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Alte Oper Frankfurt : Seltene Konfrontation

An die Musik hingegeben: Valery Gergiev lauscht den Münchner Philharmonikern. Bild: Wonge Bergmann

Die Münchner Philharmoniker stellen in der Alten Oper Frankfurt Mahler und Strauss gegenüber. Besonders reizvoll waren dabei die unerwarteten Gemeinsamkeiten.

          2 Min.

          Diana Damrau gilt mit Recht als Expertin für Richard Strauss. Kaum ein Komponist hat die Kammersängerin der Bayerischen Staatsoper jedenfalls mehr beschäftigt als der Münchner Meister. Erst vor wenigen Wochen ist ihr Album mit den „Vier letzten Liedern“ erschienen, aufgenommen noch unter der Leitung des im Dezember gestorbenen Dirigenten Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, ergänzt mit Klavierliedern, begleitet von Helmut Deutsch. In der Alten Oper stellte die Starsopranistin ihre Interpretation der 1948 komponierten „Vier letzten Lieder“ nun mit den Münchner Philharmonikern unter der Leitung des Chefdirigenten Valery Gergiev vor. Dabei war schon nach den ersten Versen klar, wie sehr ihr die reiche Erfahrung mit den Bühnenwerken von Strauss zugutekommt. Nach dem Vorbild von Wagners „Tristan“, der Strauss demnach bis in seine letzten Lebensjahre hinein beeinflusst hat, ließ sie „unendliche Melodien“ fließen, in weiten Bögen gebunden und doch klar artikuliert. Vor allem bettete sie ihre Stimme mit ihrem feinen, tragfähigen Piano perfekt in den Orchesterklang ein und ließ sie, wo erforderlich, in kurzen, kräftigen Crescendi aufblühen. Bewusst wurde so zugleich, wie sehr die ersten drei Texte von Hermann Hesse in der romantischen Tradition des Schlusslieds „Im Abendrot“ von Joseph von Eichendorff stehen und wie der kleine Zyklus als Schilderung eines Lebensweges en miniature bis hin zur Verklärung verstanden werden kann.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Reizvoll war die im Konzertsaal seltene Konfrontation von Strauss mit seinem Generationsgenossen Gustav Mahler. Gerade in Gergievs Ansatz, der einige Spezifika Mahlers in dessen Sinfonie Nr. 5 wenig zur Geltung brachte, wurden dabei unerwartet und vielleicht ungewollt Gemeinsamkeiten hörbar. Das ging über das von Gergiev durch die Gleichberechtigung vieler Stimmen erreichte Hervortreten der Polyphonie hinaus. Es ging vielmehr darum, dass die für Mahler so charakteristischen Brechungen, die seine Musik von der Heroik des Strauss-Stils stark unterscheiden, kaum wirksam wurden.

          Kein Schluss nach Mahler

          So ließ Gergiev gleich den eröffnenden Trauermarsch in vollem Pathos, durchaus im Sinne von Leiden oder Erleiden, anheben und sich schwer fortschleppen „wie ein Kondukt“, gab dem mit zur „Ersten Abteilung“ gezählten Hauptsatz unter der Anweisung „Mit größter Vehemenz“ aber eine Aggressivität, wie sie zu Mahler gar nicht passt. Die dem Scherzo fest eingeschriebenen grotesken Momente kamen leidlich heraus, doch das Satzende geriet wiederum affirmativ, das Geheimnisvolle, Intime im Adagietto fehlte, es klang zu direkt mitteilsam, wenn auch auf der Stelle tretend. Der Spannungsbogen der großen Erzählung war damit abgerissen. Der Schluss klang übertriumphal, selbstherrlich und somit nicht nach Mahler.

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