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Fahndung nach Tatverdächtigem : Gelingt es, Ali Bashar aus dem Irak zurückzuholen?

  • Aktualisiert am

Dringender Tatverdacht wegen Mordes an Susanna F.: der 20 Jahre alte Iraker Ali B. Bild: dpa

Der mutmaßliche Mörder von Susanna F. soll vor einer Woche in die irakische Provinz Arbil gereist sein. Ob es gelingt, ihn zurück nach Deutschland zu bringen, ist unsicher – und hängt vom Interesse der irakischen Machthaber ab.

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          Wie schwierig es sein wird, Ali Bashar, den mutmaßlichen Mörder von Susanna F., zurück nach Deutschland zu bringen, können die Ermittler derzeit nicht einschätzen. Das hängt zunächst davon ab, wie schnell er in der kurdischen Provinz um Arbil, in die er nach Erkenntnissen der Wiesbadener Polizei mit seiner Familie geflüchtet ist, gefunden wird. Ein Auslieferungsgesuch müsste dann über das Auswärtige Amt gestellt werden.

          Ob und wie schnell darauf in Arbil reagiert werde, hänge weniger von Formalitäten als vielmehr davon ab, wie sehr es im Interesse der dortigen Machthaber liege, mit Deutschland zusammenzuarbeiten, heißt es in Justizkreisen. Ob ein offizielles Rechtshilfeabkommen bestehe, spiele dabei eine eher untergeordnete Rolle.

          Die 14 Jahre alte Susanna war am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden. Nach Angaben der Ermittler soll sie bereits am selben Abend vergewaltigt und getötet worden sein. Zunächst war von zwei mutmaßlichen Tätern die Rede. Ein zunächst festgenommener 35 Jahre alter Türke wurde am Donnerstagabend wieder freigelassen.

          Der weiterhin tatverdächtige Ali Bashar ist laut dem Wiesbadener Polizeipräsidenten Stefan Müller vermutlich am vergangenen Donnerstag ausgereist. Seine Familie habe zuletzt zusammen in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden gelebt. Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen von Düsseldorf nach Istanbul und von dort aus weiter in den Irak geflogen.

          Bashars Aslyantrag schon 2016 abgelehnt

          Zu der Frage, wieso der 20 Jahre alte Iraker so lange in Deutschland bleiben durfte, obwohl sein Asylantrag schon Ende 2016 abgelehnt worden war, sagte Wiesbadens Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD), wenn wie in diesem Fall Klage gegen die Entscheidung eingereicht werde, habe die Stadt keinen Ermessensspielraum. Für die Dauer des Gerichtsverfahrens müsse der Aufenthalt gestattet werden. Wie viele abgelehnte Asylbewerber unter den 2300 Flüchtlingen in Sammelunterkünften diesen Status haben, vermochte Manjura nicht zu sagen.

          Lehnt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Asylantrag als „unbegründet“ ab, hat eine Klage gegen den Bescheid aufschiebende Wirkung. Bis es zu einer Entscheidung vor Gericht kommt, können Monate vergehen.

          Reaktionen der Politiker

          Mit „großer Betroffenheit und Trauer“ reagierte Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) auf das Verbrechen: „Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei den Angehörigen und Freunden des getöteten Mädchens.“ Gerich forderte eine „ruhige“ Reaktion und Geduld für die Arbeit der Ermittlungsbehörden. „Hass und Hetze dürfen keine Antwort sein.“

          Ordnungsdezernent und Bürgermeister Oliver Franz (CDU) sagte, er sei „fassungslos, traurig und wütend“. Die Vorstellung, dass Flüchtlinge, die ihre Heimatländer aus Angst vor Gewalt verlassen hätten, hier zu Mördern geworden seien, sei unerträglich. Solche Straftaten verringerten die Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen.

          Auch weitere Politiker meldeten sich zu Wort. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel forderte in einer via Twitter verbreiteten Videobotschaft den Rücktritt der gesamten Bundesregierung. Susannas Tod sei „kein blinder Schicksalsschlag“, sagte Weidel. „Susanna ist ein weiteres Opfer der heuchlerischen und egoistischen Willkommenspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.“ Grünen-Chefin Annalena Baerbock sagte der „Bild“-Zeitung: „Der oder die Täter müssen mit der ganzen Härte des Rechtsstaats bestraft werden. Niemand sollte sich aber anmaßen, den Tod dieses Mädchens zu missbrauchen, um Hass zu säen.“ Es brauche Aufklärung in jeglicher Hinsicht. FDP-Chef Christian Lindner erklärte gegenüber derselben Zeitung, dass das Verbrechen zahlreiche Fragen aufwerfe. „Wieso werden abgelehnte Asylbewerber nicht konsequenter zurückgeführt? Warum konnte der Täter samt Familie offenbar unter falschem Namen ausreisen?“

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