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Mehr Eintracht bei der WM : Und keiner schlägt den Ball lang

Ante Rebić: Ob die Deutschen mit seiner Hilfe immer noch drin wären? Bild: Reuters

Müde und uninspiriert: Das Resultat war ja damit irgendwie schon abzusehen. Denn ohne einen einzigen Eintracht-Spieler konnte es nichts mit der WM werden. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Jetzt hat wieder jeder eine Meinung, woran es gelegen hat. Überalterte Mannschaft, schlechtes Coaching, Fotoshooting mit Sultan und was die 82 Millionen Bundestrainer noch so an Erklärungsversuchen aufbieten. Dabei ist die Sache doch offensichtlich: Dem deutschen Team haben die Eintracht-Spieler gefehlt. Man denke nur an die 87. Minute gegen Südkorea, als Özil wunderbar in den Strafraum flankt, aber Hummels frei vor dem Tor in merkwürdig gekrümmter Haltung in die Luft springt und den Ball nicht an den Kopf, sondern an die Schulter bekommt. Allein für diese Chance hätte es sich gelohnt, Alex Meier mit nach Russland zu nehmen. Doch ohne Fußballgott ... wir alle kennen das Ergebnis.

          Man hätte es wissen können

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Man hätte es wissen können. Seit dem Wunder von Bern gilt: Nur mit Eintracht-Spielern wird etwas aus der WM. Die Trainer von Herberger über Schön bis Beckenbauer wussten um diese Quasi-Gesetzmäßigkeit. Alfred Pfaff, Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski, Uwe Bein – sie alle haben den Titel für Deutschland geholt. Okay, 2014 war kein Frankfurter dabei, aber das war halbwegs verständlich, da die SGE in der vorhergehenden Saison gegen den Abstieg gespielt hatte. Ganz anders im Jahr 2018, da ist die Eintracht amtierender DFB-Pokalsieger.

          Wer den Triumph von Berlin noch vor Augen hat – und wer hat das nicht? –, der weiß, wie das auch in Russland hätte laufen können. „Bruda, schlag den Ball lang“, lautete die schon legendäre Ansage von Ante Rebić an Kevin-Prince Boateng vor dem Pokalfinale. Und der Kapitän antwortete: „Bruda, ich schlag den Ball lang.“ Ganz genauso haben sie es dann gemacht und der Bayern-Defensive die Lederhosen bis auf die Knöchel runtergezogen. Was allerdings den Jogi nicht davon abhielt, für die WM eine bajuwarische „Abwehrreihe“ aus Kimmich, Süle, Hummels und Boateng (der Bruder vom Bruda) zu basteln.

          Erfolgstruppe aus Hessen

          Aber bleiben wir bei unserer hessischen Erfolgstruppe. Man muss sich ja nur einmal die Nationalmannschaften anderer Länder anschauen. Spielen Eintracht-Profis mit, dann läuft es. Mexiko mit Carlos „El Titán“ Salcedo hat den Deutschen schon zu Beginn des Turniers gezeigt, was eine Fiesta ist. Wenn es jetzt im Achtelfinale gegen Brasilien zur Sache geht, dann kommt vielleicht auch Eintracht-Kollege Marco Fabián zum Einsatz.

          Das Paradebeispiel Frankfurter Siegermentalität ist natürlich Pokalheld Rebić, der mit seinem WM-Tor die Argentinier an den Rand des Ausscheidens brachte, Die Kroaten stellten das vielleicht überzeugendste Team der Vorrunde und treffen nun auf Dänemark. Oder nehmen wir Makoto Hasebe. Ähnlich wie bei der Eintracht überzeugt er als Kapitän der japanischen Nationalmannschaft durch präzises Passspiel und ist auch durch Fouls kaum zu stoppen. Sein Spitzname lautet übrigens „Hase“.

          Japaner mit etwas mehr als Glück

          Gestern brauchten die Japaner zwar etwas Glück, um ins Achtelfinale zu rutschen, aber besser knapp drin als klar draußen. Noch nicht richtig zum Zug gekommen ist Mittelfeld-Abräumer Gelson Fernandes bei der Schweiz. Macht nichts: Offenbar reicht es schon, wenn ein Frankfurter im Kader steht, damit sich das Team für die K.-o.-Runde qualifiziert.

          Fazit: Deutschland ist ausgeschieden, aber die SGE spielt munter weiter um die Weltmeisterschaft. Das sollte dem künftigen Bundestrainer, ob er nun Jogi heißt oder nicht, zu denken geben. Dass Nationalelf und Eintracht zusammengehören, sieht man ja schon an den Trikots: schwarz und weiß mit einem Adler auf der Brust. Das kann doch kein Zufall sein.

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