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Mittelalterverein in Hessen : Bogenschützen und Schwertkämpfer

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Nimm dies: Im Hirschgraben vor dem Jerusalemer Tor wird in Büdingen einiges ausgefochten. Bild: Rainer Wohlfahrt

In der Wetterau kümmert sich ein Verein um ein „Lebendiges Mittelalter“. Faktentreue ist nicht so wichtig. Etwas anderes steht im Vordergrund.

          Ritter hoch zu Ross und zu Fuß, Bogenschützen, Burgfräuleins und Mägde, Tänzer und Gaukler – der Büdinger Förderverein „Lebendiges Mittelalter“ hat viel zu bieten. Die Betonung im Namen liegt auf „lebendig“. Denn es geht nicht um wissenschaftliche Korrektheit, sondern um Spaß an der Sache. Die etwa 130 Mitglieder stecken viel Engagement in ihr aufwendiges Hobby.

          Die Bogenschützen, die Danze-Liut und die Schwertkämpfer, die sich humorvoll „Is nur’n Kratzer“ nennen, bilden die drei Säulen des 2003 gegründeten Vereins. Darüber hinaus kann jeder eine neue Gruppe aufmachen, falls er genug Mitstreiter findet.

          „Schwertkampf ist auch Anti-Aggressionstraining“

          Historisch betrachtet, umfasste das Mittelalter die Periode zwischen Antike und Neuzeit. Je nach Betrachtung liegt es ungefähr in der Zeit zwischen dem sechsten und dem fünfzehnten Jahrhundert in Europa, manche lassen es auch erst im achten Jahrhundert beginnen. Doch mit solchen Daten nehmen es die Büdinger nicht so genau. Auch eine Mongolin und eine ebenfalls aus Asien stammende Awarin in verwegener Lederrüstung gehören zu den Kämpfern. Evgenia Krymchanska ist über das Florettfechten in den Verein gekommen. Mittlerweile konzentriert sie sich als adelige Dame auf das Theatralische. Ihr wunderschönes Gewand hat sie selbst genäht.

          „Schwertkampf ist auch Anti-Aggressionstraining“, sagt der Vorsitzende Marko Appel. „Wenn man fünf Minuten lang aufeinander eingedroschen hat, ist man fix und fertig.“ Er ist einer der wenigen, die ein Pferd besitzen. Einen Großteil seiner Rüstung hat er selbst gefertigt. „Anfangs habe ich mir ein fertiges Kettenhemd und Handschuhe gekauft. Aber dann merkte ich schnell, dass solche Dinge individuell passen müssen. Entweder man lässt Maßanfertigungen von Spezialisten herstellen. Das ist sehr teuer. Oder man legt selbst Hand an.“ Einige Mitglieder haben sogar einen Schmiedekurs belegt und ihre Schwerter anschließend geschmiedet.

          Repertoire aus Schaukämpfen, Mitmachaktionen für Kinder und Vollkontakt

          Im Sommer treffen sich bis zu 20 Schwertkämpfer dienstags um 20 Uhr im Hirschgraben vor dem Jerusalemer Tor in Büdingen. Im Winter wird das Training in zweiwöchigem Wechsel in die Turnhalle der Stadtschule in Büdingen und in die Reithalle auf dem Rosenhof verlagert. Die Gruppe „Is nur’n Kratzer“ bietet auf Mittelalter- und Weihnachtsmärkten ein Repertoire aus Schaukämpfen, Mitmachaktionen für Kinder und Vollkontakt. In der Vergangenheit waren Büdinger Schwertkämpfer sogar bei Welt- und Europameisterschaften erfolgreich. Doch das wurde auf Dauer zu aufwendig.

          Defensiv: Fußgänger scheinen es schon im Mittelalter nicht leicht gehabt zu haben.

          Die Bogenschützen sind eine Kooperation mit der Büdinger Schützengesellschaft eingegangen und haben auf deren Gelände eine Schießbahn eingerichtet, die Anfang Juni 2018 eröffnet worden ist. Trainiert wird sonntags, Anfängern wird die Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Bei den Danze-Liut tummeln sich donnerstags mehr als 100 Mittelalterfans, überwiegend Frauen. Ihre Tänze erzählen Geschichten. Häufig werden sie gebucht für Märkte, Jubiläen, Kulturevents und Privatfeste.

          Gemeinschaft und Toleranz

          In den vergangenen zwei Jahren, so lange ist Marko Appel Vorsitzender, ist vieles zusammengewachsen. Vorher wurstelte jede Gruppe vor sich hin, jetzt greift alles ineinander. Viele Vereinsmitglieder machen in mehreren Gruppen mit. Gemeinschaft und Toleranz sind wichtig. Das muss auch so sein, denn wenn die Büdinger ihr Lager bei einem Markt aufschlagen, ist das wie ein Wochenendurlaub. Die Teilnehmer leben eng zusammen. Bastler jeder Art können sich im Mittelalterverein austoben. Sogar einen Rammbock haben sie gebaut. Wegen seines harten, tor- und mauerbrechenden Schädels wurde er in Anlehnung an den Büdinger Bürgermeister Erich Spamer auf den Namen „Erich“ getauft. Für einen Märchenfilm der ARD, der in Büdingen gedreht wurde, stellte der Verein die Utensilien zur Verfügung, alle zwei Jahre organisiert er gemeinsam mit der Stadt das Mittelalterfest in Büdingen.

          Der Vorsitzende Marko Appel ist offen für neue Ideen. Er könnte sich beispielsweise eine Kochgruppe vorstellen. Der zeitliche Aufwand ist natürlich groß, zumindest für die Hauptakteure. „Aber das ist doch besser, als in die Kneipe zu gehen und Bier zu trinken.“

          Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.mittelalterverein-buedingen.de und unter Tel. 01 71/65 39 3505. Eine Jahresmitgliedschaft kostet zwölf Euro.

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