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Mit Hilfe der Kinder Oberbürgermeister werden : Vaterglück

Unterwegs in eigener Sache: Michael Paris. Bild: Wonge Bergmann

Vorteil für den Möchtegern-Oberbürgermeister Michael Paris: Seine Tochter Paulina unterstützt ihren Vater im Kampf um das höchste Amt der Stadt.

          Vorteil für den Möchtegern-Oberbürgermeister Michael Paris: Seine Tochter Paulina unterstützt ihren Vater im Kampf um das höchste Amt der Stadt. Für eine Sechzehnjährige ist das nicht selbstverständlich. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen Töchter oder Söhne in juvenilem Protest gegen den Vater sich auf die andere politische Seite geschlagen haben. Paulina dagegen stürzt sich für ihren Vater ins Getümmel. Das ist per se schon einmal lobenswert.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei der Konkurrenz sieht es dagegen nicht so gut aus mit einer Unterstützung durch den Nachwuchs. Die Tochter Peter Feldmanns, des zweiten Bewerbers aus den Reihen der SPD, ist noch viel zu klein, um dem Vater zu helfen. Allenfalls eine passive Unterstützung in Form eines Fotos, welches das innige Verhältnis zwischen Vater und Kind zeigt, wäre denkbar.

          Stimme für jedes Kind?

          Auch die Bewerber aus den Reihen von CDU und Grünen können nicht auf kindliche Beihilfe hoffen. Die Zwillinge von Kämmerer Uwe Becker (CDU) werden sich mit ihren elf Jahren vermutlich noch nicht so richtig für Politik interessieren. Und im Hause Boris Rhein (CDU) sind die beiden Kinder derzeit weder geschäfts- noch politikfähig. Manuela Rottmann, die womöglich für die Grünen in den Ring steigt, bringt ihren Jakob immer noch in den Kindergarten. Das Kleben von Plakaten und Verteilen von Zetteln durch Sohneshand kann sie nicht erwarten.

          Unter Demokratie-Theoretikern und Familienpolitikern gibt es seit geraumer Zeit eine Diskussion darüber, ob man Eltern mit einem höher gewichteten Stimmrecht ausstatten sollte. Ein Modell sieht vor, dass ein Vater oder eine Mutter für jedes ihrer Kinder bei Wahlen eine zusätzliche Stimme abgeben darf. Michael Paris etwa könnte dann bei der Oberbürgermeisterwahl fünfmal bei Michael Paris ein Kreuzchen machen - sofern er es schafft, offizieller SPD-Kandidat zu werden.

          Die Grünen im Nachteil

          Doch würden die vier zusätzlichen Stimmen Paris viel nützen? Entscheidend ist doch, welche Partei besonders fruchtbare Wähler hat. Genaue Zahlen liegen darüber zwar nicht vor, aber unser Gefühl sagt uns, dass die Grünen - die FDP lassen wir einfach mal außen vor - im Nachteil wären, weil sie unter Singles und Homosexuellen überdurchschnittlich viele Stimmen bekommen. Am ehesten könnte ein Wahlrecht in der genannten Art einem CDU-Kandidaten nützen, denn bei den Konservativen soll die Familie ja noch in Ordnung sein. Dagegen wird die SPD protestieren und auf das Proletariat verweisen, dessen Name auf das lateinische proles - Nachkommenschaft - zurückgeht und den Proleten als besonders kinderreich ausweist. Doch erstens kennt das Proletariat mittlerweile auch die Pille und zweitens ist es wahlmüde geworden oder zur Linken übergelaufen.

          Wahrscheinlich wird der Kinderpolitiker Michael Paris jetzt mit folgendem Vorschlag kommen: Bei der Oberbürgermeisterwahl wird jede Stimme, die ein Kandidat erhält, mit der Zahl seiner Kinder multipliziert. Dann hätten Paris und seine SPD eine reelle Chance.

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