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Schlagloch-Golf in Offenbach : Birdie über den Goetheplatz

Vor dem Putt muss das ein oder andere Auto warten. Bild: Rainer Wohlfahrt

So bekommen fiese Löcher in der Straße einen tieferen Sinn – und bringen selbst Autofahrer zum Schmunzeln. In Offenbach wollen Golfer die Straße als Lebensraum für die Menschen zurückgewinnen.

          Irrtum. Es ist keine Protestaktion gegen Schlaglöcher. Ganz im Gegenteil. Der Verein Stadtmenschen findet es zwar auch nicht toll, dass für Bürger wichtige Dinge nicht sofort oder oft gar nicht auf den Weg gebracht werden können, weil die Stadt Offenbach zu klamm dafür ist. Aber die Schlaglöcher in den Straßenbelägen, die man beispielsweise rund um den Goetheplatz sehen und als Radfahrer auch an sensiblen Körperpartien spüren kann, findet der Verein eigentlich ziemlich gut. Denn er kann sie prima für seine Zwecke nutzen, beispielsweise fürs Golfen.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          So geschehen am Donnerstagnachmittag. Schon zum zweiten Mal haben sich Stadtmenschen mit Golfschlägern in den fließenden Verkehr begeben, um gepflegt einige Bälle – ob der heiklen Haftungsproblematik sind diese allerdings weich und gehäkelt – zu schlagen. Die Freude der Spieler ist mindestens so groß wie das Staunen eines SUV-Fahrers aus Fulda, der nun möglicherweise übertrieben exotische Eindrücke von Offenbach mit in die osthessische Bischofsstadt nimmt.

          Menschen zum Nachdenken animieren

          Die Stadtmenschen sind aber keinesfalls ein Verein von Snobs, denen der Golf-Club Neuhof zu rustikal und dessen Mitglieder zu gewöhnlich sind. Es geht vielmehr darum, die Menschen zum Nachdenken darüber zu animieren, dass unter den Autos jede Menge Platz ist, den sie und ihre Kinder sich wieder aneignen könnten, um darauf zu spielen, sich zu sonnen oder sonst etwas zu tun, wie Mitglied Paola Wechs erklärt, die sich professionell mit Stadtentwicklung befasst.

          Auch das Straßen-Golf fordert volle Konzentration.

          Gesagt, getan: Schnell wendet sie sich wieder den Kindern des Viertels zu, die den Spaß der Aktion sofort erkannt und sich auf dem Goetheplatz zur Einweisung auf sicherem Terrain versammelt haben. Der erste Schlag eines mutigen kleinen Golfers trifft allerdings vor allem den Platzbelag und verfehlt den Häkelball. Dass die Golfer-Etikette es verlangt, einen Divot, den herausgeschlagenen Teil des Bodens, wieder mit dem Fuß in den Untergrund einzupassen, muss die Aufsicht führende Stadtfrau dank der stabilen Pflastersteine allerdings nicht erklären. Der zweite Schlag sitzt dafür sehr ordentlich: die eiernde Häkelkugel purzelt unter erheblichem Beifall ins markierte Loch. Der „Tiger Woods“ des Goetheplatzes ist für diesen Abend gefunden.

          Dort, wo die älteren Golfer auf kleinen Straßen dem fließenden Verkehr den Platz streitig machen, lässt sich erstaunlicherweise beobachten, dass die Aktion der sich bestens amüsierenden Asphalt-Golfer auch Autofahrern ein entspanntes Lächeln entlockt – von irritierten Geländewagenfahrern aus Fulda vielleicht einmal abgesehen. Ob diese sofort den tieferen Sinn der Aktion erkannt haben und jetzt darüber nachdenken, wie Menschen in Zukunft leben wollen, für wen die Stadt gedacht ist und wie man mit Umgestaltungen von städtischen Arealen Lebensraum für die Menschen zurückgewinnen kann, lässt sich allerdings nicht sofort klären.

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