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Helaba und Deka : Die andere Bankenfusion

Könnten auch unter ein Dach schlüpfen: Helaba und Deka Bild: Paul Langrock/Zenit/laif

Die Diskussion um Deutsche Bank und Commerzbank sollte nicht vergessen machen, dass in Frankfurt noch über andere Fusionen nachgedacht wird. Darum ging es gestern bei der Pressekonferenz der Helaba.

          Für diese Frage hatte sich Herbert Grüntker offensichtlich einen Zettel mit zwei Sätzen zurechtgelegt. „Sie wissen doch, dass ich zu Wettbewerbern grundsätzlich keine Stellungnahme abgebe“, stand darauf und: „Aber ich habe hohen Respekt vor der Aufgabe, die sich den handelnden Personen stellt.“ Warum ging es? Klar, bei der Bilanz-Pressekonferenz der Landesbank Hessen-Thüringen gestern in Frankfurt hatten die Journalisten den Vorstandsvorsitzenden des Hauses nach der Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank gefragt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Bei einem anderen Thema kam Grüntker nicht so einfach davon, und deshalb sprach er es auch gleich selbst an. Denn wenn auch das Zusammengehen der letzten beiden privaten Großbanken derzeit die Öffentlichkeit mehr als alles andere am Finanzplatz bewegt – weiterhin steht auch eine andere Bankenfusion im Raum. Wird sich die Landschaft der Landesbanken, überhaupt der von den Sparkassen und Ländern Deutschlands getragenen Kreditinstitute, weiter konsolidieren? Im Herbst war die Hoffnung groß, als es eine Zeitlang so aussah, als könne die Helaba, nachdem sie vor einigen Jahren schon die Reste der WestLB übernommen hatte, auch noch die Geschäfte der NordLB mit Sitz in Hannover fortführen. Doch die dortigen Sparkassen wollten sich nicht auf das Geschäftsmodell der Helaba einlassen, das eine enge Zusammenarbeit mit diesen öffentlich-rechtlichen Häusern vorsieht.

          „Koalition der Willigen“

          Grüntker begründete gestern noch einmal, warum seine Bank seinerzeit eine unverbindliche Offerte abgegeben habe: Weil eine Beteiligung an der NordLB die Verwaltungskosten gedrückt hätte und die Helaba künftig Verbundbank für mehr als die Hälfe der deutschen Sparkassen geworden wäre; schon jetzt übernimmt das Frankfurter Haus diese Aufgabe für vier Zehntel der Kreditinstitute.

          Auch wenn daraus wohl nun nichts wird, hält die Diskussion um ein Zusammengehen verschiedener Häuser an. Anfang des Monats hatte Gerhard Grandke, der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen, Sympathie für einen Zusammenschluss der Helaba mit dem nur wenige hundert Meter weiter residierenden Fondsanbieter Deka und dem Immobilienfinanzierer Berlin Hyp erkennen lassen. Wenn nicht alle mitmachen wollten, solle sich doch eine „Koalition der Willigen“ finden, die einen solchen Zusammenschluss vorantreibe.

          Wunsch nach hohem Anteil nachvollziehbar

          Grüntker wählte gestern etwas andere Worte, meinte aber das Gleiche. Er forderte eine „initiale Charmeoffensive“, womit er offensichtlich ebenso wie vordem Grandke auf Helmut Schleweis, den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, zielte, der den ersten Schritt gehen sollte. Schleweiß, sitzt den Aufsichtsgremien der Deka wie der Berlin Hyp vor. Der Helaba-Chef zeigte auch einen Weg auf, wie es weitergehen könnte: Zunächst müsse über das Geschäftsmodell eines größeren Hauses geredet werden, dann über die Frage, wer dessen Träger werde. „Nur wenn es hierzu klare Vorstellungen und Opportunitäten gibt, kann die Konsolidierung der Landesbanken erfolgreich sein.“ Der Wunsch der Sparkassen, einen hohen Anteil zu halten, sei jedenfalls nachvollziehbar.

          Der Unterschied zu der Bankenfusion, über die in Frankfurt gegenwärtig weitaus mehr geredet wird, liegt darin, dass niemand auf die Idee käme, die Helaba als „lahm“ zu bezeichnen, wie es bei der Deutschen Bank und der Commerzbank gerne gemacht wird. Das Kreditinstitut erwirtschaftete 2018 mit 6127 Mitarbeitern ein Ergebnis von 278 Millionen Euro nach 256 Millionen im Jahr zuvor, die wichtigsten Beiträge zum Gewinn haben sich kaum verändert. Ertragsbringer Nummer eins war wiederum das Immobiliengeschäft, gefolgt von dem bunten Strauß an Tochtergesellschaften, die im Bankerdeutsch unter „Retail & Asset Management“ zusammengefasst werden. Das sind etwa die Frankfurter Sparkasse, die nächsten Dienstag detaillierte Zahlen vorlegt, und die auf vermögende Privatkunden spezialisierte Frankfurter Bankgesellschaft.

          Während es bei diesem kleinen Haus auf Nachfrage hieß, liefere einen stabilen Ergebnisbeitrag, mochte sich der Vorstand der Helaba bei der Landesbausparkasse nicht zu solch einer Auskunft durchringen; es hieß es lediglich, diese sei bei ihrem Effizienzsteigerungs-Programm gut im Plan und habe sich 2018 „vernünftig geschlagen“. Vor Jahresfrist hatte sich Grüntker klarer geäußert, als er berichtet hatte, die Landesbausparkasse habe 2017 mit roten Zahlen abgeschlossen. Und er hatte auch wenig Hoffnung gemacht, dass sich dies rasch ändern könne, denn es hieß, sie solle bei einem „Normal-Zinsniveau“ wieder einen Ergebnisbeitrag liefern – doch von einem solchen Zinsniveau ist die Branche so weit entfernt wie vor zwölf Monaten.

          Für das laufende Jahr erwartet Grüntker ein Ergebnis ungefähr in der Höhe wie 2018. Mal sehen, zu welchem Thema, auf das heute noch niemand kommt, er sich im März 2020 ein oder zwei Sätze zurechtlegen muss.

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