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Ironman-Sieger Patrick Lange : Mit hessischer Hilfe zum Titel auf Hawaii

  • -Aktualisiert am

Unterwegs bestens informiert: Patrick Lange wird mit Darmstädter Hilfe auf dem Laufenden gehalten. Bild: Imago

Aus dem nächtlichen Darmstadt erreichen Patrick Lange während des Rennens wichtige Informationen seines Vereins DSW auf dem Weg zum Sieg beim Ironman. Viel Zeit zum Genießen bleibt auch danach nicht.

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          Auf Jan Sibbersens Beine nahm niemand Rücksicht. Als der 43-Jährige nach 10:37:32 Stunden in Kailua-Kona die Ziellinie erreichte, konnte er etwaige Hoffnungen auf ein paar regenerative Stunden gleich begraben. Sibbersen ist einstiger Triathlonprofi, Unternehmer und Manager von Patrick Lange. Der Darmstädter war knapp zwei Stunden vor Sibbersen ins Ziel gestürmt, in der Fabelzeit von 7:52:39 Stunden – als erster Athlet, der bei den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii je unter der Achtstundenmarke geblieben ist. „Mit dem Heiratsantrag obendrauf hat Patrick ja noch ganz schön einen rausgehauen“, sagt Sibbersen schmunzelnd. Und: „Patrick hat Sportgeschichte geschrieben.“

          Mit diesem Befund konnte der Manager sich schon während seines eigenen Rennens beschäftigen. Denn als er vom Rad auf die Laufstrecke wechselte, sah er, wie Lange in konstant starker Pace als souverän Führender die Halbmarathonmarke erreichte. Sibbersen fiel also als Unterstützer Langes am Streckenrand aus. So blieben Trainer Faris al-Sultan, Langes Vater und Langes Freundin Julia, die im emotional hochtourigen Finish nach der erfolgreichen Titelverteidigung Langes Verlobte wurde.

          Doch im nächtlichen Darmstadt waren noch weitere Kräfte aktiv, um dem Team Lange auf Hawaii zuzuarbeiten. Vor einer kleinen Leinwand in einem Darmstädter Laufgeschäft schlugen sich mehr als 30 Freunde, Trainingspartner und Vereinskollegen von Lange die Nacht um die Ohren. Thomas Pignede ist der sportliche Leiter der Triathlon-Abteilung des DSW Darmstadt, für die auch Profi Lange startet. Wie im Vorjahr war es seine Aufgabe, das Renngeschehen im Fernsehen und Internet zu verfolgen und Langes Team auf Hawaii mit Informationen zu versorgen. So lieferte Pignede per Whatsapp die sich verändernden Abstände zwischen den Topathleten und Hochrechnungen, wie sich das Rennen entwickeln könnte. Wertvolle Zuarbeit aus der hessischen Heimat also, die ihren Anteil hatte am famosen Rennen Langes. Aber natürlich herrschte in dem Darmstädter Laufladen auch eine Stimmung, die zwischen banger Erwartung und freudigem Überschwang changierte. „Patrick ist ja auf dem Rad härter gefahren als im vergangenen Jahr. Da haben wir schon gedacht: Hoffentlich geht das gut bis zum Rennende“, so Pignede.

          Weltklasse und dennoch Heimspieler

          So wie Lange in seiner Vorbereitung auf Hawaii alles genauso gemacht hat wie im Vorjahr – Höhentrainingslager, 70.3-Rennen auf Rügen, Trainingsblock in Texas –, so kamen auch Pignede und seine Mitstreiter in fast der gleichen Konstellation wieder nachts zusammen. Das ungläubige Staunen über den Galaauftritt Langes, so Pignede, sei abgelöst vom Daraufhinfiebern, dass der 32-Jährige die Distanz tatsächlich unter acht Stunden bewältigen kann. Er konnte. Und nun hat der DSW Darmstadt nicht nur einen zweimaligen Ironman-Weltmeister, sondern auch den Hawaii-Rekordhalter in seinen Reihen. Pignede ist es wichtig zu betonen, dass Lange „nicht nur auf dem Papier Vereinsmitglied ist“. Vielmehr lebt der Star in Darmstadt und nimmt beispielsweise häufig die Schwimmtrainingszeiten des Vereins mit seinen rund 200 Aktiven wahr. Dort schwimmt der Weltmeister aber nicht wirklich vorneweg, denn der DSW beherbergt, auch aufgrund der sehr guten Trainingsbedingungen im Bürgerpark, viele ambitionierte Triathleten. Auch bei Radeinheiten wird Lange häufig von Trainingspartnern aus dem Verein begleitet. Nur im Laufen ist er auch im Übungsbetrieb eine Klasse für sich. Auch bei den beiden vom DSW im Jahr ausgerichteten Wettkämpfen, dem Woog-Sprint im Juni und dem Swim & Run im Januar, ist Lange stets präsent.

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          „Die Nachwuchsathleten des Vereins sammeln fleißig Fotos mit und Autogramme von Patrick. Wir haben mit ihm ein absolutes Vorbild, der den jungen Athleten aus der Nähe zeigt, dass es lohnenswert ist, sich reinzuhängen, um irgendwann auch mal in der Tagesschau aufzutauchen“, sagt Pignede. Der 28-jährige Franzose hat selbst beim DSW schwimmen gelernt und gehört zu den ambitionierten Freizeitathleten, die auf das erfolgreichste Jahr der Geschichte der Triathlonabteilung blicken. Die Herrenmannschaft beendete die Bundesligasaison auf einem einstelligen Tabellenplatz, und die Damen sowie das zweite Herrenteam wurden jeweils Süddeutscher Meister. Dass die Erfolge Langes etwas ändern könnten an der Tatsache, dass der DSW über keinen Hauptsponsor verfügt, darüber macht sich Pignede indes keine Illusionen.

          Jan Sibbersen hatte auf Hawaii zunächst keine Zeit, seinen eigenen Erfolg zu genießen. Der 43-Jährige hat in 46:30 Minuten den 20 Jahre alten Schwimmrekord bei der WM gebrochen und „mir einen absoluten Lebenstraum erfüllt“. Da war Sibbersen aber schon damit beschäftigt, die dutzendweise eingegangenen Anfragen von Medien und Sponsoren an Lange zu sortieren und zu beantworten.

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