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Misshandlungen im Alltag : Intensivkurs in Sachen Kinderschutz

Schutzbedürftig: Wegen mangelnder Schulung werden Misshandlungen von Kindern in Deutschland oft nicht erkannt. Bild: dpa

Angehende Ärzte und Sozialarbeiter werden im Studium meist nicht mit dem Thema Kindesmisshandlung konfrontiert. Die Frankfurt University of Applied Sciences will das nun ändern.

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          Der Mann, der im Paul-Ehrlich-Hörsaal des Frankfurter Universitätsklinikums steht, ist ein erfolgreicher Immunologe, groß gewachsen, kräftig gebaut. Zu Beginn wirkt er noch selbstsicher und stellt sich locker mit den Worten „Ich bin der Fall“ vor. Doch schon bald bricht ihm die Stimme weg, er muss Pausen machen, und manchmal weint er, als er von seiner Kindheit berichtet. Ein Projektor wirft Schwarzweißbilder an die Wand, auf denen man ihn als Jungen mit seinen Eltern sieht. 1967 wurde er geboren. Die Mutter hatte eine bipolare Störung, der Vater war alt und entwickelte früh eine Demenz.

          Martin Ochmann
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Meine Mutter hat mich emotional missbraucht“, sagt der Mann. Sie habe ihn zu ihrem kleinen Ersatz-Mann gemacht; lag sie in der Badewanne, musste er dazukommen und schmusen. Dann wieder, wenn die Mutter einfach verschwunden war, wurde er tagelang vergessen. Da sein Vater nicht kochen konnte, ging er in den Laden gegenüber, ließ anschreiben und wärmte Konserven auf. Der Vater tauchte den Sohn in eine Wanne, um einen „richtigen Mann“ aus ihm zu machen. Wollte seine Frau nicht mit ihm schlafen, drohte er, den Sohn zu verprügeln. Als das einmal zu misslingen drohte, da der Vater ein steifes Bein hatte und der Sohn schnell war, setzte er seinen Krückstock ein. Der Sohn stürzte und brach sich das Schlüsselbein. Im Hörsaal sieht man Kopfschütteln, eine junge Frau sagt leise: „Mein Gott.“

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