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Mobbingvorwürfe im Theater Darmstadt : Trotz Affäre: Dew und Trinks bleiben im Amt

Mobbingvorwürfe am Staatstheater Darmstadt. Bild: dpa

Intendant John Dew und Generalmusikdirektor Constantin Trinks sollen weiterhin gemeinsam am Staatstheater Darmstadt arbeiten. Aktueller Anlass des Zerwürfnisses von Dew und Trinks sind Mobbing-Vorwürfe.

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          Intendant John Dew und Generalmusikdirektor Constantin Trinks sollen weiterhin gemeinsam am Staatstheater Darmstadt arbeiten. Voraussetzung ist, dass beide ihre noch bis August 2014 laufenden Verträge einhalten. Dies haben am Dienstag die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), und der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) mitgeteilt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Aktueller Anlass des Zerwürfnisses von Dew und Trinks sind Mobbing-Vorwürfe im Zusammenhang mit der Besetzung von Alexandra Lubchansky, der Lebensgefährtin Trinks’, als „Lucia di Lammermoor“. Nun soll der Kulturpolitiker Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff von 21.Dezember an als „neutraler Aufklärer“ wirken. Frühere Vorfälle unter der Leitung Dews, von denen in den vergangenen Wochen die Rede war, sollen dabei keine Rolle spielen.

          In Theatern kämen private Verbidnungen häufig vor

          Vorausgegangen war der Erklärung der beiden Träger des Hauses gestern Morgen eine Personalversammlung des Staatstheaters, die Partsch als „sehr aufwühlend und also notwendig“ beschrieb. Ihr waren sowohl Dew als auch Trinks ferngeblieben. Mitarbeiter, so berichtete Partsch, hätten applaudiert, als er und die Ministerin versprachen, wieder nach dem Rechten zu sehen: „Es ist bedrückend, wenn Leute sagen, sie fühlten sich wie in einem totalitären System.“ Die Mitarbeiter hätten die Versicherung erhalten, alle Wortmeldungen, auch anonyme, würden von nun an berücksichtigt und vertraulich behandelt. Das Versprechen der Ministerin, Beschäftigungsverhältnisse von Angehörigen der Theaterleitung besonders genau zu beobachten, soll beklatscht worden sein.

          In Dews verlängertem Dienstvertrag, so wurde am Dienstag bekannt, schreibt eine Klausel vor, jede Besetzung von Rollen mit nahen Angehörigen des Intendanten müsse der Rechtsträger genehmigen. Der Anlass hierfür datiere schon aus dem Jahr 2008, ähnliche Regelungen gebe es auch für die anderen hessischen Intendanten, sagte Kühne-Hörmann. Doch wolle sie „darüber nachdenken, eine Änderung herbeizuführen“, obwohl gerade in Theatern private Verbindungen häufig vorkämen.

          Auch Trinks wirft das Ministerium Versäumnisse vor

          Im Fall der Besetzung des Loge im „Rheingold“ mit seinem Ehemann Sven Ehrke hatte Dew eben diese Genehmigung nicht eingeholt, so die Ministerin - als Trinks aus künstlerischen Gründen seine Zustimmung zu Ehrke verweigerte, soll Dew mit dem Versuch der Kündigung Lubchanskys und später mit Mobbing reagiert haben. In einer Erklärung vom 29.November, die erst gestern öffentlich gemacht wurde, führte Dew finanzielle Gründe für den Versuch der Kündigung Lubchanskys ins Feld. Dem Vernehmen nach bezeichnet Trinks dies weiterhin als Lüge. Doch hätten beide, so Kühne-Hörmann gestern, zugesichert, zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bereit zu sein. Dienstbesprechungen in kleiner Runde seien schon im September eingeführt worden, einem Mediationsverfahren hat Dew in seiner Erklärung zugestimmt. „Wir wollen Herrn Dew und Herrn Trinks in die Verantwortung nehmen. Aber es gibt auch eine Grenze des Versuchs zum Dialog“, sagte Partsch. Das Theater dürfe nicht beschädigt werden, vor allem nicht durch weitere Vorfälle: „Es gibt Vorwürfe von Androhungen von Repressalien und Entlassung wegen missliebiger Äußerungen.“

          Auch Trinks wirft das Ministerium Versäumnisse vor: Er habe Gastdirigate angenommen, die nicht mit seiner Residenzpflicht in Darmstadt zu vereinbaren seien. Dies wird von Ulrich Schwab, der als Anwalt auch Lubchansky berät, bestritten: Nach einem Gespräch im Ministerium habe es geheißen, die ohnehin schon gestatteten Urlaube bedürften lediglich einer Vertragsanpassung.

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