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Darmstadt 98 : Vom Klempner zum Keeper

  • -Aktualisiert am

Kein Unbekannter: Michael Esser stand jahrelang beim VfL Bochum unter Vertrag, kam aber nur auf 24 Einsätze für den Klub. Bild: Jan Huebner

Von Graz nach Darmstadt: Für die Chance seines Lebens greift Michael Esser beherzt zu. „Ich habe den Anspruch, zu spielen.“

          Eine schmerzhafte Erfahrung am Böllenfalltor hat Michael Esser schon gemacht. Im April 2015 war er mit seinem VfL Bochum zum Zweitligamatch bei den „Lilien“ zu Gast. Der Torhüter kassierte zwei Gegentreffer nach Eckbällen, der Endstand hieß 0:2. „Ich habe schon ein bisschen Darmstädter Luft geschnuppert“, erzählt Esser lächelnd. Es sei „eklig und unangenehm“ gewesen, gegen die Südhessen zu spielen. „Wenn wir das auch in der neuen Spielzeit hinbekommen, sind wir auf einem guten Weg“, sagt Esser.

          Von der neuen Bundesligasaison an soll der Neuzugang von Sturm Graz das Tor der „Lilien“, so gut es geht, rein halten. Als der 1,98 Meter große Hüne an einem seiner ersten Arbeitstage zum Interview kommt, muss er in den Katakomben des Stadions am Böllenfalltor häufig den Kopf einziehen. Die „Lilien“ und die kommende Bundesligasaison, so viel steht fest, sind die Chance seines Profifußballlebens. In der Summe 24 Zweitligamatches und eine Saison als Stammkeeper in der ersten österreichischen Liga sind auf den ersten Blick kein glanzvolles Empfehlungsschreiben für einen Bundesligaklub. Doch zum einen sind die finanziellen Mittel der Südhessen bekanntlich begrenzt, zum anderen sind die guten Erfahrungen mit einem No-Name im Tor noch frisch.

          „Er wird den Konkurrenzkampf hochmotiviert angehen.“

          Der zum Hamburger SV abgewanderte Christian Mathenia hatte nur eine Handvoll Viertligaspiele auf dem Buckel, ehe er die „Lilien“ als Rückhalt zum Aufstieg und anschließendem Klassenverbleib geleitete. Esser ist freilich nicht nur eine Wette auf die nahe Zukunft, verbunden mit der vagen Hoffnung, dass er ähnlich reüssiere wie einst Mathenia. Mit 28 Jahren hat der gebürtige Castrop-Rauxeler weit mehr Erfahrung im Business als Mathenia damals und verfügt über Qualitäten, die auch dem einstigen Coach Dirk Schuster aufgefallen waren. Der Kontakt bestand schon während der Vorsaison. Auch der neue Coach Norbert Meier bezeichnet Esser als „einen unserer Wunschtorhüter. Er hat bereits in Bochum sehr gute Leistungen abgerufen und war in Graz eine Stütze. Er wird den Konkurrenzkampf hochmotiviert angehen.“

          Beobachter sehen Vorteile für Esser im Duell mit dem ebenfalls neuerworbenen Daniel Heuer Fernandes um den Posten der Nummer eins. „Ich habe den Anspruch, zu spielen“, sagt Esser lapidar. An sich eine Floskel für einen Neuzugang, bei ihm indes ein Satz mit tieferem Sinn. Der Ballfänger mit Gardemaß galt in seinem Stammverein VfL Bochum schon als ewiger Reservist. Von 2008 bis 2015 unter Vertrag, brachte er es nur auf genannte 24 Zweitligaeinsätze, als er in der Rückrunde 2014/15 dann doch das Vertrauen bekam und seine Chance nutzte. Dennoch entschied Esser sich für den Wechsel nach Graz, wo er den langjährigen Platzhirsch Christian Gratzei verdrängte und sich in kürzester Zeit solch ein Standing erarbeitete, dass er von der Winterpause an als Kapitän fungierte.

          Mit 21 Jahren noch in der Landesliga

          Als das Angebot der „Lilien“ kam, habe er aber „keine drei Sekunden gebraucht, um zu sagen: Ja, auf jeden Fall.“ Nach Medienberichten ließen sich die Darmstädter die Dienste des Keepers, dessen Stärken in der Strafraumbeherrschung liegen, rund 500.000 Euro Ablöse kosten. Mit seiner ruhigen, aber lockeren Art und seiner an sportlichen Enttäuschungen reichen Vita scheint er gut ins Darmstädter Aufgebot zu passen. Dort trifft er auf einige andere Profis, in deren Laufbahn nicht alles nach Wunsch gegangen ist. Einst in der Bochumer C-Jugend aussortiert, weil er zu klein (!) war, spielte Esser noch mit 21 Jahren in der Landesliga beim SV Solingen und ging seinem Job als Klempner nach. Durch den Schichtdienst auf Baustellen habe er das Leben als Profisportler richtig schätzen gelernt, sagt Esser. Nun also mit der Chance seines Lebens in Darmstadt.

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