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„Swing & Ride“ in Darmstadt : Tanzen und Radfahren

  • -Aktualisiert am

Selbstgebaut: Der Leipziger Frank Patitz begleitet die Radtour durch Darmstadt mit seinem Schallplattenfahrrad. Bild: Michael Kretzer

Bei der Veranstaltung „Swing & Ride“ werden in Darmstadt schöne Plätze mit dem Rad angefahren. Dort wird dann zu Swing-Musik getanzt, die vom Schallplattenfahrrad kommt.

          Ein großer Kreis hat sich auf dem sonnigen Platz vor der Darmstädter Centralstation um die Tanzlehrer Miriam und Urs von den „Balboa Heinern“ gebildet. Sommerlich gekleidet mit meist festem Schuhwerk, geht es für die Gruppe erst einmal darum, sich „einzubouncen“: Locker wippend laufen sie dafür im Kreis, verbinden Schritte nach vorne und nach hinten mit einem „Tap“ und probieren dann alles gemeinsam mit einem Partner aus. Ein paar Stufen oberhalb der Tanzenden legt Frank Patitz die Musik auf seinem Schallplattenfahrrad auf, mit dem er später die Tänzer beim „Swing & Ride“ durch die Stadt begleiten wird. „Lindy-Hop“ wird dann zu seiner Musik an schönen Plätzen der Stadt getanzt.

          Wie Balboa sei Lindy Hop ein Swingtanz, sagt Oskya Ozen, auch Tanzlehrer bei den „Balboa Heinern“. Die Gruppe hat dieses Jahr den ersten Swing-Exchange in Darmstadt als Teil der Feierlichkeiten rund um die Jubiläen mit den Städtepartnerschaften organisiert. Es seien „nicht ganz so viele“ aus den Partnerstädten dabei, dafür aber viele Bürger aus Darmstadt und der Umgebung, sagt Ozen. In Kooperation mit der Kultureinrichtung Centralstation sind mehrere Tage Swing samt Stadterkundung entstanden. So etwa Swing & Ride, das selbst ein Jubiläum feiert: Schon zum fünften Mal veranstaltet die Centralstation die Radtour mit dem Leipziger DJ Patitz.

          „Stadtraum beleben“

          Jedes Jahr werden andere „ungewöhnliche und schöne Plätze“ angefahren, erklärt Eva Arnold, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Centralstation zuständig ist. In der Vergangenheit waren das Plätze vor der Kunsthalle, am Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe, in der Orangerie und auf dem Kantplatz in der Nähe vom Herrngarten. Mit dem Angebot wolle man den „Stadtraum beleben“. Vorab müsse jedoch geklärt werden, wo getanzt werden dürfe. Auch sei die Radtour sehr wetterabhängig.

          Aufwärmen: Teilnehmer der Radtour üben mit Tanzlehrern vor der Centralstation.

          Das zeigt sich auch bei der Jubiläumstour. „Eine Premiere“, sagt Patitz über den Regen, der sie am zweiten Tanz-Stopp am Basketballfeld im Herrngarten überrascht hat. Sein Schallplattenfahrrad – „gefühltes Gewicht 150 Kilogramm“, eine Eigenkonstruktion, an der der Fahrradhersteller immer wieder tüftelt – ist dank grüner Plane trocken geblieben. Das Holzgestell mit zwei Schallplattenspielern, Lautsprechern und haufenweise Kabeln steht geschützt an der Woog’s Jause’n, einem Kiosk am Stadtsee. Inzwischen hat es sich eingeregnet. Nass stehen einige Teilnehmer unter den Dachvorsprüngen und schauen entspannt den anderen zu, die mit einem Lächeln im Gesicht zu Patitz’ Musik tanzen. Immer wieder bilden sich neue Pärchen; Spaziergänger bleiben stehen und schauen zu; ein Vater mit seinen drei Töchtern kommt vorbei und „bounct“ spontan mit.

          Eher ein Kunstprojekt als ein Event

          Für Patitz ist es an diesem Wochenende nicht die einzige Veranstaltung, am Tag darauf wird er in Mainz sein. Übers Jahr verteilt beteiligt er sich an vielen Veranstaltungen, von der Lindy-Hop-Radparade in Leipzig über Vernissagen und Hochzeiten bis zu Demos. „Alles, was draußen stattfindet“, ist möglich, sagt Patitz. Dabei sei es für ihn eher ein Kunstprojekt als ein Event. Eine „Entdeckungsreise mit dem Publikum“, bei der die Stadt auf einer anderen Ebene kennengelernt werden könne und bei der vor allem auch auf die Fahrradkultur aufmerksam gemacht werde, erzählt Patitz, der in Leipzig die Fahrradmanufaktur Retrovelo betreibt.

          Nach einer Weile lässt der Regen nach. Zeit, zusammenzupacken. Ein junger Mann fährt pfeifend im Rhythmus zu „Magic Moments“ von Perry Como auf seinem Rad vor. Wenig später reihen sich die knapp 20 verbliebenen Radfahrer hinter Patitz ein, der wieder die Plane übergeworfen hat und die Musik nun über sein Smartphone laufen lässt. Ehrenamtliche mit gelben Warnwesten begleiten die Gruppe und passen an Kreuzungen und Überquerungen auf. Sie gehören zur Bürgerinitiative Radentscheid, die sich mit einem Bürgerbegehren für sichere und bequeme Radwege im Alltagsverkehr einsetzt.

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