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Fahrt durch das Mittelrheintal : Ein Schiff wird kommen

Darum ist es auf dem Rhein so schön: Vom Strom aus bietet sich die schönste Sicht auf Burgen und Weinhänge. Bild: KD Deutsche Rheinschiffahrt AG

Auf der „Boppard“ von Eltville nach Oberwesel. Bei einer Fahrt durch das Mittelrheintal mit der „Köln-Düsseldorfer“ ist nicht das Schiff, sondern die Kulturlandschaft die Attraktion.

          5 Min.

          Jeder will aufs Oberdeck. Als die „Boppard“ zügig am Eltviller Rheinufer anlegt, geht das Gedränge in der Warteschlange los. Doch das ist vergebliche Mühe. Die Frühaufsteher, die schon in Mainz und Wiesbaden zugestiegen sind, haben sich die besten Plätze längst gesichert. Und in Rüdesheim und Bingen wird es dann voll. Richtig voll.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Es ist ein buntgemischtes Volk, das es sich auf der „Boppard“ gemütlich macht: buntgekleidete Radfahrer, schwerbepackte Rucksacktouristen, wild fotografierende Asiaten, laut schwatzende Amerikaner, sichtlich entspannte Rentner, genervte Eltern mit quirligen Kindern. Das Treiben auf den beiden Decks des 1996 in Linz als „Ostarrichi“ vom Stapel gelaufenen Ausflugsschiffs böte genügend Stoff für das Sozialstudium ausflugsfreudiger Großstädter im romantischen Rheintal.

          Kein Schnickschnack an Bord

          Doch ebendieses Rheintal ist das Faszinosum der Fahrt. Das unterscheidet die Binnenkreuzfahrt von der Ozeanreise. Auf dem nach kurzer Zeit eintönigen Meer ist es allein das Schiff mit seinen vielen Annehmlichkeiten, das zwischen zwei Häfen für Kurzweil sorgt. Die „Boppard“ als Teil der aus zwölf Schiffen bestehenden Flotte der Köln-Düsseldorfer-Schifffahrtsgesellschaft bedarf hingegen keines Schnickschnacks an Bord. Auf der Linienstrecke zwischen Mainz und Koblenz, die von der KD-Flotte fünfmal täglich bedient wird, ist es die atemberaubende Kulturlandschaft, die aller Aufmerksamkeit bedarf. Mehr als eine Million Passagiere befördert die KD jährlich zwischen Mainz und Köln im Liniendienst, der das Rückgrat des Geschäfts bedeutet.

          Die Faszination des deutschesten aller Ströme ist ungebrochen, und Flusskreuzfahrten begeistern. Allein in Rüdesheim legen jährlich rund 2000 Hotelschiffe an. Die Schönheiten des Rheins aus einem besonderen Blickwinkel deutlich zu machen, das ist für die KD allerdings kein neuer Trend, sondern 165 Jahre Tradition. 1853 fusionierten zwei schon 1826 und 1836 gegründete Reedereien zur Kölnischen und Düsseldorfer Gesellschaft für Rhein-Dampfschifffahrt, der späteren KD. Deren Unternehmensgeschichte bis zur jüngsten Übernahme für 5,6 Millionen Euro durch die Baseler River Advice AG, dem laut Eigenwerbung „führenden und global agierenden Managementunternehmen für Passagierschiffe in der Binnenschifffahrt“, ist voller Höhen und Tiefen.

          Viele Sehenswürdigkeiten

          Die Passagiere der von der KD fest gecharterten „Boppard“ bemerken davon aber nichts. Die beiden 420 PS starken Dieselmotoren und die Strömung des Rheins treiben das Schiff am Rheingau und den Rheininseln vorbei. Am Ufer winken Angler und Ausflügler. Bei Hattenheim passiert die „Boppard“ die mit rund einem Kilometer breiteste und flachste Stelle des Rheins. Knapp drei Stunden später wird unweit der Loreley die engste Stelle des dort 25 Meter tiefen Stroms erreicht sein. Bis dahin gibt es viel zu sehen. Die „Boppard“ muss erst die Rheinfähre „Michael“ passieren lassen, ehe sie hinter ihr den Rhein bei Oestrich-Winkel queren darf. Schloss Vollrads und Schloss Johannisberg ziehen rechtsrheinisch am Betrachter vorbei. Keine Rotoren lenken die Blicke ab, seit alle Windkraftpläne im Rheingau gescheitert sind. Der Freund der tausendjährigen Kulturlandschaft vermisst sie nicht. Ein Paar aus Großbritannien kommt beim Studium des dicken Reiseführers „The Rhine“ kaum nach, die vielen Sehenswürdigkeiten zu identifizieren.

          Nicht jeder hat ein Auge dafür, nicht jeder die Ortskenntnis. Den neuangelegten Altrheinarm bei Geisenheim beispielsweise hat kaum einer im Blick. Dafür schauen viele Passagiere öfter auf den kleinen Bildschirm in der Hand. Das Smartphone ist auch an Bord allgegenwärtig. Die KD offeriert freies W-Lan. Ganz pünktlich im Sinne des Fahrplans ist die „Boppard“ zwar nicht, aber wen kümmert das schon. „An Bord gibt es keine Uhrzeit“, sagt der Steward und verweist auf die Unwägbarkeiten jeder Flussreise wie Wasserstand und Strömung, nicht zu überholende Güterschiffe oder bummelnde Passagiere beim Ein- und Ausstieg.

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