https://www.faz.net/-gzg-78ath

Mögliche Gebührenerhöhung : Parkhäuser sollen höheren Ertrag abwerfen

Tiefgarage unter dem Messeturm. Sie wird von Apcoa betrieben, einem Unternehmen, das die Rendite steigern will. Bild: von Siebenthal, Jakob

Parken im Parkhaus? Schon jetzt ein teures Vergnügen, wird jeder Autofahrer sagen. Dennoch wird heftig über noch höhere Parkhausgebühren nachgedacht.

          4 Min.

          Wer sein Auto in der Innenstadt Wiens eine Stunde im Parkhaus abstellt, zahlt vier Euro. In Amsterdam sind fünf Euro fällig, in London umgerechnet mehr als sieben. Und in Deutschland? Nicht annähernd so viel. In München am Marienplatz, in Berlin an der Friedrichstraße - selbst in diesen Top-Lagen werden nicht mehr als drei Euro die Stunde verlangt. In der Frankfurter Innenstadt kommt man sogar mit zwei Euro hin, im Parkhaus Hauptwache ebenso wie unter dem Goetheplatz oder im Parkhaus Börse.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Aber das muss nicht so bleiben. Beim Stuttgarter Parkhausbetreiber Apcoa, der im Rhein-Main-Gebiet stark vertreten ist, sinniert das Management, ob es nicht an der Zeit sei, die Parkgebühren in Deutschland auf europäisches Niveau zu heben. So hat es Ralf Bender, Vorsitzender der Geschäftsführung, in den vergangenen Monaten mehrfach gesagt. Und gab sich sicher, dass die Menschen trotzdem ihre Autos in Parkhäusern und Tiefgaragen abstellen würden.

          Die Lage ist entscheidend

          Drastische Preiserhöhungen für Autofahrer? Ein heikles Thema. Und so beeilt man sich denn auch in der Unternehmenszentrale herauszustreichen, es sei noch nichts entschieden, man müsse sich natürlich nach dem Umfeld richten. Aber richtig sei schon, dass gerade auch das Parken in den Frankfurter Apcoa-Anlagen vergleichsweise billig sei.

          Der gemeine Autofahrer sucht sich ein Parkhaus nach der Lage und nicht nach dem Betreiber aus, aber wer sich mit der Branche befasst, erkennt rasch, dass dort ein beachtlicher Wettbewerb tobt. Wie nicht selten ist es auch ein ungleicher Kampf zwischen öffentlichen und privaten Unternehmen. In Frankfurt etwa dominieren, wenn man einmal den Flughafen als eigenständigen Markt außen vor lässt, zwei Betriebe: einerseits eben Apcoa, andererseits die städtische Parkhaus-Betriebsgesellschaft. Sie betreibt die zentralen Häuser Hauptwache, Goetheplatz und Börse, insgesamt ungefähr zwei Dutzend. Apcoa unterhält vorwiegend Tiefgaragen, etwa unter dem Einkaufszentrum My Zeil, unter dem Hotel Intercontinental und unter dem Messeturm, aber auch das Parkhaus vor der Universitätsklinik.

          „Zur Innenstadt-Belebung beitragen“

          Schon jetzt fallen die Gebühren beider Unternehmen deutlich auseinander. Die städtische Gesellschaft verlangt für eine Stunde maximal zwei Euro, oft aber auch nur 1,50 Euro. Apcoa hingegen nimmt gerne 2,90 Euro, für die Tiefgarage unter My Zeil hingegen 70 Cent weniger, vielleicht wegen der Nähe zu den städtischen Betrieben, vielleicht auch, weil die Auslastung dieser Anlage wohl noch immer verbesserungsbedürftig ist.

          Jedenfalls stoßen mit den beiden Unternehmen zwei Geschäftsmodelle aufeinander. Hans-Peter Ruppert, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft, sagt, es gehe nicht um maximale Einnahmen: „Wir wollen ja etwas zur Innenstadt-Belebung beitragen.“ Und so hat die GmbH die Preise bei einigen Parkhäusern seit 1994 nicht erhöht, nicht einmal die Heraufsetzung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent wurde an die Kundschaft weitergegeben. Lediglich bei den Parkhäusern, bei denen eine Stunde jetzt zwei Euro kostet, wurden die Tarife seitdem einmal heraufgesetzt, aber das wurde den Autofahrern mit der Einführung eines Kurzzeittarifs versüßt - 30 Minuten für einen Euro. Aber auch das ist acht Jahre her.

          Weitere Themen

          Merhaba!

          Heute in Rhein-Main : Merhaba!

          Die Hessische Landesregierung hat sich gegen Türkisch als dritte Fremdsprache entschieden. Der Skandal rund um das SEK der Frankfurter Polizei wird immer größer. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Impfung im Ballsaal

          Jumeirah-Hotel : Impfung im Ballsaal

          Große Unternehmen haben eigene Impfzentren, doch was machen kleinere? In einem Frankfurter Hotel gibt es ein Angebot. Im Ballsaal des Jumeirah-Hotels wird derzeit nicht getanzt, sondern geimpft.

          Topmeldungen

          Vorbild für Moskau: Ein Mann lässt sich in der russischen Hauptstadt am Donnerstag mit dem Vakzin Sputnik V impfen

          Impfen in Russland : Moskau prescht mit Pflichtimpfung vor

          Moskaus Bürgermeister und drei weitere russische Regionen verpflichten Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter gegen das Coronavirus zu impfen. Der Kreml hingegen zögert angesichts der Impfunwilligkeit der Russen.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.