https://www.faz.net/-gzg-88aa0

Mordprozess in Darmstadt : Vater gesteht Tötung seiner Tochter

  • Aktualisiert am

Der angeklagte Vater im Verhandlungssaal des Landgerichts in Darmstadt Bild: dpa

Um die Familienehre wiederherzustellen, habe er seine 19 Jahre alte Tochter getötet, heißt es in der Anklageschrift über den Vater. Der Vater gestand. Eine weitere Tochter sagte gegen die Eltern aus.

          2 Min.

          Mit dem Geständnis des Vaters hat am Freitag in Darmstadt ein Prozess gegen strengreligiöse muslimische Eltern um die Tötung ihrer Tochter begonnen. Der 52 Jahre alte Mann und die Mutter sollen ihre Tochter vor acht Monaten gemeinschaftlich ermordet haben, um die „Familienehre zu retten beziehungsweise wiederherzustellen“, sagte Staatsanwältin Barbara Sieger beim Verlesen der Anklage vor dem Landgericht. Die junge Frau habe einen Freund gehabt, mit dem sie nicht verlobt gewesen sei. Vater und Mutter hätten von sexuellen Kontakten des Paares erfahren.

          Der Vater würde die Tat „am liebsten ungeschehen machen“, sagte dessen Anwalt, der die Erklärung im Namen seines Mandanten abgab. Der 52-Jährige habe berichtet, er sei „im letzten Moment des Tötungsaktes wie „weg“ gewesen“. Laut Anklage erwürgte der Vater seine Tochter. Er habe der Schlafenden Ende Januar in Darmstadt „minutenlang ihren Hals zugedrückt“, die Mutter sei einverstanden und dabei gewesen. Die 41-Jährige habe bei der Planung der Tat und der Beseitigung der Leiche geholfen.

          Leiche auf Parkplatz entdeckt

          Die Mutter ließ über ihren Anwalt mitteilen, sie sei von der Tat überrascht und dann dazu gezwungen worden, beim Wegschaffen der Leiche zu helfen. Ihr gesamtes Leben sei stark vom Leben in der muslimischen Gemeinde bestimmt gewesen, „von den Geboten der Religion“, sagte der Anwalt. Die Beziehung der 19-Jährigen an den Eltern vorbei habe „deren Denken erschüttert.“ Als dann die Polizei die Tochter verdächtigt habe, sie habe Modeschmuck und Kondome gestohlen, sei beim Vater eine Sicherung durchgebrannt.

          Der Fall hatte Aufsehen erregt. Schon bei den damaligen Ermittlungen waren die moralischen Vorstellungen der Eltern als Auslöser für die Tat vermutet worden. Die Leiche der 19 Jahre alten Tochter war etwas außerhalb von Darmstadt an einem Parkplatz entdeckt worden. Laut Anklage hatten die Eltern der Toten Straßenkleidung angezogen und sie zu dem Gelände geschafft. „Dann warfen sie den Leichnam ihrer Tochter eine Böschung herunter“, sagte Staatsanwältin Sieger.

          Jüngere Schwester hat ausgesagt

          In dem Prozess tritt die Schwester der Getöteten als Nebenklägerin auf. Zum Auftakt wurde sie als Zeugin gehört, vom Zeugnisverweigerungsrecht als Tochter wollte sie keinen Gebrauch machen. Als das Mädchen den Gerichtssaal betrat, brachen die Eltern in Tränen aus. Das 14 Jahre alte Mädchen erzählte, die Eltern seien sehr streng gewesen: „Wir mussten auf jede Kleinigkeit achten.“ Das Thema Liebe und Jungs sei tabu gewesen. Die Mutter habe sie mit einem Stock geschlagen. Kontakte zu Freunden außerhalb des Schulunterrichts seien schwierig gewesen.

          Die Version der Mutter, der Vater sei die dominierende Person in der Ehe gewesen, teilte die Tochter nicht. Der Vater habe die Mutter nicht unterdrückt: „Eher anders herum.“ Ihre Mutter habe auch alles daran gesetzt, dass sie als jüngere Schwester in der Tatnacht nicht zu Hause schläft, sondern bei der Tante, berichtete die Schwester. Inzwischen habe sie den Kontakt zu den Eltern und der weiteren Verwandtschaft abgebrochen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jens Spahn in Bochum: Eine studentische Assistentin misst die Temperatur des Gesundheitsministers.

          Fieberambulanzen : Spahns Corona-Strategie für die kalte Jahreszeit

          Die Infektionszahlen steigen, zur kälteren Jahreszeit könnte sich dieser Trend noch verschärfen. Gesundheitsminister Jens Spahn will mit zentralen Anlaufstellen für Menschen mit Grippesymptomen reagieren. Er sieht Deutschland gut gewappnet im Kampf gegen das Virus.
          Wolken über den Doppeltürmen der Deutschen Bank in Frankfurt

          „Fincen-Files“ : Bankaktien geraten unter Druck

          Die Enthüllungen namens „Fincen-Files“ über fragwürdige Geschäfte mit hochriskanten Kunden verunsichern die Anleger: Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktien fällt um 6 Prozent und der von HSBC auf ein 25-Jahres-Tief.
          Wer hat hier was verstanden? Die Bayern-Prominenz verzichtet trotz guter Ratschläge auf die Maske im Stadion.

          Bundesliga und Corona : Die Macht des Bildes

          Die da oben, die da unten: Während die Bayern-Führung im Stadion auf Abstand und Maske verzichtet, verhalten sich die Fans am ersten Bundesliga-Spieltag geradezu vorbildlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.