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Fall Lübcke : Ermittlungen konzentrieren sich auf persönliches Umfeld

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Der Tatort auf der Terrasse des Wohnhauses von Walter Lübcke im nordhessischen Wolfhagen. Bild: dpa

Auch nach der intensiven Befragung eines Verdächtigen ist seine Rolle im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke unklar. Er war am Samstag im Beisein seiner Eltern von einem SEK-Team abgeführt worden.

          Im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermittelt die Polizei weiter im persönlichen Umfeld des Opfers. Die Staatsanwaltschaft Kassel und das hessische Landeskriminalamt bestätigten gestern den Polizeieinsatz im niedersächsischen Harlesiel. Dort hatten Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos den Verdächtigen in Gewahrsam genommen, der, wie die F.A.Z. berichtete, bis zum frühen Sonntagmorgen verhört worden war. Wie sich nun herausstellte, handelt es sich bei dem Mann um den Sanitäter, der als Ersthelfer am Tatort eingetroffen war, nachdem der CDU-Politiker tot auf seiner Terrasse liegend gefunden wurde. Der Mann hatte damals Blutspuren vernichtet, was ihn verdächtig gemacht hatte.

          Mittlerweile gehen die Ermittler knapp 200 Hinweisen nach. Ob sich darunter eine heiße Spur befindet, ist bislang unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen, alles andere ist Spekulation“, sagte der Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Christoph Schulte, am Dienstag. Die mittlerweile 187 eingegangenen Hinweise würden nun abgearbeitet.

          Das Vorgehen der Beamten wirft insbesondere wegen der Details der Festnahme Fragen auf. So blieb bislang unklar, warum die Polizei den Verdächtigen mit einem geradezu spektakulären Einsatz durch ein Spezialeinsatzkommando aus dem rund 400 Kilometer von Kassel entfernten Harlesiel mit einem Hubschrauber abholen ließ, wenn er doch nur zur „Informationsgewinnung“ befragt werden sollte. Ein LKA-Sprecher sagte gestern dazu auf Anfrage, die Aktion sei in der Kürze der Zeit notwendig geworden, „weil es wichtig ist, allen Spuren zeitnah nachzugehen“, die Ermittlungen würden derzeit „mit hoher Intensität geführt“. Medienberichte, wonach der Einsatz auf einer Fähre stattgefunden habe, träfen nicht zu. „Der Zugriff fand vielmehr auf dem Parkplatz statt. Dorthin waren die Passagiere gebracht worden“.

          Als die Festnahme am Samstagnachmittag bekannt geworden war, hieß es in Sicherheitskreisen noch, es gebe einen dringenden Tatverdacht gegen den Mann. Dieser wurde jedoch in dem Moment dementiert, in dem die Ingewahrsamnahme öffentlich geworden war. Die Behörden, so hieß es, befürchteten eine Gefährdung des Verfahrens. Dass die vorläufige Festnahme so schnell durchsickerte, überraschte die Staatsanwaltschaft als auch das LKA gleichermaßen. Seitdem betonen die Behörden, eine Tatbeteiligung des Mannes habe sich nicht erhärten lassen.  Man bitte deshalb darum, die Persönlichkeitsrechte des Mannes zu schützen. Einige Medien hatten den Namen des Verdächtigen genannt. Er befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Wie aus Ermittlerkreisen zu hören ist, ist seine Rolle aber längst nicht geklärt. Möglicherweise wisse er etwas über die Tat – auch, wenn er selbst nicht beteiligt war.

          Dem Vernehmen nach war der Sanitäter aufgrund mehrerer Anhaltspunkte in den Fokus der Ermittler geraten. Die entfernte Blutspur am Tatort war nur einer davon. Bei dem Sanitäter soll es sich um einen engen Freund der Familie handeln. Insbesondere war er mit einem der Söhne des CDU-Politikers eng befreundet. Er soll vor einiger Zeit sogar ein Haus von der Familie Lübcke erworben haben. Die Polizei durchsuchte dieses Haus samt Grundstück im Zuge der weiteren Ermittlungen. Sie hatten unter anderem gehofft, die Tatwaffe dort zu finden.

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