machen. Besonders die betroffenen Sportvereine stehen nun vor schwierigen Zeiten. Sie können bloß noch auf ein Konsortium um einen kanadischen Investor hoffen, das eine Riesenhalle am Flughafen bauen will. Noch einmal viel Zeit für die weitere Ausschreibung einer soeben krachend gescheiterten Multifunktionsarena dürfen die Politiker jedenfalls nicht verplempern.

          Keine Pleite ohne Lichtblick. Nach dem endgültigen Aus am Kaiserlei kann die Stadt dort nun ernsthaft einen neuen Standort für die Europäische Schule prüfen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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