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Vor Gericht : Mordprozess im Fall Johanna beginnt fast 20 Jahre nach Tat

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Vor Gericht: Der Prozess des mutmaßlichen Mörders von Johanna beginnt am 20. April. (Symbolbild) Bild: Sick, Cornelia

Im vergangenen Oktober kann die Polizei einen spektakulären Erfolg melden: Sie findet den Mann, der für den Tod eines Mädchens im Jahr 1999 verantwortlich sein soll. Nun haben die Richter das Wort.

          Fast 20 Jahre lang haben die Ermittler im Mordfall Johanna nach dem Täter gesucht. Im vergangenen Oktober schnappen sie einen Verdächtigen. Und dann geht alles ganz schnell: Die weiteren Untersuchungen laufen auf Hochtouren, im Februar erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage, am nächsten Freitag (20. April), sechs Monate nach seiner Festnahme, muss sich der mutmaßliche Mörder der kleinen Johanna vor dem Landgericht Gießen verantworten.

          Die Richter wollen nach derzeitiger Planung bis August an 13 Prozesstagen klären, was genau mit der Achtjährigen geschah. Der 42 Jahre alte Angeklagte aus Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) soll das Kind im September 1999 in Ranstadt in der Wetterau in sein Auto gezerrt, sexuell missbraucht und getötet haben. Die Leiche des Mädchens wurde im folgenden April in einem Wald gefunden.

          Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der Angeklagte das Kind ermordete, entweder zur Verdeckung einer Straftat - den Missbrauch - oder zur Befriedigung des Geschlechtstriebs.

          Das Gericht wird voraussichtlich viel Zeit aufwenden müssen, um eindeutig klären zu können, ob es wirklich Mord war. Denn der Verdächtige zeigt sich nach Angaben der Ermittler zwar verantwortlich für den Tod von Johanna, bestreitet aber einen Vorsatz. Nach seiner Festnahme soll er das Geschehen mehr als Unfall dargestellt haben.

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          Es wird vor allem auf die zahlreichen Beweismittel ankommen, die die Ermittler in dem Fall zusammengetragen haben. Dazu gehört auch die winzige Spur eines Fingerabdrucks. Dieser war am Fundort der Leiche entdeckt worden. Alle früheren Versuche der Polizei, die Spur einem Verdächtigen zuzuordnen, liefen ins Leere. Auch Massentests mithilfe von gefundenen DNA-Spuren mit etwa 1400 Männern blieben erfolglos.

          Die spektakuläre Wende brachte ein anderer Missbrauchsfall aus dem Jahr 2016. Der Verdächtige wird damals in Nidda (Wetteraukreis) bei Fesselspielen mit einer Jugendlichen erwischt. Die Polizei weitet die Ermittlungen aus. Dank neuer Analysemethoden können die Beamten den an Johannas Fundort sichergestellten Fingerabdruck dem Friedrichsdorfer zuordnen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung finden die Ermittler zudem zahlreiche Datenträger mit Kinderpornos. Deshalb steht der 42-Jährige auch wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften vor Gericht.

          Nicht nur zahlreiche Medienvertreter und weitere interessierte Zuschauer werden zu dem Prozess erwartet. Johannas Familie wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Nebenkläger auftreten. Und auch die Ermittler wollen den Prozess verfolgen. Es sei schon ein besonderer Moment, dass das Verfahren nun losgehe, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen. Nach der Festnahme des Verdächtigen hatte der Leiter der Sonderkommission gesagt: „Ein derart schreckliches Verbrechen lässt auch erfahrene Ermittler niemals kalt und niemals ruhen.“

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