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Landgericht Frankfurt : Keine Zweifel an Schuld von Jan M.

Das Frankfurter Landgericht. Bild: dpa

Im Mordprozess gegen den Szene-Gastronomen gab es am Freitag die ersten Plädoyers. Er soll seine Freundin und Geschäftspartnerin 2018 brutal getötet haben. Für die Staatsanwaltschaft ist er „ein Betrüger, der zum Mörder wurde“.

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          Im Prozess um den grausamen Mord im Niddapark im Mai 2018 hat die Staatsanwaltschaft am Freitag lebenslange Haft für den Angeklagten Jan M. gefordert. Sie beantragte außerdem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, wonach es M. verwehrt wäre, nach 15 Jahren freizukommen. Die Anwältin der Eltern der Getöteten schloss sich den Forderungen an. Der ehemalige Szene-Gastronom und im Frankfurter Nachtleben bekannte M. muss sich seit etwa sechs Monaten vor dem Landgericht verantworten, weil er seine enge Freundin und Geschäftspartnerin Irina A. mit mindestens 21 Messerstichen getötet haben soll.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Zweiundfünfzigjährige bestreitet den Mord. Er hat angegeben, sich spätnachts aus Sorge um die junge Frau auf die Suche nach ihr gemacht zu haben und sie schließlich tot im Niddapark entdeckt zu haben. Die Ermittler hatten Blut des Angeklagten am Socken der Toten gefunden, an einem Schuh ein Stück entfernt und an einer Bank nahe der Stelle in der Wiese, wo die Neunundzwanzigjährige am frühen Morgen des 9. Mai von einem Jogger entdeckt wurde. M. gibt an, er habe aus Schock und Angst vor einer Verdächtigung nicht die Polizei gerufen.

          In den Augen der Staatsanwaltschaft gibt es „überhaupt keine vernünftigen Zweifel an der Schuld des Angeklagten“. Sie sieht durch die Beweisaufnahme bestätigt, was in der Anklageschrift stand: Dass Jan M. Irina A. am Abend des 8. Mai in den Niddapark lockte unter dem Vorwand, sie werde dort von einem Dritten jenes Geld bekommen, das M. ihr aus dem Verkauf der gemeinsamen Freßgass‘-Bar „First In“ schulde. Es soll dabei um 175.000 Euro gegangen sein. In Wirklichkeit habe er nur ein Ziel gehabt – die junge Frau zu töten, um ihren Forderungen zu entkommen. Dies habe er mit einer „erheblichen kriminellen Energie“ geplant und vorbereitet. Dabei habe er heimtückisch gehandelt, weil er die schutzlose Lage der „ihm bis zuletzt eng verbundene“ Frau ausnutzte. Sie sei völlig arg- und wehrlos und von dem Angriff so überrascht gewesen, dass ihr weder die Flucht noch Gegenwehr gelang. Außerdem sehen die Staatsanwältinnen das Mordmerkmal Habgier erfüllt. Zu jener Zeit soll Jan M. laut einem Gutachten 230.000 Euro Schulden und ein monatliches Defizit von 15.000 Euro gehabt haben. „Er hatte keine freien finanziellen Mittel mehr, um Irina A. irgendetwas zurückzuzahlen.“ Deshalb sei sein beherrschendes Motiv gewesen, sich von noch mehr Schulden zu befreien.

          Jan M.s Einlassung ist für die Staatsanwaltschaft “konstruiert und lebensfremd“

          Die Staatsanwaltschaft sieht es als in M.s Persönlichkeit angelegt, zu drastischen Mitteln zu greifen, um seine Position zu sichern. Als Zeichen dafür wertet sie auch eine erfundene Krebserkrankung, mit der sich der Angeklagte ein Darlehen von 200.000 Euro von seinen Mitgesellschaftern des „Gibson Clubs“ erschlich. Überhaupt hat sich für die Strafverfolger im Lauf des Verfahrens herausgestellt, dass M. „ein Blender“ sei. Der sich als gut vernetzter Gastronom eine Scheinwelt erschaffen habe, in der er einen luxuriösen Lebensstil pflegte und viele glauben ließ, sie könnten so werden wie er, wenn sie sich auf Geschäfte mit ihm einließen. Der aber eigentlich ein Betrüger sei. „Die Menschen um ihn herum sind ihm erlegen“, sagte eine Staatsanwältin, „und so erging es auch Irina. Sie ist ihm auf den Leim gegangen.“ Weil sie als einzige all der von M. Hintergangenen vehement ihr Geld eingefordert habe, „musste sie sterben“.

          Die Einlassung des Angeklagten halten die Staatsanwältinnen für eine reine Schutzbehauptung, für „konstruiert und lebensfremd“. M. habe seine Äußerungen vom ersten Moment an immer an den Stand der Ermittlungen angepasst. Sowohl, was sein Blut am Tatort angehe als auch viele weitere Details zu den Tagen rund um die Tat. Doch trotz aller Versuche, den Verdacht auf andere Personen zu lenken, sei er nach sechs Monaten der Beweisaufnahme der einzige mit einem Motiv – und ohne ein Alibi. Der Prozess wird am Mittwoch mit dem Plädoyer der Verteidigung fortgesetzt.

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