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Mousonturm : Nur wenige Besucher: „Lüften“-Festival ein Flop

  • -Aktualisiert am
Kaum einer da: Zum „Lüften“-Festival kamen nur wenige Besucher.
          2 Min.

          Das erste „Lüften“Festival des Künstlerhauses Mousonturm am Wochenende war ein Misserfolg. Die Publikumsresonanz auf das Spektakel, das auf dem Gelände um die Jahrhunderthalle und in der Halle selbst stattfand, ist auch nach Angaben des neuen Leiters des Mousonturm, Niels Ewerbeck, schlechter ausgefallen als erwartet. Etwa 160 nationale und internationale Künstler waren zu dem ersten Festival der Frankfurter Spielstätte nach Höchst eingeladen worden. An allen drei Veranstaltungstagen war das Gelände jedoch nur spärlich gefüllt.

          Mit dem Programm, bestehend aus Konzerten internationaler Bands, Darbietungen von Performance-Gruppen und experimentellen Installationen, habe man Brücken zwischen dem Kerngeschäft des Künstlerhauses und bildender Kunst schlagen wollen, sagte Ewerbeck gestern. Man habe im Vorfeld mit etwa 10.000 Besuchern gerechnet. Obwohl noch keine exakten Zahlen ermittelt worden seien, sei offensichtlich, dass die Anzahl der verkauften Tickets „weit hinter den Erwartungen“ geblieben ist.

          Fußball und schlechtes Wetter als Gründe

          Die Kosten für „Lüften“ betragen Ewerbeck zufolge rund 1,5 Millionen Euro. Durch Mittel von mehreren Sponsoren seien zwischen 500.000 und 600.000 Euro zusammengekommen, die Differenz müsse nun „durch die Eintrittsgelder“ und das Budget des Künstlerhauses Mousonturm beglichen werden. Der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main hat das Festival nach Angaben seines Geschäftsführers Albrecht von Kalnein mit einem „niedrigen sechsstelligen Betrag“ gefördert, in gut unterrichteten Kreisen ist von 300.000 Euro die Rede.

          Ewerbeck zufolge war für den Misserfolg weniger die Wahl des Ortes außerhalb der Innenstadt ausschlaggebend. Vielmehr seien das wechselhafte Wetter, die Fußball-Europameisterschaft und die Neuartigkeit des Formats verantwortlich gewesen. Erst vor kurzem habe der Mousonturm mit dem in der Jahrhunderthalle ausgerichteten Konzert der Band „Deichkind“ den Ort erfolgreich genutzt. Einen zentraleren Ort, der die Möglichkeit für Open-Air-Veranstaltungen und solchen in der Halle in dem benötigten Umfang biete, habe man nicht ausfindig machen können. Zu Beginn dieses Jahres war Ewerbeck, der zuletzt das Zürcher Theaterhaus Gessnerallee geleitet hatte, auf den Gründer und bisher einzigen Intendanten des Künstlerhauses Mousonturm, Dieter Buroch, gefolgt.

          Eine Fortsetzung von „Lüften“ sei wünschenswert

          Ewerbeck sprach von dem Festival als „Desiderat“ für das Rhein-Main-Gebiet: „So etwas hat es hier noch nicht gegeben, die Resonanz der Anwesenden war phänomenal.“ Jedes Festival, speziell aber ein Format wie „Lüften“, brauche Zeit, um bekannter zu werden. Dies müsse vor allem durch Weitersagen nach dem Pilotprojekt geschehen. Man habe, so Ewerbeck, seit Monaten in der Region „zielgruppenorientiert“ für das Ereignis geworben, Flyer an Universitäten und auf Konzerten verteilt, Plakate an Litfaßsäulen und in U-Bahn-Stationen anbringen lassen.

          Wie der Intendant vermutet, ist die Kommunikation des außergewöhnlichen Konzeptes noch verbesserungsbedürftig. Es sei zu überdenken, ob eine separate Bewerbung der Konzerte abseits des Festival-Gedankens „zielführender“ gewesen wäre. Zu den Konzerten einiger Haupt-Akteure, wie zu dem des Sängers Jan Delay am Samstagabend, waren schätzungsweise nur knapp fünfhundert Zuschauer gekommen. Nach Angaben der Sprecherin Delays seien im vergangenen Jahr dagegen 17.000 Eintrittskarten für dessen Konzert in Hamburg verkauft worden.

          Eine Fortsetzung von „Lüften“ sei wünschenswert, sagte Ewerbeck, zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht planbar: „Sicher ist, dass wir das nicht aus eigenen Mitteln stemmen können.“ Er hoffe auf die erfolgreiche Vermittlung des „Einzigartigkeitscharakters“ der Veranstaltung sowohl bei Besuchern als auch bei Sponsoren. In Internet-Foren wie Facebook überwiegt die positive Bewertung der Besucher. Mehrfach als zu hoch kritisiert wurden die Eintrittspreise von 42 Euro für das Tagesticket sowie von 99 Euro für die drei Veranstaltungstage. (Siehe Seite 39.)

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