https://www.faz.net/-gzg-9m51e

Verdacht gegen Gerich : Münchner Schützenhilfe

  • -Aktualisiert am

Verdacht der Bestechlichkeit: Ermittlungen gegen Wiesbadens Oberbürgermeister Gerich Bild: dpa

Gegen den Wiesbadener Oberbürgermeister Gerich ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. Es geht um den Verdacht der Bestechlichkeit. Nun sind auch die Kollegen aus München am Fall interessiert.

          1 Min.

          Es wird langsam eng für Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich. Nun beschäftigt sich die zweite Staatsanwaltschaft mit dessen Beziehungen zur Münchner Unternehmerfamilie Kuffler und der Frage, ob sich der den Luxus liebende Sozialdemokrat der Vorteilsnahme oder gar der Bestechlichkeit schuldig gemacht hat. Und ob Kufflers diese Beziehung für höchst lukrative Geschäfte in Wiesbaden genutzt haben. Der Nachweis dürfte nicht leicht zu führen sein. Erfreulicherweise scheinen die bayerischen Ermittler aber mit mehr Tempo und mehr Nachdruck vorzugehen als ihre hessischen Kollegen.

          Unter juristisch beschlagenen Beobachtern in der Landeshauptstadt war ohnehin mit Verwunderung beobachtet worden, dass die Wiesbadener Staatsanwälte nicht längst die relevanten Akten im Büro des Oberbürgermeisters gesichtet und sichergestellt haben. Selbst die Anwältin Gerichs sagt, dass eine solche Überprüfung absolut üblich sei.

          Verdacht der Untreue

          Das gilt umso mehr, als die Wiesbadener Staatsanwälte nach anonymen Anzeigen noch anderen Vorwürfen gegen Gerich wie dem Verdacht der Untreue nachgehen müssen. Nur durch Akteneinsicht ließe sich beispielsweise die Frage beantworten, ob das Stadtoberhaupt im Lauf der zurückliegenden fünfeinhalb Amtsjahre nur jene drei Rechnungen über private Abendessen mit seinem Mainzer Amtskollegen unrechtmäßig mit der Kreditkarte der Stadt abrechnete, die er bisher zugegeben hat. Leider fällt das nicht in die Zuständigkeit der Münchner Ermittler.

          Gerich selbst schweigt derzeit unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungsverfahren. Das ist sein gutes Recht und vermutlich klug. Ob das Schweigen reicht, die verbleibenden Wochen im Amt zu überstehen, muss sich zeigen. In Wiesbaden hatte man sich damit abgefunden, dass die Vorwürfe gegen Gerich im Hinblick auf eine mögliche Anklageerhebung erst geklärt sind, wenn er längst aus dem Amt geschieden ist. Durch das forsche Eingreifen der Münchner ist womöglich eine neue Situation entstanden. Das könnte auch dem bislang wenig aufregenden Oberbürgermeister-Wahlkampf neuen Schwung geben.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump steht innenpolitisch unter Druck, weil er die Pandemie anfangs kleingeredet hatte.

          Vorwürfe gegen Trump : Wie man mit Masken Politik macht

          Kauft Washington überall Atemschutzmasken auf und leitet Bestellungen um? Deutsche und französische Politiker behaupten das. Aber ist an den Beschuldigungen etwas dran – oder ist es nur Anti-Trump-Polemik?
          Polizisten auf Streife in dem ultraorthodoxen Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim.

          Corona-Krise in Israel : „Das iz a noytfal“

          Die Pandemie betrifft in Israel vor allem strenggläubige Juden. Sogar der ultraorthodoxe Gesundheitsminister hat sich infiziert – weil er sich nicht an die eigenen Bestimmungen hielt.
          Der französische Finanzminister Bruno Le Maire

          Macrons Finanzminister : Wie Le Maire Frankreich durch die Krise steuert

          Bruno Le Maire lenkt Frankreichs Wirtschaft gerade mit einem kleinen Team aus einem fast leeren Finanzministerium. Abends fährt er im Kleinwagen selbst nach Hause. Im Gespräch mit der F.A.Z. richtet er deutliche Forderungen an Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.