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Statt Benzin-Laubbläser : Mit Elektrobläsern gegen 3400 Tonnen Laub

Leseblattsammlung: Laubberge im Frankfurter Nordend Bild: Maximilian von Lachner

Auf Straßen und in Parks arbeiten die Frankfurter Stadtreiningung und Gärtner intensiv daran, die Blätter einzusammeln. Mit Rechen und Besen wäre das zu teuer.

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          Wenn das Herbstlaub fällt, wird die Stadt nicht nur bunter, sondern auch lauter. Denn die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) setzt auf den Straßen und Plätze ebenso Laubbläser ein wie die vom Grünflächenamt beauftragten Unternehmen, die das Laub auf Wegen und Rasenflächen in den Parks entsorgen. Überlegungen, wenigstens in den Grünanlagen statt auf technisches Gerät wieder auf Federbesen und Rechen zu setzen, sind schon vor Jahren an den Kosten gescheitert.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die frühere Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) hatte seinerzeit ermitteln lassen, dass die Preise beim Einsatz mit Rechen oder Besen je Quadratmeter rund dreimal höher lägen als beim Einsatz eines Laubbläsergeräts. Mit Besen oder Rechen zu arbeiten, „das wäre praktisch Handarbeit“, bestätigt Bernd Roser vom Grünflächenamt, der für die Pflege der 1370 Hektar Grünanlagen in der Stadt zuständig ist. Die Friedhöfe sind da noch gar nicht mitgerechnet.

          Leichtere und leisere Geräte

          Um den Lärm der Laubbläser zu reduzieren, hat die FES im Herbst 2012 damit begonnen, ihre mit Benzin betriebenen Zweitakter-Geräte durch die im Einkauf erheblich teureren, aber leiseren und wesentlich leichteren Elektro-Laubbläser zu ersetzen. Mittlerweile sei der gesamte Bestand von mehr als 40 Geräten umgestellt, teilt FES-Mitarbeiter Michael Werner mit. Dadurch werde der Lärm erheblich reduziert. Statt der zuvor 100 Dezibel der Benzingeräte verursachen die Elektro-Laubbläser zwischen 80 und 90 Dezibel. Das klingt zwar nicht nach einer gravierenden Reduzierung, doch der wahrgenommene Lärm wird so halbiert, wie die FES argumentiert.

          Insgesamt entsorgt die FES in jedem Herbst rund 3400 Tonnen Laub, das auf Straßen, Gehwegen und Plätzen in Frankfurt fällt. Die Blätter werden nicht in die zur FES-Gruppe gehörenden Rhein-Main-Biokompostanlage im Osthafen gefahren. Denn im Laub befinde sich zu viel Dreck von der Straße wie Gummiabrieb, aber auch Müll, etwa Zigarettenkippen, hinzu kämen Verpackungsabfälle.

          Außerdem sei Laub ein „träges Material“, sagt Werner. Es brauche relativ lange, ehe es verrottet sei und als Kompost wiederverwendet werden könne. Die Biokompostanlage im Osthafen sei eine technisch hocheffiziente Anlage, in der der Müll aus den braunen Biotonnen, in die Frankfurter ihre Grünabfälle und Essensreste werfen, innerhalb von 14 Tagen zu Kompost verarbeitet werde. „Eine solche Anlage kann jedoch nicht die anfallenden großen Laubmengen von den Frankfurter Straßen aufnehmen“, erläutert Werner. Deshalb wird das Laub von den Straßen zunächst gesiebt, danach verrottet es allmählich auf Kompostanlagen in der Region.

          In den Grünanlagen müssen vor allem die Wege von Laub befreit werden, damit Radfahrer und Fußgänger nicht rutschen. Auf den Rasenflächen dürfen die Blätter nicht liegen bleiben, damit der Rasen nicht fault. Insgesamt fallen dort noch einmal rund 2000 Tonnen Laub an. Unter den Gehölzen dagegen, also unter Bäumen und Sträuchern, lassen die Gärtner das Laub liegen - zum Schutz der Wurzeln vor Frost und als wichtiger Lebensraum für Kleinlebewesen.

          Um die Wege und Rasenflächen in den Parks von Laub frei zu halten, setzen die vom Grünflächenamt beauftragten Unternehmen und die städtischen Gärtner allerdings immer noch vorwiegend auf die lärmintensiven Benzin-Laubbläser. Die elektrischen Geräte sind nach Angaben von Bernd Roser einfach nicht leistungsstark genug, um die Blätter von dem im Vergleich zu Straßen rauheren Untergrund in Parks aufzunehmen, etwa von Rasen und Kieswegen.

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