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Hunderte Hühner verendet : Keine Tiertransporte bei Hitze

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Nur durch den Fahrtwind gekühlt und ohne Wasser wurden diese Hühner quer durch Europa transportiert. Bild: Polizeipräsidium Mittelhessen/dpa

Bei einem Tiertransport sind 500 Hühner auf der A5 verendet, weil sie bei den heißen Temperaturen nicht mit Wasser versorgt wurden. Agrarministerin Julia Klöckner fordert, die Kontrollen zu verschärfen.

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          Agrarministerin Julia Klöckner hat die Bundesländer ermahnt, sich an diese Regelung zu halten. „Das ist weder zumutbar für die Tiere noch rechtlich erlaubt“, teilte die CDU-Politikerin am Freitag mit. Am Vortag hatte die Polizei in Gießen mitgeteilt, dass etwa 500 Hühner bei einem Tiertransport gestorben seien - sie waren demnach bei 34 Grad nicht mit Wasser versorgt worden, der Transporter war nicht gekühlt.

          Der Transporter mit knapp 4500 Hühnern war am Mittwochmorgen in Frankreich gestartet, die Tiere sollten zum Schlachten nach Polen gebracht werden. Am Abend stoppten Mitarbeiter der Polizeiautobahnstation in Butzbach den Tiertransporter. Zuvor hatten mehrere Autofahrer gemeldet, dass in den Käfigen etliche leblose Hühner liegen würden. Die verständigte Veterinärärztin schätzte, dass etwa 10% der Hühner bereits verendet waren. Ihrer Einschätzung nach wäre kein einziges Huhn im 12 Stunden entfernten Polen lebend angekommen. Eine Wasserversorgung fehlte für die Tiere völlig.

          Weitere Tiere könnten an Folgen sterben

          Das zuständige Veterinäramt entschied schließlich, dass der Tiertransporter entladen werden musste. Ein Geflügelbetrieb in Waldsolms erklärte sich bereit einen Stall zur Verfügung zu stellen, um die noch lebenden Tiere unterbringen zu können. Allerdings besteht bei weiteren 400 bis 500 Tieren die Gefahr, dass sie an den Folgen des Transportes sterben werden.

          „Es ist ein Skandal, dass der Tierschutz hier so massiv ignoriert wurde“, sagte Klöckner. Bundesländer, die in den vergangenen Jahren mit Tiertransporten bei überhöhten Temperaturen aufgefallen waren, sollten sich an geltendes Recht halten und die Kontrollen verschärfen.

          In der EU-Verordnung zum Tierschutz bei Transporten heißt es, dass es auf Tiertransporten in den Fahrzeugen „für alle Tiere innerhalb des Transportmittels Temperaturen in einem Bereich zwischen fünf Grad Celsius und 30 Grad Celsius, mit einer Toleranz von plus/minus fünf Grad Celsius“, gehalten können werden müssen. „Es ist innerhalb des Lastwagens nicht kühler als außen, in der Regel werden die Tiere nur durch den Fahrtwind abgekühlt“, sagte Frigga Wirths von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbunds der dpa. „Das ist bei diesen Temperaturen nicht ausreichend, vor allem nicht für die Tiere, die innen stehen.“ Die EU-Regeln gelten nur für Transporte, die länger als acht Stunden dauern.

          Verstoß gegen Tierschutzgesetz

          Tiertransporte bei hohen Temperaturen bedeuten für Rinder, Schweine und Hühner eine enorme Belastung des Kreislaufs, da diese nicht schwitzen können und ihre Temperatur lediglich über das Hecheln regulieren können. Außerdem kommen bei voll belegten Transportern nicht alle Tiere an die Tränken, wenn es überhaupt eine Wasserversorgung gibt. 

          Die beiden in den Niederlanden lebenden Fahrer des Tiertransporters mussten wegen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz Sicherheitsleistungen in Höhe von jeweils 1000 Euro hinterlegen. Polizei und Veterinäramt ermitteln außerdem gegen die weiteren an dem Transport beteiligten Personen. Insbesondere der Verlader, der Disponent und der für den Transport verantwortliche Tierarzt rücken in den Fokus der Ermittlungen.

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