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Mutmaßlicher Susanna-Mörder : Ali B. ist zurück in Deutschland

Älter als bisher vermutet: Der mutmaßliche Mörder von Susanna soll 21 Jahre alt sein. Bild: Helmut Fricke / F.A.Z.

Die Lufthansa-Maschine mit dem Tatverdächtigen Ali B. ist am Samstag Abend in Frankfurt gelandet. Von dort wurde er per Hubschrauber nach Wiesbaden geflogen. Der mögliche Mörder von Susanna F. ist in der Nacht im dortigen Polizeipräsidium befragt werden.

          Ali B. ist zurück in Deutschland. Um 20.36 Uhr landete am Samstagabend die Lufthansa-Maschine mit dem Tatverdächtigen im Fall der getöteten Susanna F. aus Mainz aus dem irakischen Erbil auf dem Frankfurter Flughafen. Mit an Bord befindet sich auch der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann. Am Frankfurter Flughafen wurde B. der Landespolizei Hessen übergeben und von dort mit dem Hubschrauber ins Polizeipräsidium Westhessen nach Wiesbaden geflogen, wo er noch in der Nacht erkennungsdienstlich behandelt und befragt werden soll, bevor er am Sonntag einer Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Wiesbaden vorgeführt wird.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Der Hubschrauberlandeplatz in Wiesbaden, auf dem die Maschine um 21.21 Uhr landete, befindet sich etwa 200 Meter östlich des Polizeipräsidiums. Von dort wurde B. von vier Beamten über eine Wiese mit langsamen Schritten in das Gebäude gebracht. B. trug eine Jeans und ein schwarzes Hemd, zwei Beamte mit Gesichtsmaske halten ihn an den Armen gepackt. Insgesamt sieben Polizeifahrzeuge und mehrere schwer bewaffnete Polizisten sicherten den Bereich ab. Über dem Eingang des Polizeipräsidiums hatten sich zudem fünf Scharfschützen postiert. Insgesamt dauert die Szenerie weniger als zwei Minuten. Kurz darauf geht ein Gewitter über Wiesbaden nieder.

          Die Behörden legten offenbar Wert darauf, dass die Öffentlichkeit Bilder von der Ankunft des mutmaßlichen Mörders im Fall Susanna sehen konnte. Drei Vertreter der Pressestelle betreuten die wartenden Journalisten. Das 2,40 Meter hohe Stahltor, das den Blick auf den Landeplatz behinderte, wurde rechtzeitig geöffnet.

          Merkel: Unfassbares Leid erfasst auch mich

          In Berlin erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer nur wenige Minuten später: „Ich bin froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmaßliche Täter wieder in Deutschland ist.“ So könne das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden. Seehofer erklärte weiter, für die Familie des Mädchens sei die Rückkehr des Täters, der sich vergangene Woche in den Irak abgesetzt hatte, „nur ein schwacher Trost“. „Für den Staat und unsere Gesellschaft ist es aber wichtig, dass Straftaten aufgeklärt und Tatverdächtige der Justiz zugeführt werden“.

          Der im Zusammenhang mit dem Mord an der vierzehnjährigen Susanna F. gesuchte Verdächtige war in der Nacht zum Freitag gegen zwei Uhr in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordirak festgenommen worden. Bevor er zur Fahndung ausgeschrieben wurde, reiste der Mann nach Angaben des Bundesinnenministeriums mit seiner Familie am vergangenen Wochenende legal über den Düsseldorfer Flughafen aus und setzte sich nach Erbil im Nordirak ab. Dort wurde er auf Bitten Deutschlands durch kurdische Sicherheitsbehörden festgenommen. Offenbar hatte ein Familienmitglied von B. den Beamten vor Ort einen Tipp über den Aufenthaltsort gegeben.

          Der Polizeioffizier Tarik Ahmed berichtete im kurdischen TV-Sender Rudaw, Ali B. habe die Tat gestanden. Dieser Schilderung zufolge hätten der 20-Jährige und sein Opfer viel Alkohol getrunken und Tabletten geschluckt. Zwischen den beiden sei es zum Streit gekommen. Das Mädchen habe gedroht, die Polizei anzurufen, was Ali B. nach eigener Aussage zu der Tat getrieben habe – er habe die 14-Jährige stranguliert.

          In Erbil hatten kurdische Sicherheitskräfte den Tatverdächtigen zum Flugzeug gebracht, wo ihn eine Ärztin der Bundespolizei für flugtauglich erklärte. An Bord der Maschine nahmen die Vollzugsbeamte der Bundespolizei „ausschließlich ihre Aufgaben zum Schutz des Luftverkehrs und der an Bord befindlichen Passagiere ohne besondere Vorkommnisse wahr“, teilte die Bundespolizei am Abend mit.

          Gegenüber der „Bild am Sonntag“ erklärte Bundespolizei-Chef Dieter Romann: „Die kurdischen Sicherzeitsbehörden konnten den mutmaßlichen Täter gestern früh um 5.20 Uhr in letzter Sekunde vorläufig festnehmen. Der Tatverdächtige hatte vor, sich in ein Nachbarland des Irak abzusetzen.“

          Während der Auslieferung von Ali B. hatten sich am Samstag in der Mainzer Innenstadt Hunderte Menschen zu Demonstrationen und Mahnwachen versammelt, um der Getöteten zu gedenken. Sowohl linke als auch rechte Gruppierungen nutzten die Veranstaltungen aber auch, um politisch Stimmung zu machen und den Mord an dem Mädchen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

          Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festnahme des Tatverdächtigen im Nordirak und die Rückführung nach Deutschland begrüßt. „Das unfassbare Leid, dass der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich“, sagte sie am Samstag am Rande des G-7-Gipfels im kanadischen La Malbaie. Sie sprach von einem „abscheulichen Mord“ und plädierte für eine entschiedene Ahndung solcher Straftaten. Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz „mit aller Klarheit ein Urteil sprechen“. Merkel wertete den Fall als Aufforderung an alle, Integration ernst zu nehmen und für gemeinsame Werte einzustehen. „Wir können nur zusammenleben, wenn wir uns gemeinsam an unsere Gesetze halten“, sagte sie.

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