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Minus von sieben Prozent : Grundstücke wegen Fluglärms weniger wert

Zwei, die auf dem Lerchesberg in Frankfurt neuerdings unter Fluglärm leiden Bild: Fricke, Helmut

In den vom Fluglärm besonders belasteten Stadtteilen Lerchesberg, Süd-Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad gehen die Grundstückspreise nach unten. Die Stadt passt die Bodenrichtwerte an.

          Die Stadt Frankfurt hat die Bodenrichtwerte für die vom Fluglärm besonders belasteten Stadtteile Lerchesberg, Süd-Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad um fünf bis sieben Prozent gesenkt. Dies erläuterte der Leiter der Abteilung für Immobilienbewertung im Stadtvermessungsamt, Michael Debus, auf Anfrage. Zwar sei die Wirkung des Fluglärms auf die Preise statistisch schwer messbar, da seit dem Flughafenausbau kaum Immobilien verkauft worden seien. "Wir können die Augen aber nicht vor dem Lärmeinfluss verschließen." Die wenigen bisherigen Transaktionen hätten den Abschlag bei den Bodenrichtwerten bestätigt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Damit ist erstmals seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn für Frankfurt amtlich belegt, dass sich der Fluglärm negativ auf den Wert der Grundstücke und der Immobilien in der Einflugschneise auswirkt. Für den Lerchesberg wird der Bodenrichtwert von 650 Euro auf 600 Euro je Quadratmeter gesenkt, in der südlichen Spitze von Sachsenhausen nimmt er um 20 Euro auf 630 Euro ab. Die Werte gelten für Grundstücke mit Einfamilienhäusern. Abschläge in ähnlicher Höhe seien auch für Niederrad und Oberrad nötig, sagte Debus.

          Ob Wertkorrektur ausreicht?

          Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, die Bodenrichtwerte im Zwei-Jahres-Turnus zu überprüfen. Die neuen Bodenrichtwerte gelten vorerst bis zum 1. Januar 2014. Das Stadtvermessungsamt will die Verkäufe in den genannten Stadtteilen aber genau beobachten und die Werte bei Bedarf früher an die Marktlage anpassen. Auch nach der neuen Einstufung werden der Lerchesberg und Süd-Sachsenhausen als "sehr gute Wohnlage" geführt.

          Immobilienmakler bezweifeln, dass die Wertkorrektur ausreicht. Der Makler Rainer Ballwanz erwartet, dass in zwei bis drei Jahren, wenn möglicherweise mehr Einwohner ihre Häuser veräußert haben, eine Nachbesserung nötig ist. "Der tatsächliche Abschlag liegt wohl höher."

          Preisauftrieb in Stadtmitte

          In den besonders begehrten Frankfurter Wohnvierteln Westend und Nordend hingegen sind die Grundstückswerte zum Teil um zehn bis 15 Prozent gestiegen. Im Westend liegt er beispielsweise im Quartier Feldbergstraße/Fürstenbergerstraße für Grundstücke mit einer Geschossflächenzahl von 1,6 bei 2100 Euro je Quadratmeter, im Nordend an der Schwarzburgstraße bei 1600 Euro für eine Geschossflächenzahl von 2,2.

          Die Geschossflächenzahl regelt das Maß der Bebauung eines Grundstücks, schon bei einem Wert von 0,8 gilt es als sehr intensiv bebaut. Mit 3000 Euro je Quadratmeter bei einer Geschossflächenzahl von 2,7 wird der höchste Wert am Westhafen erzielt.

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