https://www.faz.net/-gzg-9smad

Museum Angewandte Kunst : Begegnung mit dem Mondhasen

Im Auftrag der Mondgöttin: Dieser Dachreiter ist etwa 200 Jahre alt. Bild: Museum Angewandte Kunst

Bis August 2020 sind im Frankfurter Museum Angewandte Kunst fabelhafte und real anmutende Tiere aus dem Alten China zu sehen. Sie geben einen weiteren Einblick in die ostasiatische Sammlung des Hauses.

          2 Min.

          Den Mann im Mond kennt hierzulande jedes Kind, und es wird des Nachts, vor allem dann, wenn der Trabant sich in seiner ganzen Pracht zeigt, unschwer dessen Umrisse entdecken. Anderswo auf der Erde blicken die Menschen anders auf das Gestirn, und siehe da, ganz deutlich und unverkennbar sitzt ein Hase dort oben, nimmt fast zwei Drittel der Oberfläche ein, und das rechteckige Ding unter seinen Pfoten können in China und Japan wohl auch die meisten deuten: Es handelt sich um einen Mörser. Der Mondhase ist nämlich unermüdlich damit beschäftigt, Kräuter zu stampfen, die ins Unsterblichkeitselixier gehören. Er arbeitet für die Mondgöttin, der diese Mischung die ewige Existenz sichert, auf Erden aber wird er als Symbol für ein langes Leben verehrt.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Mondhase kommt im Taoismus wie im Buddhismus und im Shintoismus vor, zahlreiche Legenden ranken sich um ihn, er zählt zur ostasiatischen Folklore, und die beiden Mondrover, die von der Volksrepublik China auf den erdnächsten Himmelskörper geschossen wurden, tragen die Namen „Jadehase 1“ und „Jadehase 2“, was als Synonym für den Mondhasen gilt und die freundliche Art des himmlischen Hoppelwesens zum Ausdruck bringt. Jade werden in China traditionellerweise Heilkraft und überhaupt positive Wirkungen zugesprochen. Der Mondhase, der zurzeit im Frankfurter Museum Angewandte Kunst ausgestellt ist, besteht allerdings aus gebranntem Ton, genauer: aus Steinzeug, einem keramischen Material, das nicht durchscheinend ist und in diesem Fall glasiert wurde. Einst saß das Tier als Dachreiter auf einem Haus, es dürfte etwa 200 Jahre alt sein und stammt aus dem China der Qing-Zeit. Jetzt ist der keineswegs niedlich wirkende, sondern im Gegenteil leicht dämonisch anmutende Säuger Teil einer kleinen Ausstellung in der Reihe „Meet Asian Art“, die Stücken aus der reichhaltigen, mehr als 2000 Jahre umfassenden ostasiatischen Sammlung in thematischen Präsentationen geradezu intime Aufritte gibt. Auf wenige, aber aussagekräftige und ästhetisch überzeugende Exponate beschränkt, lässt einen auch die soeben eröffnete Schau „Von Drachen, Einhörnern und Mondhasen. Tierische und mythische Wesen im Alten China“ abtauchen in eine phantastische Welt.Der Artenreichtum der sagenhaften Tierwesen ist erstaunlich, und man darf auch bei Darstellungen von Kröten und Zikaden vermuten, dass ihnen eine tiefere Absicht zugrunde liegt und sie eine, wenn nicht mehrere symbolische Bedeutungen und Sinn-Ebenen besitzen. So ist das Insekt, das sich aus Ei und Larve entwickelt hat, Sinnbild für den Wandel und das Weiterleben in einer anderen Dimension, und die Kröte hat auch mit dem Mond zu tun. Sie frisst ihn nämlich gelegentlich auf, dann ist von der Erde aus eine Mondfinsternis zu erleben. Mit Gold verziert, ist die Kröte jedoch zudem ein Zeichen für Reichtum: In der Frankfurter Ausstellung ist beispielsweise eine zu sehen, die aus einem mit filigranem Goldgeflecht eingefassten Türkis besteht.

          Exotische Lust an fremden Gestalten

          Aber unter den Ausstellungsstücken finden sich auch Tierskulpturen, die offenbar vierbeinigen Hausgenossen nachgebildet sind oder Szenen aus der realen Welt wiedergeben. So zeugen Tonfiguren aus dem achten Jahrhundert, der Tang-Zeit, von der exotischen Lust an fremden Gestalten, menschlichen und tierischen: Ein Kameltreiber, der ein persisches Gewand trägt, scheint ein Kamel an der Leine zu halten. Zwischen den Höckern trägt es vermutlich eine Decke. Das Sujet lässt erahnen, dass seinerzeit ein reger Handel zwischen den westlichen und den östlichen Gebieten Asiens stattfand.

          Weingefäße, Kohlenbecken, eine Schale, ein Topf und andere Objekte für den täglichen Bedarf im Hier und Jetzt finden sich in dieser Schau neben Grabbeigaben, alle eint aber die tierische Motivik. Geschöpfe zwischen Mensch und Tier, Inkarnationen des Buddha mit dem Elefanten als Reittier oder einem kleinen Schneelöwen als Handschmeichler, der chinesische Glücksgott Budai mit zwei Fledermäusen: Dass bestimmte Tiere, seien sie vollkommen mythisch oder ganz und gar irdisch, das Glück begünstigen, ist in China nie umstritten gewesen. Und dabei steht das Dasein im Diesseits durchaus im Zentrum. Mit animalischer Hilfe ein langes Leben zu wünschen empfiehlt sich da eher, als auf ein ungewisses Jenseits zu verweisen.

          Weitere Themen

          Angesteckt, kerngesund, geimpft

          F.A.Z.-Hauptwache : Angesteckt, kerngesund, geimpft

          Hausärzte empfehlen, bei Verdacht einer Coronavirus-Infektion lieber anzurufen, als vorbeizukommen. Von Montag an gilt die Masern-Impfpflicht für Schulen und Kitas. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Was Kombitraining für die Merkfähigkeit tun kann

          Kasseler Studie : Was Kombitraining für die Merkfähigkeit tun kann

          Im Alter zu trainieren, ist eine gute Idee. Noch besser ist aber in kombiniertes Kraft- und Gleichgewichtstraining. Dabei werden Gewichte auf wackelnden Unterlagen gehoben. Mit einer erstaunlichen Folge, wie eine Studie aus Kassel zeigt.

          Topmeldungen

          Champions League : So trickste Guardiola Real Madrid aus

          Diesmal geht die Taktik auf: Der Trainer steht nach Manchesters Erfolg in Madrid als Sieger da. Der Traum vom Triumph in der Champions League lebt. Im Fokus ist auch Toni Kroos – obwohl er gar nicht mitspielt.
          Schutzmaßnahmen unter der Kuppel der Galleria Vittorio Emanuele II

          Kultur unter Quarantäne : Muss das sein?

          Museen und Theater sind geschlossen, die Mailänder Möbelmesse ist abgesagt, und selbst die Kirchen haben ihre Pforten verriegelt. Ein Lagebericht aus Norditalien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.