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130.000 Fahrzeuge pro Tag : Mit Hightech gegen Staus auf den Autobahnen

  • Aktualisiert am

Gigantisch: Bildwand in der neuen Verkehrszentrale im Holm Bild: dpa

Das Rhein-Main-Gebiet gehört zu den am meisten befahrenen Regionen in Deutschland. Die neue Verkehrszentrale in Frankfurt arbeitet rund um die Uhr gegen die hohe Staugefahr an. Ihre Möglichkeiten muten futuristisch an.

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          Wie ein Weltraumkapitän auf der Kommandobrücke sitzt Mathias Borrmann vor seinem zukünftigen Arbeitsplatz mit den großen geschwungenen Monitoren und der 30 Quadratmeter großen Bildwand. In Echtzeit laufen hier unzählige Verkehrsdaten von hessischen Autobahnen zusammen. Borrmann steuert kein Raumschiff, sondern bemüht sich als Teamleiter der neuen Verkehrszentrale (VZH) im House of Logistics and Mobility (Holm) um einen reibungslosen Fluss des Straßenverkehrs.

          Als „Operator“ muss er einen kühlen Kopf bewahren und schnell reagieren, wenn sich irgendwo ein Stau abzeichnet. „Durch die vielen optischen Reize ist es schon anstrengend. Man bekommt aber ein Gefühl dafür, wo man seinen Fokus hinlenken muss“, sagt er. Viele Abläufe seien auch automatisiert, als Operator könne er sich dann voll auf die Überwachung konzentrieren.

          Weit über dem Bundesdurchschnitt

          130.000 Fahrzeuge fahren im Rhein-Main-Gebiet täglich über die Autobahnen – mehr als doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Dazu kommen Dutzende Tages- und Großbaustellen. 5000 Sensoren an den Straßen schicken Daten über die Anzahl und Geschwindigkeit der Fahrzeuge in Echtzeit an die Verkehrszentrale Hessen (VZH), die von den Operatoren rund um die Uhr, sieben Tage die Woche überwacht werden.

          Auf Hunderten von Kilometern können zum Beispiel Seitenstreifen freigegeben oder Geschwindigkeitsbeschränkungen angepasst werden. „Intelligente Straßen“ nennt das die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil. In den kommenden Jahren soll das Netz der Streckenbeeinflussungsanlagen noch weiter ausgebaut werden.

          Wenn sich ein Unfall ereignet, registrieren die Sensoren entstehende Staus, und die jeweilige Strecke leuchtet auf der großen Bildwand gelb, orange oder rot auf. „Dann müssen wir die passende Kamera ansteuern und den Seitenstreifen nach Hindernissen absuchen. Danach können wir die Strecke für den Verkehr freigeben“, erzählt Borrmann. Er habe selbst auf diese Weise schon viele Staus abwenden können. Gleichzeitig stehe der Operator die ganze Zeit mit der Polizei in Verbindung. „Man kann mit wenigen Handgriffen große Effekte erzielen“, sagt Borrmann. Auf viel befahrenen Abschnitten könne die Kapazität durch die Maßnahmen um 20 bis 25 Prozent gesteigert werden.

          30 Quadratmeter große Bildwand

          Im Holm stehen statt ehemals fünf nun neun Arbeitsplätzen für Operatoren zur Verfügung. Insgesamt wechseln sich elf Mitarbeiter in drei Schichten ab. Die neue 30 Quadratmeter große Bildwand biete viel mehr Anzeigefläche für relevante Informationen zur Steuerung des Verkehrs, sagt Pressesprecherin Sandra Blaß von Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil. Auf zwei riesigen berührungsempfindlichen Bildschirmen können zudem großflächige Straßenpläne in hoher Auflösung angezeigt und bearbeitet werden. Der Umzug vom alten Standort im Frankfurter Stadtteil Rödelheim soll in den kommenden zwei bis drei Wochen abgeschlossen sei.

          In Zukunft sollen zudem Innovationsprojekte mit anderen Experten angestoßen werden, wie der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) bei der Eröffnung des Standortes sagte. „Mobilität zu sichern, und gleichzeitig das Klima zu schonen, ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Wer dafür Lösungen entwickeln will, muss die Kompetenzen vieler Expertinnen und Experten zusammenführen.“

          Ein Arbeitsplatz ist daher auch für den geplanten E-Highway und andere Entwicklungsprojekte reserviert, sagt Al-Wazir. Auf der Autobahn 5 zwischen Frankfurt und Darmstadt entsteht derzeit eine Teststrecke für Lastwagen, die mit Strom aus Oberleitungen über die 5 Kilometer lange Straße rollen. Von der VZH aus wird auch diese Fahrbahn rund um die Uhr überwacht werden.

          Das neue VZH sieht ADAC-Sprecher Cornelius Blanke als „große Weiterentwicklung“. Der ADAC Hessen habe in den vergangenen Jahren schon eine Entspannung des Stauaufkommens beobachtet. „Wir bleiben ein Transitland, sind aber auf einem guten Weg“, sagt er.

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