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Mittelständler Arnold AG : „Bei uns muss jeder wissen, wie Metall riecht“

Kunstsinnig: Uwe Arnold, Vorstandschef und Gesellschafter der Arnold AG aus Friedrichsdorf Bild: Frank Röth

Die Arnold AG aus Friedrichsdorf fertigt Werke internationaler Künstler wie Jeff Koons oder Damien Hirst - aber auch komplizierte Bauten in der Industrie. Und noch etwas anderes macht die Firma außergewöhnlich.

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          Sie lernt Kauffrau - gleichwohl fand sich die junge Frau bei ihrem Arbeitgeber zuerst an der Werkbank wieder. Mit der Feile bearbeitete sie allerlei Metallteile. Ihr Chef verfährt mit Neuankömmlingen in seinem Betrieb bewusst auf diese Weise: „Bei uns muss jeder durch eine praktische Grundausbildung - es wird gefeilt, gesägt und gebogen“, sagt Uwe Arnold, Vorstandsvorsitzender und Gesellschafter der Arnold AG aus Friedrichsdorf im Taunus. Sein Anspruch lautet: „Bei uns muss jeder wissen, wie Metall riecht“ - und wie die Luft in der Werkstatt schmeckt. Metallbearbeitung als sinnliches Ereignis: Die eigene Erfahrung mit dem Werkstoff soll das Verständnis darüber fördern, was im Produktionsprozess damit so alles passiert. Und bei Arnold passiert eine Menge.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vielfalt bezeichnet Uwe Arnold als große Stärke seines Unternehmens. Die Hessen arbeiten im Industriegeschäft für Maschinenbauer, ebenso für Medizintechnik-Hersteller, sie statten im Objektgeschäft Lobbys mit Einrichtungsgegenständen aus Metall aus und Flughäfen mit Werbeträgern und Schaltersystemen. Sie legen Hand an Jachten und fertigen Skulpturen, Restauration inklusive. Als Kernaktivität nennt Uwe Arnold Metall - was immer die Mitarbeiter herstellten, es solle etwas mit diesem Werkstoff zu tun haben.

          Intelligente, ganz besondere Lösungen

          Der kunstsinnige Chef, der mit Künstlern wie Jeff Koons und Damien Hirst sowie allerlei Architekten zusammenarbeitet, legt viel Herzblut in sein Metier. „In jeder Schweißnaht, jedem präzise gebogenen Blech, jeder parametrischen Planung, in Gehäusen, in der Medizintechnik und in der Kunst steckt unser Anspruch, mit Metall Erlebnisse zu schaffen“, heißt es. Oder auch: „Chassis- und Gehäusebau ist genauso eine Herzensangelegenheit, wie es hochglanz-spiegellackierte Metallobjekte nationaler und internationaler Künstler sind.“ Derart leidenschaftlich geben sich Metallbauer normalerweise nicht.

          Dieses Konzept verbindet das Unternehmen seit 2015 mit seiner neuen Marke „Metalligent“. Intelligente, ganz besondere Lösungen aus Metall, kann das übersetzt heißen. Die erste Selbstbeschreibung aus dem Jahr 1988 klang da noch nüchterner. „Arnold, stark im Metall“, lautete die damals ausgerufene Losung für Mitarbeiter und Kunden. Doch auch mit dem nüchternen Motto im Rücken machte sich das Unternehmen, das mittlerweile eine Tochterfirma in Thüringen hatte, als Hersteller anspruchsvoller Skulpturen einen Namen: Vor der Jahrtausendwende erhielt Arnold den Auftrag, für den amerikanischen Künstler Jeff Koons die erste „Balloon Flower“ zu fertigen - jene ballonartigen, farbenfrohen Edelstahl-Skulpturen, die für Verkaufspreise weit jenseits der 10-Millionen-Dollar-Grenze gut sind. Schweißroboter und eine Laser-Stanz-Kombination gehörten da längst zur technischen Ausstattung. Die Bilanz in der Zusammenarbeit mit Stars der internationalen Kunst-Szene ist imposant: Allein für Jeff Koons, der als einer der teuersten lebenden Künstler gilt, hat Arnold bisher mehr als 130 Skulpturen gefertigt.

          Losgröße 1 gerne genommen

          Das alles neben dem klassischen Industriegeschäft, in dem sich der Mittelständler im harten internationalen Wettbewerb behaupten muss. Wie will er hier punkten? „Mit Innovation“, sagt Uwe Arnold. So bieten die Friedrichstädter Workshops für ihre Kunden an. „Wir wollen Wert generieren, indem wir unser Know-how zur Verfügung stellen“, sagt er. An Auktionen im Internet, für die Auftraggeber nur eine Zeichnung online stellen, nehme Arnold dagegen nicht teil - „da können wir unsere Expertise nicht ausspielen“. Dagegen schätze das Unternehmen kleine Stückzahlen und hohe Komplexität. Geht es um wenige Teile, sieht sich Arnold mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit vielen Konkurrenten voraus. Deshalb nehme es die Losgröße 1 gerne und oft an. „Wir wollen diese Stückzahl wirtschaftlich produzieren“, sagt er.

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