https://www.faz.net/-gzg-6wsww

Möglicher Wechsel nach Frankfurt : Helmes hält die Eintracht in Atem

Bei Trainer Felix Magath in Wolfsburg ist Patrick Helmes kein gern gesehener Spieler mehr. Bild: dapd

Manager Hübner kämpft um die Verpflichtung des früheren Nationalstürmers, aber der Aufsichtsrat ist über das Prozedere der Annäherung zwischen Klub und Spieler nicht glücklich.

          3 Min.

          Es herrscht Einigkeit: Patrick Helmes will zur Eintracht, und die Eintracht will Patrick Helmes. Der 27 Jahre alte Stürmer, sein Berater Gerd vom Bruch, der Wolfsburger Trainer-Manager Felix Magath und Bruno Hübner, der Sportdirektor der Frankfurter, haben sich in mehreren Gesprächen am Wochenende über die Modalitäten eines Transfers des Profis aus Niedersachsen an den Main verständigt. Was fehlt: Die Zustimmung des Aufsichtsrats der Eintracht Fußball AG, der sich - welch ein Zufall - ausgerechnet an diesem Montag zu einer ersten routinemäßigen Zusammenkunft des neuen Jahres im Leistungszentrum des Vereins am Riederwald trifft.

          Das neun Mitglieder umfassende Kontrollgremium, an dessen Spitze Wilhelm Bender steht, muss bei allen Geschäften, die den Rahmen des ursprünglich genehmigten Budgets sprengen, beziehungsweise bei Deals, die eine Größenordnung von 500.000 Euro übertreffen, satzungsgemäß seine Zustimmung erteilen - oder kann sie dem Vorstand verweigern. Helmes, der beim VfL von Magath wegen „läuferischen Schwächen und mangelnder Bereitschaft zur Abwehrarbeit“, wie es der allmächtige Coach formulierte, aussortiert wurde und der sich momentan nur mit der Bundesligareserve, die in der Regionalliga Nord antritt, trainieren darf, will dem Vernehmen nach lieber heute als morgen seine Unterschrift unter einen Vertrag mit der Eintracht setzen. Vier Bundesligaklubs, die an seinen Diensten ebenfalls interessiert gewesen sein sollen, darunter Hannover96 und der VfB Stuttgart, erteilte er nach Informationen dieser Zeitung am Samstag eine (vorläufige) Absage.

          Drei Tore in 14 Partien

          Hübner, der erst am Mittwoch dem Team ins Trainingslager nachfolgen wird (wenn möglich mit Helmes an seiner Seite), hegt die Hoffnung, dass das letzte fehlende Detail diesen für momentane Eintracht-Verhältnisse spektakulären Wechsels nicht mehr gefährden wird. Sicher sein kann er sich nicht. Denn einige Herren des Aufsichtsrats sind alles andere als erfreut gewesen, dass sie aus den Medien über Hübners Absichten erfuhren. Die Räte, die allesamt hohe Positionen in Politik oder Wirtschaft begleiten, verstehen sich nicht als „Abnickergremium“, hieß es. Sie haltem dem Manager vor, dass er - anders als sein Vorgänger Heribert Bruchhagen - bei solch einem auch finanziell sensiblen Geschäft, das mehrere Millionen Euro kostet, frühzeitig dem Aufsichtsrat zumindest ein Signal hätte geben müssen. Auch wenn er keiner offiziellen Berichtspflicht unterliegt. Außerdem gibt es Stimmen, die darauf hinweisen, dass der Kader ja bereits mehr als dreißig Spieler umfasse, dass der frühere Nationalspieler Helmes sicher kein Geringverdiener sei und sich der Verlust am Ende dieser Saison schon jetzt auf mindestens fünf Millionen Euro belaufen werde. Schlimmstenfalls sogar deutlich mehr - ohne Aussicht auf garantierten Erfolg. Andererseits gibt es den wohl mehrheitsfähigen Eindruck, dass eine Verpflichtung die Chancen auf den direkten Wiederaufstieg deutlich steigern könnte und ein Verpassen des Saisonziels ein ungleich größeres finanzielles Fiasko nach sich ziehen würde.

          Hübner, der die vergangenen 48 Stunden für ein offizielles Statement nicht zur Verfügung stand, versuchte sich zuletzt hauptsächlich im internen Glätten der Wogen und argumentierte dem Vernehmen nach, dass er seine Hauptaufgabe bis zur entscheidenden Abstimmung am Montagabend nun darin sehe, allen Beteiligten klar zu machen, welche Chancen sich mit dem Anheuern des Spielers auftäten. Der Angreifer wurde in dieser Runde beim VfL Wolfsburg in 14 Partien berücksichtigt. Hauptsächlich als Ein- oder Auswechselspieler. Er erzielte dabei drei Tore. Dem Meister des Jahres 2009 hatte er sich vor zwölf Monaten angeschlossen, als er mit seinem Dasein als Reservist in Leverkusen unzufrieden war. Zuvor gehörte er beim 1. FC Köln zu den unbestrittenen Führungsfiguren, unter anderem als Kapitän, und schoss den Klub 2008 mit 17 Treffern in die Bundesliga zurück. Um sich ihn leisten zu können, sondiert Hübner die Nachfrage nach Eintrachtspielern im Winterschlussverkauf, wobei es Indizien gibt, dass Interessenten für die (teuren) Bankdrücker Bellaid, Tzavellas und Caio vorhanden sind. Für den französischen Innenverteidiger, den griechischen Abwehrmann und den brasilianischen Offensivartisten sollen zumindest lose Anfragen aus ihren Heimatländern vorliegen.

          Der Auftakt des Trainingslagers in Qatar gestaltete sich derweil holprig. Zunächst traf ein Teil des Gepäcks der 45-Mann-Reisegruppe verspätet ein, dann entpuppten sich die Bedingungen vor Ort bei 21 Grad als klimatisch gut - aber ansonsten deutlich verbesserungswürdig: Der dem Fünfsternehotel angeschlossene Sportkomplex war übers Wochenende wegen eines internationalen U-17-Turniers für die Eintracht nicht zugänglich. Spieler und Betreuer wurden daraufhin mit dem Bus durch die Hauptstadt Doha kutschiert und landeten auf einem Bolzplatz, der den Ansprüchen des Trainers nicht im Ansatz genügte. Armin Veh sprach von einer „absoluten Katastrophe“, blies die nachmittägliche Ballstunde ab und schickte seine Leute zum Laufen. Er beauftragte Lizenzspielerleiter Rainer Falkenhain, umgehend für Abhilfe zu sorgen, „sonst haben wir morgen hier ein echtes Problem“. Testspielgegner sind auch noch nicht gefunden. Mindestens zwei Spiele schweben Veh vor. Im Gespräch sind Partien mit der schwedischen Nationalelf und Schachtar Donezk. Vielleicht gibt Helmes schon bei einer davon sein Eintracht-Debüt.

          Weitere Themen

          Wie das Essen für Astronauten entsteht Video-Seite öffnen

          Space Food : Wie das Essen für Astronauten entsteht

          Wenn der deutsche Astronaut Matthias Maurer Ende 2021 zur Internationalen Raumstation ISS aufbricht, ist seine Verpflegung schon dort. Zubereitet wird das Weltraumessen von einem Team des Luftfahrt-Caterers LSG. Und das ist eine besondere Herausforderung.

          Topmeldungen

          Eine Mitarbeiterin mit Mund-Nasen-Schutz bereitet eine Corona-Impfung vor.

          Corona-Pandemie : Impfnationalismus führt nirgendwohin

          Die EU will den Export von Impfstoff in Drittstaaten künftig kontrollieren. Offensichtlich wächst die Angst vor dem Kontrollverlust, weil sich das Virus nicht in den Griff bekommen lässt.
          Hans-Georg Maaßen im Oktober 2020 in Berlin

          AfD-Klage : Maaßen will Schaden von Verfahren abwenden

          Nach mehr als einem Jahr fällt der Kanzlei Höcker ein möglicher Interessenkonflikt ihres Beraters Hans-Georg Maaßen auf. Es geht um die Vertretung der AfD. Der frühere Verfassungsschutzpräsident zieht sich zurück.

          Bidens Kabinett : Kein Zurück zu 2016

          Das Kabinett des neuen Präsidenten ist ein politisches Signal. Doch auch wenn sich viele bekannte Gesichter darunter finden: Die Präsidentschaft Bidens kann keine dritte Amtszeit Obamas werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.