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Bildungsstätte Anne Frank : App gegen Extremismus

  • -Aktualisiert am

In dem Spiel driftet die fiktive Mitschülerin Emilia in rechtsextremes Gedankengut ab. (Symbolbild) Bild: Picture-Alliance

In den Sozialen Medien ist es oft schwierig, extremistische Symbole, Worte und Zusammenhänge zu erkennen. Die Bildungsstätte Anne Frank hat eine eigene App entwickelt, mit der Schulklassen genau das üben können.

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          „Hidden Codes“, versteckte Zeichen – dieses neue Handy-Spiel soll Schüler für rechtsextreme und islamistische Ideologien unter Jugendlichen sensibilisieren. Die Bildungsstätte Anne Frank hat die App am Mittwochmorgen vorgestellt. In einer simulierten Social-Media-Welt müssen Schulklassen rechtsextreme und islamistische Symbole, Worte und Zusammenhänge erkennen. Ziel des Spieles ist, die Radikalisierung eines fiktiven Freundes zu stoppen. Seit Mittwoch sind die ersten zwei Episoden des Spiels für Schüler von 14 Jahren an freigeschaltet.

          Im Verlauf der ersten Episode kristallisiert sich heraus, dass die fiktive Mitschülerin Emilia in rechtsextremes Gedankengut abdriftet. Der einzelne Spieler muss es also schaffen, Emilias Geheimnis zu lüften: Und zwar über fiktive Chatgruppen, Profile mit Bildern und andere Hinweise innerhalb des Spiels.

          „Judenfeindliche Witze werden oft ignoriert“

          Zum Ende einer Episode können die Erfolge der spielenden Schüler sehr unterschiedlich sein, das hängt von den individuellen Entscheidungen im Spiel ab. Die Ergebnisse können Schulklassen dann gemeinsam besprechen und ein Fazit ziehen.

          Bereits während der Entwicklung des Spiels saß die Zielgruppe mit am Tisch: Destiny Omorokunwa und drei ihrer Mitschülerinnen vom Adorno-Gymnasium testeten das Spiel vergangene Woche. Destiny kennt Rassismus aus ihrem eigenen Schulalltag: „Judenfeindliche Witze werden oft ignoriert.“

          An solchen Problemen will die Bildungsstätte Anne Frank mit „Hidden Codes“ ansetzen. „Jugendliche sind nicht das Problem, sondern die Lösung“, sagt Céline Wendelgaß, Referentin der Bildungsstätte. Die App solle den Schülern zeigen, wie sie in ihrem Umfeld mit Rechtsextremismus umgehen könnten.

          Mittlerweile haben sich Hass und Extremismus auch in die sozialen Netzwerke ausgebreitet: „Das Internet ist ein Ort, an dem sich Radikale präsentieren und vernetzen können,“ sagt Deborah Schnabel, stellvertretende Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank. „Das haben auch die Anschläge in Hanau und im australischen Christchurch gezeigt.“ Deshalb sei es wichtig, Islamismus und Rechtsextremismus in sozialen Netzwerken zu erkennen, so Schnabel.

          Drei Jahre daran gearbeitet

          Schon seit 2018 arbeitet die Bildungsstätte an der Hidden-Codes-App. Nach der Recherche-Phase entwarfen Texterinnen in den vergangenen zwei Jahren die Geschichten der Charaktere. Und sie schrieben die Chatnachrichten, die heute im simulierten sozialen Netzwerk auftauchen.

          Illustratorinnen gaben allen Figuren ein Gesicht. Die eigentliche Entwicklung der App übernahm dann ein Berliner Unternehmen, das auch Spiele mit historischem Hintergrund gestaltet.

          Eine Fachjury nominierte „Hidden Codes“ schon vor der Veröffentlichung für den Deutschen Computerspielpreis. Und zwar in einer Kategorie für Spiele mit ernstem Hintergrund. Die Preise werden am 13. April in einer Online-Veranstaltung verliehen.

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