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Mordfall Susanna : Familie von Ali Bashar könnte zurückkehren

  • -Aktualisiert am

Mutmaßlicher Mörder: Ali Bashar wird von Polizisten Anfang Juni in die JVA Frankfurt überführt. Bild: EPA

Die Angehörigen waren zunächst mit Ali Bashar in den Irak geflohen. Ein Bruder hat seine Rückkehr nach Deutschland angekündigt. Derzeit gilt eine Anklage gegen den mutmaßlichen Mörder als sicher.

          Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mörder von Susanna F., Ali Bashar, werden voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern. Weiterhin sind Polizei und Staatsanwaltschaft damit befasst, die Aussage des 21 Jahre alten Irakers zu überprüfen. Er hatte angegeben, in der Nacht zum 23. Mai die Schülerin zwar getötet, sie aber nicht, wie ihm zudem vorgeworfen wird, vergewaltigt zu haben. Seiner Darstellung nach brachte er das Mädchen um, weil sie die Polizei habe rufen wollen, nachdem sie sich bei einem Sturz Verletzungen im Gesicht zugezogen habe.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unklar ist offenbar noch immer, ob die Spuren, die an dem Opfer gefunden wurden, bei der Rekonstruktion des Falles weiterhelfen können. Und auch, ob es nicht doch, wie zunächst vermutet, einen Mittäter gibt. Die Leiche der vermissten Vierzehnjährigen wurde zwei Wochen später in einem Gebüsch in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim gefunden, wo der Iraker und seine Familie lebten.

          Bruder kündigt Rückkehr an

          Unterdessen bereiten sich die hessischen Behörden darauf vor, dass die Familie von Ali Bashar womöglich wieder nach Deutschland kommt. Die Eltern und fünf Geschwister waren mit ihm zusammen geflohen, offenbar weil sie die Entdeckung des Verbrechens befürchteten. Sie buchten sich Flüge von Düsseldorf nach Istanbul, von dort aus reisten sie weiter in den Irak.

          Vor dem Hintergrund der intensiven Asyldebatte in Deutschland könnte der Fall nun noch einmal zusätzliche Brisanz bekommen. Medienberichten zufolge hat einer der Brüder von Ali Bashar eine Rückkehr angekündigt; wohl um in der Nähe des in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten zu sein. Möglicherweise wird später auch die Familie wieder versuchen, in Wiesbaden Fuß zu fassen, wo sie seit 2016 lebte.

          Gilt eine Einreisesperre?

          Wie eine Referentin des Wiesbadener Sozialdezernenten Christoph Manjura (SPD) gestern auf Anfrage sagte, ist man darauf vorbereitet. Derzeit warte die Behörde quasi täglich auf eine Mitteilung, wonach ein neues Asylersuchen der Familie eingegangen sei. Zuständig wäre wiederum das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Das hatte dem Vernehmen nach schon vor mehr als einem Jahr alle Anträge der Familie abgelehnt und eine Einreisesperre für den Fall verhängt, dass die Familie abgeschoben wird.

          Dazu war es aufgrund noch anhängiger Klagen beim Verwaltungsgericht aber nicht gekommen. Doch selbst wenn die Klage abgewiesen worden wäre, hätten die Iraker angesichts des anhaltenden Bürgerkriegs nicht zwangsweise zurück in ihre Heimat gebracht werden können.

          Ob nach der freiwilligen Ausreise die Einreisesperre noch gilt und Familienmitglieder an der Grenze zurückgewiesen werden können, wäre gegebenenfalls zu prüfen. Möglicherweise wird die Familie spätestens dann einreisen wollen, wenn der Prozess gegen Ali Bashar beginnt. Dass Anklage gegen den Einundzwanzigjährigen erhoben wird, gilt derzeit als sicher. Gestern hat das hessische Justizministerium noch einmal bestätigt, dass die Ermittlungen trotz der diplomatischen Verwicklungen zwischen Berlin und Bagdad, die sich nach der Rückführung Bashars ergaben, nicht beeinträchtigt seien. Ein Verfahrenshindernis in der Form, dass eine Strafverfolgung von Bashar in Deutschland ausgeschlossen sei, könne sich nicht daraus ergeben, heißt es im Ministerium.

          Wie berichtet, hatte die Bundespolizei in enger Kooperation mit kurdischen Behörden Ali Bashar nur wenige Tage nach seiner Flucht aus Deutschland aufgespürt. Der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, holte den Iraker persönlich ab. Die deutschen Behörden bezeichneten den Akt später als "Abschiebung" durch die kurdischen Behörden im Irak; der Verdächtige sei im Flugzeug und damit auf "deutschem Territorium" übergeben worden. Die Aktion fand zu einem Zeitpunkt statt, als das von Hessen auf den Weg gebrachte Auslieferungsersuchen noch gar nicht im Irak angekommen war. Die Bundespolizei argumentierte später, man habe schnell handeln müssen, weil es Hinweise gegeben habe, Ali Bashar wolle sich in ein Nachbarland absetzen.

          Im hessischen Justizministerium hieß es weiter, mögliche Rechtsverstöße durch kurdische Stellen, von denen die irakische Zentralregierung in Bagdad schließlich sprach, seien für die Ermittlungen wegen Mordes in Wiesbaden nicht relevant.

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