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F.A.Z.-Leser helfen : Mit einer Hühnerfarm zum Erfolg

Mit Schulfreund Julius Njogu Njoki gründete Nancy Kefa eine Hühnerzucht – ermöglicht durch einen Minikredit von Cargo Human Care. Bild: Frank Röth

Das Mothers’ Mercy Home in Kenia hat vielen Waisen den Weg in eine vielversprechende Zukunft geebnet. Möglich geworden ist das durch den Frankfurter Verein Cargo Human Care. Einblicke in außergewöhnliche Lebensgeschichten.

          6 Min.

          Was hält eine Zehnjährige davon ab, draußen im Hof mit den anderen Kindern zu spielen? Die Babyhasen zu bestaunen, oder auf der Schaukel ein bisschen zu fliegen? Es ist schulfrei, und Millicent sitzt an diesem Morgen allein an einem Tisch, löst hoch konzentriert ein paar Aufgaben. Blaue Strähnen sind mit ihren schwarzen Haaren verflochten, die vielen Zöpfe zu einem Dutt gebunden. Dass einige der jüngeren Schüler dicht nebenbei Nachhilfe bekommen, stört sie offenbar nicht.

          Sonja Kastilan
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rechts hält sie ihren Stift, die Finger der linken Hand bewegen sich, zählen: Millicent mag Mathematik, die Rechenaufgaben macht sie freiwillig, aus Spaß. Sie ist ein Waisenkind und lebt am Rand von Nairobi, der kenianischen Hauptstadt mit geschätzten fünf Millionen Einwohnern, im Mothers’ Mercy Home. Ein Waisenheim, das von der Anglikanischen Diözese von Mount Kenya South getragen und seit Jahren vom Frankfurter Verein Cargo Human Care (CHC) finanziell unterstützt und mit großem persönlichen Engagement gefördert wird.

          Beeindruckende Stärke und Zuversicht

          In der Küche helfen weitere Kinder und Jugendliche, geduldig Karotten zu reiben oder den Teig für die frittierten Mandazi vorzubereiten, einen beliebten Frühstücks-Snack, der am besten noch warm zum Tee genossen wird. Wer aus Frankfurt nach Nairobi kommt, erlebt, dass der Pendlerverkehr in der hessischen Metropole harmlos ist im Vergleich zu dem dichten Gedränge auf den Straßen in Kenias Hauptstadt.

          Unterwegs an diesem Morgen ist auch Fokko Doyen, Mitbegründer und erster Vorsitzender des Vorstands von Cargo Human Care – auf dem Weg zu einer Stippvisite in der Zukunft, die ein waches Mädchen wie Millicent einmal erwarten könnte. Es sind Orte wie eine abgelegene Hühnerfarm im Rift Valley oder ein von Sozialarbeitern betreutes Wohnheim für junge Erwachsene, wo sie sich über ihre Erfahrungen im Praktikum austauschen, etwa in einem Team der GIZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

          Und ganz gleich, ob sich ein Gespräch schlicht um Lieblingsspeisen und ungewöhnliche Vornamen dreht, um die Aufzucht von Legehennen – oder um Gleichberechtigung, den gesellschaftlichen Wandel in Kenia oder Probleme im nahen Somalia: Alle, denen man an diesem Tag begegnet, strahlen trotz einer oft schwierigen Familiengeschichte, zerrüttenden Verhältnissen oder aktuellen Nöten eine beeindruckende Stärke und Zuversicht aus.

          Der Vorstandsvorsitzende Fokko Doyen ist seit Ende Januar 2021 in Rente, umso mehr engagiert er sich nun ehrenamtlich für den Verein.
          Der Vorstandsvorsitzende Fokko Doyen ist seit Ende Januar 2021 in Rente, umso mehr engagiert er sich nun ehrenamtlich für den Verein. : Bild: Frank Röth

          Dass sie ihre Chance ergreifen und es auf ihre Weise schaffen wollen, selbstbestimmt auf eigenen Beinen zu stehen, davon müssen sie niemanden überzeugen. Man habe sich all die Jahre gut um sie gekümmert und mit einem Minikredit nun sogar die Starthilfe für ein eigenes „Business“ gegeben, sagt etwa Nancy Kefa. Jetzt gehe sie ihren Weg – und hofft auf den Erfolg ihres „Projektes auf Lebenszeit“, um auf diese Weise auch zu zeigen, wie dankbar sie dem Hilfsverein sei.

          Das Mothers’ Mercy Home, das diese Zeitung mit dem Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ in den vergangenen Jahren unterstützt hat, bietet 120 Kindern einen Platz, im Moment sind dort knapp hundert untergebracht. Bevor aber Ende April die nächste Einheit des Schuljahrs beginnt, werden es vierzehn mehr sein, und Charles Mugai, der verantwortliche Sozialarbeiter, besucht derzeit ausgewählte Familien und Gemeinden: Welche Kinder sind besonders bedürftig, um welche Waisen kann sich die Verwandtschaft nicht umfassend kümmern?

          Mittelfristige Zukunft ist sicher

          Dass die kenianische Regierung künftig lieber auf Pflegeeltern statt auf Waisenhäuser setzen würde, weil manche Einrichtungen in der Vergangenheit in Skandale rund um die finanzielle Führung der Häuser verwickelt waren, verlangt allerdings nach weitaus umfassenderen Kontrollen als die bisherigen.

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