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Molkerei Schwälbchen : Vorwärts mit grüner Milch

Milchmann: Günter Berz-List, Vorstand der Schwälbchen Molkerei AG. Bild: Helmut Fricke

Seit zehn Jahren leitet Günter Berz-List die Molkerei Schwälbchen. Vor allem mit der „grünen Linie“ verdient das Unternehmen gutes Geld und macht nach schwachen Jahren auch wieder Gewinn.

          Die Aussicht auf eines der besten Geschäftsjahre, ein Plus von 45 Prozent für die Aktie des eigenen Unternehmens an der Börse binnen Jahresfrist und ein deutlich abgeschwächter Preisdruck seitens des Lebensmittelhandels: kein Wunder, dass Günter Berz-List in diesen Tagen zuversichtlich wirkt. „Gut“ antwortet der Chef der Schwälbchen Molkerei AG knapp und lächelnd auf die Frage, wie es ihm und seiner Firma gehe - und setzt noch ein Ausrufezeichen dahinter. Das gute Umfeld mit hohen Preisen für Milchprodukte, die auch auf Schwälbchen ausstrahlende starke Nachfrage aus dem Ausland und erfreuliche Geschäftszahlen als Zeichen für einen gelungenen Umbau des Unternehmens wirken fast wie von Berz-List bestellt. Denn der 47 Jahre alte geschäftsführende Gesellschafter steht nunmehr seit zehn Jahren an der Spitze des Mittelständlers mit Sitz in Bad Schwalbach.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Kaufmann mit den strahlend blauen Augen bekleidet ein Amt, das zuvor sein Vater innehatte. Doch so mir nichts, dir nichts ist Berz-List nicht Alleinvorstand geworden. Zwar stieg er gleich nach Abschluss des Betriebswirtschafts-Studiums an der Universität des Saarlands in die Molkereibranche ein. Aber nicht in Hessen. Er fing vielmehr 1995 beim Branchenriesen Weihenstephaner in Freising an. Dort wohnte der passionierte Langstreckenläufer anfangs auch, lebte jedoch vom zweiten Jahr an in München. Seine Zeit als Assistent der Geschäftsführung bezeichnet er als lehrreiche Jahre. Es sei wichtig, von zu Hause zumindest für eine Zeit wegzugehen und ein Leben ohne die Eltern zu führen. „Das sage ich heute auch jungen Leuten bei uns oder Söhnen von Bauern, die überlegen, was sie machen sollen.“

          Markenzeichen „grüne Milch“

          1998 kehrte Berz-List junior dann in den Untertaunus zurück und diente seinem Vater, dem Chef, als Assistent. „Also als Mädchen für alles“, wie der Sohn rückblickend sagt. Auf diese Weise lernte er den Betrieb an der Bahnhofstraße in Bad Schwalbach kennen, dessen Gebäude wegen der grüngestrichenen Fassade weithin sichtbar sind. In jener Zeit führte der Mittelständler auch seine in grüne Becher und Tetra-Paks verpackten Produkte auf dem Markt ein. Die „grüne Milch“ hat sich längst zum Markenzeichen entwickelt. Seit dem Einzug von Günter Berz-List in den Vorstand im Jahr 2003 hat das Unternehmen eine ganze Produktpalette in Grün in die Kühlregale gebracht, zuletzt Fruchtquark-Sorten.

          Auch nimmt der Chef von 400 Mitarbeitern für die Molkerei in Anspruch, durch die Einführung von Spundekäs’ in Form von Streichrahm diese traditionelle Frischkäsespezialität vor zehn Jahren zumindest im Rheingau wiederbelebt zu haben. Zuvor sei sie in vielen Gaststätten nicht mehr angeboten worden. „Mittlerweile findet sich Spundekäs’ sogar in der gehobenen Gastronomie“, sagt der Vater dreier Kinder.

          Wirtschaftlich wieder im Aufwind

          Das mag auch an der zunehmenden Beliebtheit von Erzeugnissen aus der Region liegen, die auch Schwälbchen zupasskommt. Mittlerweile steht die grüne Linie, bei der Berz-List deutlich auf die regionale Herkunft verweist, für die Hälfte des Umsatzes der Molkerei. Das ist schon deshalb wirtschaftlich gut, weil Schwälbchen mit der grünen Linie mehr Geld verdient als mit anderem Joghurt und anderer Milch, die die Molkerei unter Eigenmarken von Lebensmittelhändlern wie Edeka und Rewe vertreibt.

          Das spiegelt sich in den Geschäftszahlen wider. Obwohl der Molkereiumsatz nach den gerade ermittelten vorläufigen Zahlen im ersten Halbjahr mit 56,6 Millionen Euro kaum höher lag als vor Jahresfrist, steht unter dem Strich nach einem Verlust vor einem Jahr nun ein Gewinn von 1,3 Millionen Euro, wie Berz-List berichtet. Nach drei verlustreichen Jahren und der schmerzhaften Schließung der Standorte Marburg und Wernigerode könnte es erstmals seit 2010 wieder eine Dividende geben. Den Aufstieg aus der Talsohle will Berz-List, der stets mit Anzug und Krawatte auftritt, als ein Gemeinschaftswerk verstanden wissen: „Das ist hier keine One-Man-Show, ich habe eine tolle Mannschaft.“


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