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Mit dem Rad per Bahn : Die Jagd nach EN 447

Mit dem Rad per Bahn reisen zu wollen, kann im Zweifelsfall ziemlich ermüdend sein Bild: Gyarmaty, Jens

Wer sein Fahrrad per Bahn mit in den Urlaub nehmen will, braucht gute Nerven. Ein Erfahrungsbericht nach einer Fahrt von Frankfurt über Kassel und Hamm - nach Warschau.

          Alles dabei für eine Woche Masuren? Fahrräder, Mückenspray, Zelt, Schlafsäcke, Isomatten. Die Isomatte? Mist, die liegt noch daheim. Hauptsache, wir stehen pünktlich an Gleis 11. Es ist 18.30 Uhr am Freitagabend, in 20 Minuten fährt der Intercity ein, der uns von Frankfurt nach Kassel bringen soll. Von dort geht es mit der Regionalbahn weiter nach Hamm, wo um 0.14 Uhr der Nachtzug EN 447 nach Warschau abfährt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eigentlich gibt es auch einen direkten Nachtzug ab Frankfurt, der mit dem 447 aus Amsterdam spätnachts in Hannover verbunden wird. Aber der Frankfurt-Teil hat grundsätzlich keinen Gepäckwagen, deswegen müssen die Räder irgendwie nach Hamm. Der IC, für den wir schon seit Wochen Fahrscheine und Fahrradkarten haben, fährt ein. Aber leider ohne Fahrradabteil.

          Es faucht die Schaffnerin

          Es ist einer dieser Tage, an denen bei der Bahn alles im Chaos zu versinken scheint, wegen der überfluteten Schnellfahrstrecke nach Berlin vor allem. Irgendwo muss in dem Durcheinander auch der Fahrradwaggon abgeblieben sein. Weil wir ohne den IC unseren Nachtzug nicht mehr erreichen können, wollen wir die Fahrräder trotzdem an der hinteren Tür einladen. Nichts da: „Wenn Sie die Räder da reinstellen, fährt der Zug nicht ab“, faucht die Schaffnerin.

          Es ist schon erstaunlich: Erst in fast acht Stunden, um 2.40 Uhr, verlässt der Nachtzug Hannover in Richtung Osten. Aber nach 18.22 Uhr ist es mit der Bahn nicht mehr möglich, Fahrräder aus Frankfurt in die niedersächsische Hauptstadt zu bringen. Noch nicht einmal mit dem Bummelzug. Abends fahren nur noch ICEs.

          Jeweils zweimal umsteigen

          Was also tun? Am Service-Schalter druckt uns die Mitarbeiterin eine abenteuerliche Verbindung aus. Wenn wir um 19.22 Uhr mit Regionalzügen (zweimal umsteigen in Gießen und Siegen) nach Köln fahren, kommen wir dort planmäßig zwar acht Minuten nach der regulären Abfahrt des Nachtzugs um 22.28 Uhr an. Weil der aber mit Verspätung gemeldet ist, könnten wir es gerade so schaffen.

          Auf nach Köln. Dort ist vom Nachtzug keine Spur, angeblich soll er nun aber in Dortmund 25 Minuten Verspätung haben. Schnell in den Regionalexpress nach Dortmund, der allerdings zwei Minuten nach Abfahrt des verspäteten Nachtzugs ankommen soll. „Wir jagen den Nachtzug schon durch halb Deutschland“, quengeln wir. Der Schaffner hat Mitleid und greift zum Telefon: „Keine Angst, der wartet.“ So ist es auch. Um halb eins steht er in Dortmund am Nachbargleis. Zwar ohne Fahrradabteil, aber die polnischen Schaffner sehen das nicht so eng. In Polen darf man Fahrräder übrigens in jedem Zug mitnehmen. In jedem.

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