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Neue Direktorin Franzen : Mit Senckenberg ins dritte Jahrhundert

Will die Forschung auch in die Gesellschaft tragen: die neue Senckenberg-Direktorin Franzen Bild: Lucas Bäuml

Brigitte Franzen stellt sich als Direktorin des Senckenberg-Museums in Frankfurt vor. Sie will die Forschung auch in die Gesellschaft tragen. Und kündigt eine Abteilung Natur und Medizin an.

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          Brigitte Franzen schließe bei Senckenberg eine Lücke, die schon länger spürbar gewesen sei, sagt Katrin Böhning-Gaese, Mitglied des Senckenberg-Direktoriums und verantwortlich für das Programm Wissenschaft und Gesellschaft. Mit Franzen, die sich jetzt als neue Direktorin des hiesigen Senckenberg-Museums vorstellte, zieht eine Kunst- und Kulturwissenschaftlerin ins Leitungsteam des Frankfurter Standorts ein. In Zusammenarbeit mit Sozial- und Geisteswissenschaften und der Kunst könne Senckenberg ganzheitlicher in den Austausch und die Kommunikation mit der Gesellschaft eintreten, so Böhning-Gaese weiter.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist auch das Ziel der neuen Direktorin: aktuelle Forschung ins Museum und in die Gesellschaft „mit einer gewissen Dynamik“ hineinzutragen. Franzen, 1966 in Freiburg geboren, hat sowohl Erfahrung im Museumsmanagement als auch als Kuratorin: Von 2009 bis 2015 leitete sie in Aachen das Ludwig Forum für internationale Kunst, davor hatte sie die Skulpturen Projekte Münster 2007 kuratiert, etwa 100 Ausstellungen hat sie bislang verantwortet, in den vergangenen sechs Jahren leitete sie die mit 28 internationalen Partnermuseen vernetzte Peter und Irene Ludwig Stiftung. Nun wechselt sie im Prozess des Umbaus und der Neukonzeption des Senckenberg-Museums nach Frankfurt. Bei ihrer Vorstellung hob Franzen nicht nur ihr gutes Netzwerk in der Museumswelt, auch in Frankfurt, sondern auch ihre Expertise in der Ideengeschichte der Natur im 20. und 21. Jahrhundert hervor. Mit diesem Themenfeld hat sie sich auch als Buchautorin befasst.

          Als Kunstexpertin hervorgetreten

          Nicht erwähnt worden ist bei der digitalen Vorstellung der „prominenten Verstärkung“, wie der stellvertretende Senckenberg-Generaldirektor Andreas Mulch Franzen nannte, dass die bislang als Kunstexpertin hervorgetretene Franzen von Kindesbeinen an einen durchaus engen Bezug zum Haus hat: Ihr Vater Jens Lorenz Franzen war seit 1969 als Paläontologe, später Leiter der Sektion Paläoanthropologie am Frankfurter Senckenberg-Institut tätig und hatte maßgeblich bewirkt, dass die Grube Messel nicht zur Mülldeponie wurde, sondern heute als Weltnaturerbe geschützt ist. Brigitte Franzen ist seit ihrem vierten Lebensjahr in Frankfurt, später im Umland, aufgewachsen, ihr Studium hat sie unter anderem nach Marburg geführt, erste Schritte als Kuratorin hat sie im Museum für Moderne Kunst bei Gründungsdirektor Jean-Christophe Ammann unternommen.

          Das Museum sei, so Franzen, als einer der wenigen Orte in der Gesellschaft zu begreifen, die eine „verbindliche Öffentlichkeit“ in einer diversen Gesellschaft garantierten. „Ein Naturforschungsmuseum ist auch Schaufenster der Interpretationen von Natur.“ Ihre Amtszeit beginnt am 1. Januar. 2021 feiert das Museum seine Gründung vor 200 Jahren, dazu soll es besondere Angebote geben, als Teil der Museumserneuerung soll eine neue Dauerausstellung zum Korallenriff eröffnet werden. Geplant ist gegen Jahresende eine Konferenz zur Rolle des Forschungsmuseums, außerdem sollen einige besondere Objekte als „Werbebotschafter“ im Jubiläumsjahr dienen.

          Für die Neukonzeption des Museums kündigte Franzen eine Abteilung Natur und Medizin an, für die soeben Mittel der Else Kröner-Fresenius-Stiftung eingeworben werden konnten, auch das noch fehlende Kapitel zur Evolution des Menschen solle es geben. In normalen Jahren zählt das Senckenberg-Museum bis zu 600.000 Besucher jährlich. Das Museum, so Andreas Mulch, habe ein „sehr bewegtes Jahr“ hinter sich, in den Monaten der Öffnung sei die Besucherresonanz aber „unglaublich gut“ gewesen.

           

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